«Wenn sich die Situation weiter so entwickelt, dass man gar kein Risiko eingehen will, wird das dazuführen, dass mehr Leute eine Verwahrung ausgesprochen bekommen. Dann benötigen wir längerfristig mehr Platz», so Keller im Interview mit der Zeitung «Der Sonntag».

In Hindelbank gibt es gegenwärtig zwei Verwahrte. Die Politik unterschätze zudem, «dass es Menschen sind, die hier eingewiesen werden - mit all ihrer Komplexität».

Auf Wiedereinstieg vorbereiten

Es sei einfach, kurzfristige Sicherheit zu fordern. «Wenn man einen Menschen wegschliesst, geht man kein Risiko ein. Aber die Menschen auf die langfristige Sicherheit vorbereiten, wenn sie wieder entlassen werden, ist sehr viel aufwändiger», sagt Keller.

Deshalb müsse man den Alltag in einer Haftanstalt so gestalten, «dass er möglichst ähnlich ist wie draussen». Keller ist für 107 Vollzugsplätze und knapp 80 Vollzeitstellen verantwortlich.

«Wir dürfen Mitgefühl haben»

Nach dem Fluchtversuch vom vergangenen November sei die mechanische Sicherheit verstärkt worden. Auf die Frage, ob sie als Gefängnis-Direktorin auch Mitgefühl für eine Mörderin haben darf, meint Keller: «Wir dürfen Mitgefühl haben. Eine Frau, die ein Tötungsdelikt begangen hat, ist nicht nur eine Mörderin.»

Was man sicher nicht dürfe, sei Verständnis haben oder eine Rechtfertigung finden, dass sie eine solche Tat begangen hat: «Aber Mitgefühl ist etwas ganz Zentrales in unserem Zusammenleben», so Keller.