Spital Affoltern

Im Spannungsfeld zwischen Ethik und Ökonomie

Das Spital Affoltern stürzt im kantonalen Vergleich von Rang 4 auf Rang 11 ab

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Das Spital Affoltern stürzt im kantonalen Vergleich von Rang 4 auf Rang 11 ab

Über 1000 Franken mehr pro stationären Normfall: Die Fallkosten-Analyse der Zürcher Gesundheitsdirektion stellt dem Spital Affoltern kein gutes Zeugnis aus. Dabei hat das BSA sein Budget 2008 sogar unterschritten.

Von Thomas Stöckli

Innert sechs Jahren von Rang 13 auf 8, zweimal auf 2, dann 4 und nun 11 - das Spital Affoltern hat im Vergleich der 13 öffentlich subventionierten akutsomatischen Zürcher Spitäler eine veritable Berg-und-Tal-Fahrt hinter sich. «Bei kleinen Häusern wirken sich Ausreisser entscheidender aus», startet Christian Hess, Chefarzt Innere Medizin, einen Erklärungsversuch.

Man sei nicht davon ausgegangen, sich im ersten Drittel halten zu können. Als kleines Spital mit hohen Fixkosten strebt das BSA einen Platz im Mittelfeld an. Vom Sturz auf Rang 11 ist Hess jedoch überrascht. Die Verschlechterung liegt hauptsächlich am Case-Mix-Index, der den relativen ökonomischen Ressourcenaufwand vergleichbar machen soll. Nicht auszuschliessen seien Fehler in der Codierung, so Hess. Man werde die Fallkosten daher nochmals eingehend analysieren.

Mehrkosten für Gemeinden?

Auch im Jahr 2010 werden die Zürcher Spitäler durch den Kanton für ihre stationären Leistungen mit Fallpauschalen abgegolten. Als Messlatte für eine effiziente und kostengünstige Leistungserbringung gelten für diese Fallpauschalen die Fallkosten 2008 des Spitals Limmattal. Die drei kostengünstigsten Spitäler GZO, Zollikerberg und Winterthur erhalten 2010 mehr finanzielle Mittel. Spitäler mit überdurchschnittlich hohen Kosten werden dagegen zur Reduktion auf das Niveau des Spitals Limmattal gezwungen. «Das bedeutet für die Gemeinden allerdings nicht zwingend Mehrkosten», relativiert Hess.

Das Spital Affoltern richtet seinen Fokus auf Patientenbetreuung und nicht auf technische Medizin. Dadurch kommt es in einem auf messbare Leistungen ausgerichteten System tendenziell zu kurz. «Direkte Vergleiche mit anderen Spitälern sind schwierig», so Christian Hess. Der Affoltemer Chefarzt Innere Medizin stösst sich am zunehmenden Wettbewerb zwischen Spitälern: «Jeder kämpft gegen jeden - das wirkt einer vernetzten Versorgung zum Wohle des Patienten entgegen.» So bestehe beispielsweise ein Anreiz, «unrentable» Patienten an ein anderes Spital abzuschieben - das mag zwar ethisch fragwürdig sein, macht aber ökonomisch durchaus Sinn.

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