Langendorf
Identität und mehr Dialog

Zwei Experten diskutierten über die Chancen und Bedrohungen des Islam in der westlichen Welt. Das Publikum diskutierte angeregt mit, hitzig ging es jedoch nie zu und her.

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Religionsrat will Islam integrieren

Religionsrat will Islam integrieren

Keystone

Lea Durrer

Gerade im Hinblick auf die anstehende Minarett-Initiative interessieren sich zurzeit viele für den Islam und die Bedeutung der Minarette. Da war es nicht verwunderlich, dass die Podiumsdiskussion mit Farhad Afshar und Janique Behman grossen Anklang fand. Immer wieder mussten Stühle hinzugestellt werden, bis schliesslich 50 Personen Platz in der Kaplanei Oberdorf Platz gefunden hatten.

Ob denn der Islam eine Chance oder eine Bedrohung für die Schweiz darstelle, wollte Moderator Pfarrer Agnell Rickenmann von den Gästen wissen. Janique Behmann sah in der Auseinandersetzung mit einer anderen Religion vor allem grosse Chancen im Bezug auf die eigene Identität. «Wenn unsere Gesellschaft vielfältiger wird, stellt es uns vor die Frage: Wer sind wir und was sind die Werte, die uns tragen?» Schwierig sei aber, dass vielen Muslimen noch nicht bewusst sei, dass wir eine andere Religion hätten. «Das Verständnis für das Anderssein muss noch wachsen», meinte die Theologin. Menschen müssten ihre Identität unterschiedlich definieren können, um einen Modus zu finden, dass ein verstärktes Profil und eine klare Identität zu mehr Dialog führt - und nicht zu mehr Abgrenzung.

Heterogener Islam

Damit diese unterschiedlichen Perspektiven als Chance angesehen werden könnten, müssten auch für Fahrad Afshar die Menschen in ihre eigene Religion verankert sein. Denn nur so könnten sie in einen Dialog mit anderen Religionen einsteigen. Dies erweist sich in der Schweiz aber als schwierig, da der Islam sich von einer sehr heterogenen Seite zeigt. «Ein Teil kommt aus der Türkei, der andere Teil aus 56 Nationen», so der Dozent für interkulturelle Soziologie. Dies sei einmalig, denn in islamischen Ländern kämen alle aus derselben Kultur. Daher würden sich Unterschiede religiöser Art oftmals als kulturelle Unterschiede entpuppen, welche beispielsweise das Verhalten prägen.

Auf die Frage der Toleranz zwischen Christen und Muslimen angesprochen, schöpfte Behman aus ihren Erfahrungen in Ägypten. Eigentlich sei diese Toleranz recht gross gewesen. Problematisch werde es jedoch, wenn die Muslime ihren Mangel an Selbstwertgefühl durch Gewalt gegen andere entladen müssten. Und wenn sich christliche Gemeinschaften zurückziehen würden. «Innerhalb der religiösen Gemeinschaft hat man praktisch alles. Man muss kaum mit der Gesellschaft interagieren», wusste Behmann zu berichten, stellte aber klar, dass Ghetto ein zu grosses Wort für ihre Beobachtungen sei.

Um Gerechtigkeit bemühen

Dass Ängste vor radikalen Gruppierungen und fremden Rechtssprechungen grassieren, machten die Fragen der Zuhörer klar. Laut Behman könne gegen gewaltbereite islamistische Strömungen angegangen werden: Hier gehe es darum, Muslime zu stärken, die mit Diversität umgehen könnten. «Ich würde mir wünschen, dass Muslime sich den gewaltbereiten Gruppen entgegensetzten», so ihr Anliegen. Man müsse sich um Gerechtigkeit bemühen, wenn Gewalt verhindert werden soll, meinte Afshar daraufhin.

Eines haben die Referenten klargestellt: Minarette würden als Orientierung dienen und als Teil der Identität gelten, meinte Afshar. Die Funktion des Gebetsausrufes hätten sie schon lange verloren. Behman betonte, dass Muslime auch ohne Minarette beten und die Religion ausüben könnten. Es gehe bei dieser Abstimmung darum, ob Muslime architektonisch wirken könnten. Ein wichtiger Schritt zu klarer Identität und mehr Dialog?