TV-Debatte
Impfgegner mit schwieriger Vergangenheit darf in «Arena» auftreten

In der «Arena» zum Epidemiengesetz traten die Gegner mit einem Basler Arzt auf, der sich in der Vergangenheit einer obskuren Bewegung angeschlossen hatte. Dem SRF war davon nichts bekannt.

Manuel Bühlmann
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Florian Davidis.

Florian Davidis.

Printscreen SRF

Florian Davidis stand in der zweiten Reihe der TV-Arena. Der Basler Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe gab in der Sendung vom letzten Freitag seine Einschätzung zum Epidemiengesetz ab (Ausgabe von gestern). Doch Davidis beschäftigte sich in der Vergangenheit nicht nur mit medizinischen Themen, sondern auch mit den Theorien der Kommissarischen Reichsregierung (KRR).

Diese Bewegung verweigert der Bundesrepublik Deutschland und deren Rechtssystem die Anerkennung. Ihre revisionistischen Ideen gehen davon aus, dass die deutschen Grenzen wie im Jahr 1937 verlaufen müssten, als grosse polnische Gebiete zum Deutschen Reich gehörten. Teilen der Bewegung wird zudem eine Nähe zu rechtsextremen Positionen attestiert.

Gegenüber der «Nordwestschweiz» bestätigt Davidis seine Verbindung zur Kommissarischen Reichsregierung (KRR). Die Frage, ob er Mitte der 2000er-Jahre in dieser Gruppierung das Amt des Reichskanzlers innehatte, lässt er offen. Die Verbindung zur KRR habe er vor Jahren beendet. «Nur wer nicht gelebt hat, hinterlässt keine Spuren», schreibt Davidis.

Wer ins Studio will, wird überprüft

Diese Spuren sind dem SRF bei der Überprüfung der Gäste entgangen. Florian Davidis habe sie zwar wie alle Teilnehmer im Vorfeld der Sendung überprüft, dabei sei sie aber nicht auf die Verbindung zu diesen Kreisen gestossen, sagt «Arena»-Redaktionsleiterin Marianne Gilgen. «Diese Organisation kannte ich bis anhin nicht.»

Weil sie nicht wisse, welche Rolle Davidis dort genau gespielt hat, könne sie nicht sagen, ob er trotzdem eingeladen worden wäre oder nicht. Allgemein lautet die Regel: «Wer sich in einem illegalen Umfeld bewegt, darf nicht teilnehmen.» Links- oder rechtsextremistische Strömungen können ebenfalls Gründe für eine Nichtberücksichtigung sein. «Die Grenze lässt sich jedoch nicht immer ganz einfach ziehen.»

Wie aufwendig die Internetrecherchen zu den einzelnen Teilnehmern im Vorfeld einer «Arena» sind, hängt auch vom Inhalt der Sendung ab. «Bei einem Thema wie Extremismus ist man hellhöriger als beispielsweise beim Epidemiengesetz», sagt Gilgen. Sie könne sich an keinen Fall erinnern, in dem eine Person aufgrund der Hintergrundrecherche nicht ein- oder wieder ausgeladen wurde.

Komitees schlagen Teilnehmer vor

Im Unterschied zu gewöhnlichen Sendungen, bei denen die Redaktion die Diskussionsteilnehmer selber bestimmt, läuft die Auswahl bei einer Abstimmungs-«Arena» in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Komitees. Redaktionsleiterin Marianne Gilgen steht den Initianten und Komitees dabei beratend zur Seite.

Doch nicht immer scheint der TV-Auftritt gleich verlockend zu sein. «Für die Sendung vom letzten Freitag hatten wir Mühe, überhaupt vier Leute zusammenzubringen», sagt Gilgen. «Das Interesse der Politiker, auf der Gegnerseite mitzudiskutieren, war nicht besonders gross.»

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