Gemäss Bundespolizei vermischt sich der Cannabis- immer mehr mit dem Kokain-Markt. Stellen Sie das auf der Strasse auch fest?

Bruno Gentilesca: Es hat schon immer eine gewisse Vermischung gegeben. Beim Kokain-Dealer kann man eine gewisse Menge Cannabis bekommen und umgekehrt kriegt man beim Cannabis-Händler auch kleine Menge Koks. Doch die grossen Mengen sind immer noch nur beim jeweiligen «Spezialisten» zu kaufen.

Laut Bundespolizei mischen auch immer mehr Ausländer im Cannabis-Markt mit.

Cannabis verkaufen immer noch mehrheitlich Schweizer. Auch wenn ausländische Kriminelle noch nicht die ganz grosse Rolle spielen: Sie haben gemerkt, dass sich im Cannabis-Markt viel Geld verdienen lässt, bei relativ geringen Strafen. Verkaufen ausländische Personen grössere Mengen Cannabis, sind das Dealer aus slawischen Ländern – Kleinhändler kommen eher aus Jamaika oder Gambia.

Wieso lässt sich mit Cannabis so viel Geld verdienen. Die Preise sind doch viel tiefer als bei härteren Drogen?

Die Cannabis-Preise haben sich in den letzten dreissig Jahren etwas verändert, sprich zugelegt. Die Veränderung ist aber nicht annähernd so massiv wie beim Heroin oder Kokain. Zu Zeiten des Platzspitzes kosteten 0,07g Heroin 100 Franken, 0,07g Kokain etwa 150 Franken. Heute sind die Preise völlig zusammengebrochen, obwohl die Qualität nicht viel schlechter wurde. So kostet heute ein Kügelchen Kokain mit etwa 0,1g etwa 40 Franken. Eine Kleinmenge Heroin bekommt man zum Teil schon für 20 Franken.

Wie hat sich die Cannabis-Produktion in der Schweiz entwickelt?

Noch in den 80er-Jahren wurde in der Schweiz vorwiegend Haschisch konsumiert. Dieser Stoff wurde importiert. Heute rauchen die Konsumenten vor allem Gras und das wird in der Schweiz angebaut. Wir sind ein eigentliches Cannabis-Exportland geworden. Haschisch kommt nur noch in geringeren Mengen in der Regel via Holland meist aus Afghanistan in die Schweiz

Um die Jahrtausendwende gab es in der Schweiz Hunderte Cannabis-Läden. Danach folgte eine Phase der Repression, die bis heute andauert. Welchen Einfluss hatte das auf den Markt?

Keinen. Cannabis wird einfach nicht mehr ganz so offen in Läden verkauft, weshalb man auf der Strasse suchen und nachfragen muss, wenn man etwas will. Das sorgt dafür, dass es eine grössere Hemmschwelle geben kann, Cannabis zu kaufen. Das ist immerhin ein Plus.

Aber hat das nicht auch dazu geführt, dass die Gewalt im Gewerbe zunahm, weil der Markt umkämpfter wurde?

Die konkurrierenden Grosshändler haben sich schon immer bekämpft. Nur kommt das selten zur Anzeige. Die kommen natürlich nicht zur Polizei und sagen: Heute hat mir einer die Plantage ausgeräumt. Aber Einschüchterungen und Erpressungen kommen vor, davon haben wir Kenntnis.

Finden Sie konkrete Hinweise auf die Gewalt im Cannabis-Milieu?

Ja. Grossplantagen werden zum Teil mit einem ähnlichen Sicherheitsaufwand wie eine Bank betrieben. Alarmanlagen, Sicherheitstüren, Überwachungskameras. Das machen die Händler nicht in erster Linie wegen der Polizei, sondern wegen der Konkurrenz.

Welche Priorität hat der Cannabis-Handel beim Sonderkommissariat 2?

Grundsätzlich gehen wir gegen jeglichen Handel von illegalen Rauschmitteln vor. Der Handel mit harten Drogen wird von uns aber schon etwas intensiver bearbeitet. Weiter sieht der Gesetzgeber für den Verkauf von Cannabisprodukten zum Teil deutlich weniger hohe Strafen vor als beim Verkauf von so genannt harten Drogen.

Wo befinden sich die Plantagen in einer Stadt wie Zürich?

Das ist sehr unterschiedlich. Das kann ein Keller oder ein Lagerhaus sein. In der Stadt Zürich haben wir in letzter Zeit weniger grosse Plantagen ausgehoben, sie sind eher in der Agglomeration oder in ländlichen Gebieten zu finden. Die Produktion geht ins Geld: Stromkosten für die Lampen, die Belüftung und Bewässerungsanlagen etc. Da spielt dann auch der Mietpreis eine gewisse Rolle.