Schweiz

Im Lötschbergtunnel stehen wegen dem Wassereinbruch grössere Bauarbeiten an

Schlamm in der Lötschbergröhre.

Schlamm in der Lötschbergröhre.

Die BLS wollen im Herbst mit dem Bau einer Kaverne beginnen. In ihr soll Schlamm aufgefangen werden, der aus dem Karst in den Tunnel dringt. Der Betrieb wird mehrere Monate nur noch über die Weströhre geführt.

Zweimal drangen in diesem Frühling Wasser und Schlamm in den Lötschberg-Basistunnel ein. Nun reagieren die BLS. Noch in diesem Herbst soll mit dem Bau einer grossen Kaverne begonnen werden, teilte die BLS am Dienstag im Rahmen eines öffentlichen Expertengesprächs mit. In der Kaverne wird das Bergwasser aufgefangen, so dass sich Schlamm und Sand absetzen können. Danach wird das Wasser über neue Leitungen in der Tunnelröhre nach Raron abgeleitet.

Die Kaverne soll Raum für rund 1000 Kubikmeter Schlamm und Sand bieten. Sie wird permanent überwacht und regelmässig geleert werden. Für den Bau muss ein neuer Stollen gebaut werden. Die Kosten werden auf einen sieben- bis achtstelligen Betrag geschätzt. Finanziert wird der Bau im Rahmen der Leistungsvereinbarung mit dem Bundesamt für Verkehr. Die Bauzeit werde mehrere Monate betragen, so die BLS. Während dieser Zeit sei die Oströhre nicht befahrbar. Der Stundentakt im Personenverkehr soll aufrecht erhalten werden. Güterzüge werden teilweise über die Bergstrecke umgeleitet. Vereinzelt könne es wegen Sprengarbeiten zu nächtlichen Sperrungen kommen.

Rinne bei einer Probebohrung angebohrt

Grund für die Wassereinbrüche sei eine natürliche Veränderung im Karstsystem, durch das der Tunnel führt. Dies erklärte Stefan Irngartinger, der die Schlammeinbrüche für die BLS untersucht hat. Über der Einbruchstelle liegen rund 800 Meter dicke Felspakete aus Kalkstein, die von Klüften und Wasserrinnen durchzogen seien. Eine solche Rinne sei beim Bau des Tunnels bei einer Probebohrung angebohrt worden.

Wegen des Karsts hatten die Ingenieure von Anfang an entschieden, allfällig auftretendes Wasser abzuleiten. Eine komplette Abdichtung der Tunnelröhre könnte nämlich dazu führen, dass sich das Wasser in den Karsthöhlen staut. Auf diese Weise kann im Fels ein enormer Druck entstehen, der auf die Tunnelröhre einwirkt. Um dieses Risiko zu umgehen, habe man die Probebohrung nicht verfüllt, sondern das Wasser gefasst und abgeführt, so Irngartinger.

Offenbar hätten sich die Fliesswege im Karst nun aber plötzlich verändert, so dass aus der Probebohrung nicht mehr nur klares Wasser, sondern teilweise auch Sand und Schlamm kommt. Das war zu viel für das Drainagesystem: Es verstopfte. Das Wasser baute Druck auf, und dieser beschädigte die Abdichtung der Tunnelröhre.

Weitere Wassereinbrüche sind unwahrscheinlich

Mit Wassereinbrüchen an anderen Stellen sei derzeit nicht zu rechnen, so Irngartinger. Es handle sich um ein lokales, klar eingegrenztes Ereignis sagte er. Problematisch sei, dass die Wasserfassung hinter der Tunnelabdichtung nicht erreichbar gewesen sei. Daraus werde man in Zukunft Lehren ziehen, so Irngartinger.

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