Kolumbien

IKRK dokumentiert über 1600 Völkerrechtsverletzungen in Kolumbien

Zivilisten sind oft Zielscheibe (Archiv)

Zivilisten sind oft Zielscheibe (Archiv)

Im bewaffneten Konflikt in Kolumbien werden allzu viele Zivilisten zu Zielscheiben für die verschiedenen Kriegsparteien. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat 2008 mehr als 1600 Verletzungen des humanitären Völkerrechts dokumentiert.

Dazu gehören über 300 summarische Hinrichtungen und 205 direkte Angriffe gegen Zivilisten, wie das IKRK in einem Communiqué mitteilte. 289 Fälle betrafen das Verschwindenlassen von Personen und 833 Fälle gewaltsame Vertreibungen.

Insgesamt versorgte das IKRK 2008 in Kolumbien mehr als 73 000 Vertriebene mit Nahrungsmitteln und Gebrauchsgütern. Das seien 10 Prozent mehr als im Jahr davor, sagte der Leiter der IKRK-Delegation in Kolumbien, Christophe Beney, in Genf.

Zum Teil sei die Zunahme der betreuten Personen darauf zurückzuführen, dass das IKRK und das Kolumbianische Rote Kreuz ihre Möglichkeiten verbessert haben, die vertriebenen Familien zu erreichen. Die Zahl der Vertriebenen steige aber auch wegen der Präsenz neuer bewaffneter Gruppen in gewissen Teilen des Landes.

Als besorgniserregend erachtet das IKRK, dass die Hälfte der betreuten Personen Kinder und Jugendliche sind. In 20 Prozent der Familien seien die Mütter die alleinigen Versorger. Bei gewaltsamen Vertreibungen liefen Frauen und Kinder besonders Gefahr, ausgebeutet und sexuell missbraucht zu werden.

Weil sich die Kämpfe zwischen den Streitkräften und den bewaffneten Gruppen in abgelegenere Berg- und Urwaldgebiete verlagert haben, sei die indigene und die afrokolumbianische Bevölkerung besonders hart betroffen. Das IKRK verfügt in Kolumbien über 377 Mitarbeitende und über 14 Büros.

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