Als die «Nordwestschweiz» den Stadler-Unternehmer Peter Spuhler kurz vor seinem 58. Geburtstag im vergangenen Januar zum Interview traf, sagte er: «Das ist der Moment, an dem man sich überlegen muss, wie es weitergeht.» Er trage die Verantwortung für eine grosse Belegschaft und müsse eine langfristige und nachhaltige Ablösung finden.

Nun hat Spuhler seine Überlegungen abgeschlossen. Am Mittwoch gab sein in Bussnang TG beheimatetes Bahnbau-Unternehmen Stadler bekannt, dass der Patron nach 30 Jahren an der operativen Spitze den CEO-Posten auf Anfang 2018 abgeben werde – an seinen Stellvertreter Thomas Ahlburg.

Stadler Rail: Deshalb tritt CEO Spuhler zurück

Stadler Rail: Deshalb tritt CEO Spuhler zurück

  

Spuhler kann sich so entlasten, bleibt aber der starke Mann bei Stadler: Ihm gehört das Unternehmen – er verfügt über eine Aktienmehrheit von 80 Prozent – und behält auch das Verwaltungsratspräsidium. Laut Medienmitteilung wird sich Spuhler auf die strategische Führung, Übernahmen und Joint-Ventures, wichtige Ausschreibungsprojekte und die Kundenpflege konzentrieren.

Den Franken-Schock verdaut

Dass er kürzertritt, hat nicht nur mit seinem Alter zu tun, sondern auch mit der guten wirtschaftlichen Entwicklung von Stadler. Das Unternehmen exportiert stark in den Euro-Raum und war von der Frankenaufwertung derart betroffen, dass Spuhler 2011 sein Nationalratsmandat abgab, um sich voll seinem Unternehmen zu widmen. Doch Stadler hat den Franken-Schock bemerkenswert gut verdaut. In der Schweiz, wo die Firma 3000 von insgesamt 7000 Mitarbeitern beschäftigt, baute sie keine Stellen ab. Im vergangenen Jahr resultierte sogar ein rekordhoher Bestellungseingang, obwohl Stadler wegen des noch immer starken Frankens oft acht Prozent teurer offeriert als die Konkurrenz. Das Unternehmen hat aber auch geografisch diversifiziert. Schlagzeilen machte der prestigeträchtige Auftrag aus dem kalifornischen Silicon Valley: Im High-Tech-Tal, wo Google und Apple domiliziert sind, kann Stadler die schweren, dieselbetriebenen Züge durch leichte Doppelstocktriebzüge ersetzen. Spuhler sagte dazu: «Wenn wir diesen Auftrag technisch und terminlich korrekt abwickeln, wird der Effekt im Markt riesig sein.»

Spuhler, hier mit Ex-SVP-Präsident Toni Brunner, politisierte von 1999 bis 2012 im Nationalrat.

Spuhler, hier mit Ex-SVP-Präsident Toni Brunner, politisierte von 1999 bis 2012 im Nationalrat.

Die positive Entwicklung gibt Spuhler die Sicherheit, dass es auch ohne ihn als CEO gut kommt. Doch das dürfte nicht das einzige Motiv sein. Peter Spuhler vermisst die Politik. Gern meldet er sich als Unternehmer zu Themen, die ihm wichtig sind, zu Wort – vor Kurzem etwa in der «Schweiz am Wochenende» zur Altersreform 2020, die er ablehnt. Solche Interventionen haben Gewicht, doch noch lieber wäre Spuhler wieder mit einem Bein in Bundesbern. Im Interview vor seinem 58. Geburtstag sagte er, er würde sich eine Ständerats-Kandidatur 2019 überlegen, wenn ihn die SVP anfragen würde. Das stehe zwar in den Sternen, aber: «Eine Ständeratskandidatur schliesse ich im Gegensatz zum Bundesratsamt nicht gänzlich aus.»

Keine Frage hat Spuhler wohl so oft beantworten müssen wie die Bundesratsfrage. Er beantwortete sie mal genervt, mal witzig, aber immer glasklar, so beispielsweise gegenüber der «Nordwestschweiz»: «Auch wenn es die Journalisten nie glauben werden: Ich wollte nie Bundesrat werden. Das war nie ein Thema und wird nie eines sein.»

Neckisches Timing

Vor diesem Hintergrund ist durchaus neckisch, dass Spuhler seinen CEO-Rücktritt ausgerechnet am Tag der Bundesratsersatzwahl bekanntgab. Polit-Fuchs Spuhler weiss natürlich, dass er damit die alten, hundertfach dementierten Gerüchte von neuem befeuert. Prompt twitterte der Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Schmid heute: «Spuhler wäre ein guter Nachfolger von Ueli Maurer.» Das sehen auch viele in der SVP-Fraktion so, wie Gespräche am Rand der Bundesratswahl zeigten – obschon Spuhler nicht gänzlich linientreu ist und insbesondere in der Europafrage ein Abweichler ist: Er befürwortet die Personenfreizügigkeit und widersprach auch mehrfach in der Öffentlichkeit Christoph Blocher. Kandidiert er für den Ständerat, wäre Spuhler in der SVP-Hochburg Thurgau wohl so gut wie gewählt.