Ueli Maurer
«Ihr wohnt in einem Ferienort»

Die 1.-August-Ansprache in Welschenrohr hielt dieses Jahr niemand Geringeres als Ueli Maurer. Der SVP-Bundesrat habe das Dorf im Solothurner Jura «gerne bekommen», gestand er den knapp 400 Besuchern.

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Ueli Maurer in Welschenrohr

Ueli Maurer in Welschenrohr

Solothurner Zeitung

Von Fabian Muster

Nein, Ueli Maurer kam nicht mit dem Velo nach Welschenrohr. So wie dies beim ersten Kontakt mit dem Dorf im solothurnischen Thal vor bald 40 Jahren geschah. Auch den Helikopter liess der SVP-Bundesrat im Hangar stehen. Das entspräche nicht seinem volkstümlichen Auftritt.

Eine schwarze Mercedes-Limousine musste es aber doch sein, als er knapp vor halb sieben Uhr am Freitagabend in Welschenrohr eintraf - trotz der spasseshalber vor seiner Bundesratswahl gemachten Äusserung, ein Fiat Cinquecento wäre doch ein «glattes Auto». Das Volk verübelte dem VBS-Chef seine «Extravaganz» nicht. Schon beim Anmarsch mit einem Divisionär und dem Standesweibel begrüsste ihn freundlicher Applaus.

Der Aufmarsch zur vorgezogenen 1.-August-Feier war riesig. Versammeln sich auf dem Vorplatz des Mehrzweckgebäudes Dünnerehof bei solchen Anlässen normalerweise 50 bis 100 Personen, machten dem Bundesrat knapp 400 Leute die Aufwartung. Es waren Gesichter aus dem ganzen Thal auszumachen. Diverse SVP-Delegationen aus der Region sowie der Solothurner SVP-Kantonalpräsident Heinz Müller oder Nationalrat Roland Borer durften ebenfalls nicht fehlen.

Die Spannung stieg. Die Kamera des Dorfchronisten surrte. Die ersten Schnappschüsse mit dem Magistraten waren im Kasten. Die Musikgesellschaft Matzendorf-Welschenrohr hatte eines ihrer Ständli gespielt. Nur die Begrüssungsrede von Gemeindepräsident Stefan Schneider trennte das Publikum noch vom grossen Augenblick. Er sprach von der Wirtschaftskrise und der steigenden Kriminalität, man müsse sich auf Werte besinnen und näher zusammenrücken: der Manager und der Arbeiter, die Ausländer und die Schweizer. Ueli Maurer mache es vor. Schneider blickte auf den Bundesrat am Tisch mit den Gemeinderäten in der ersten Bankreihe. Das war das Zeichen.

«Ich habe mich gefreut auf Welschenrohr», begann er. Heute sei er bereits das vierte Mal zu Besuch im Dorf mit dem «komischen Namen». Und der heutige Major erzählte die erste unliebsame Begegnung an einem heissen Sommertag anno 1970, als er noch Rekrut im Radfahrer-Bataillon war. «Bei der Verschiebung von Winterthur ins Val-de-Travers fuhren wir durchs Thal und machten kurz vor Welschenrohr halt.» Halb verdurstet, hätten sie aus dem Bach getrunken. Ergebnis: «Die Kompanie lag drei Tage wegen Durchfall flach.»

Beim zweiten Besuch hatte er Welschenrohr dann «gerne bekommen»: Zum Schiessplatz auf die Tannmatt stiess er sein Velo neben sich her, um das Grillenkonzert besser geniessen zu können. «Ich weiss nicht, ob ihr es wisst, aber ihr wohnt in einem Ferienort.» Damit hatte Maurer das Publikum im Sack.

Seine Festansprache war dann die erwartete 1.-August-Kost. Er sang das Hohelied auf den Sonderfall Schweiz mit ihrer direkten Demokratie und passiven Neutralität. «Bei uns steht der Bürger im Mittelpunkt, der Staat ist nur ein Mittel zum Zweck. Und weil bei uns das Volk am Schluss entscheidet, ist unser Weg bürgernäher, steuergünstiger und freiheitlicher.» Darauf dürfe man stolz sein, auch wenn Neid entstehe.

Er lobte den schweizerischen Forschungs-, Produktions- und Finanzplatz. «Bei den Direktinvestitionen in ausländische Firmen liegt die Schweiz international an vierter Stelle.» So würde man weltweit zum Fortschritt und Wohlstand beitragen. Er erwähnte die «guten Dienste» des Roten Kreuzes. «Allen, die uns als Profiteure verunglimpfen, entgegnen wir: Wir holen seit 150 Jahren die Menschen aus den Trümmern, die überall wegen des Grossmachtstrebens hinterlassen werden.»

Weil sich die Schweiz aus Konflikten heraushalte, habe sie das Vertrauen aller Beteiligten. «Unsere Neutralität verbietet die Parteinahme.» Sein Fazit: Was die Schweiz den Menschen auf dieser Welt gebe, darf sich als grosser Beitrag eines kleinen Landes sehen lassen. Dazu müsse man Sorge tragen. Ein langer Applaus war ihm sicher.

SVP-Ortspräsident Jürg Uebelhart zeigte sich mit dem Anlass sichtlich zufrieden. «Ich konnte ihn voll geniessen.» Er war es, der Maurer nach Welschenrohr lotste. Bereits im April 2008 sprach der Bundesrat zusammen mit der sanktgallischen Nationalrätin Jasmin Hutter, mit der Uebelhart geschäftlich zu tun hat, an der SVP-Generalversammlung über die Einbürgerungsinitiative und das Freihandelsabkommen mit der EU. «Wir führten damals nach der Veranstaltung noch ein lockeres Gespräch. Maurer war einer der letzten, der ging», erzählte Uebelhart. «Wenn ihr mich wieder mal braucht, fragt mich einfach», soll er dann gesagt haben. Uebelhart nahm ihn beim Wort.