«Ich will sagen, was mich bewegt»

Der Journalist Werner De Schepper über seine neue Talksendung «Duell Aktuell» auf dem Regionalsender Tele M1, seinen Gesprächsstil und seinen Wunschgast für das Format.

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Oliver Baumann

Herr De Schepper, im Fernsehen wimmelt es nur so von Talkshows. Warum braucht es da noch Ihre Sendung «Duell Aktuell», die am Dienstag startet?
Werner De Schepper: Vor allem wegen meiner Gäste. Politiker, Meinungsträger und Wirtschaftsführer aus unserer Region kommen in den nationalen Medien oft zu kurz. Das Schweizer Fernsehen orientiert sich an Leuten, die schnell in Bern und vor allem Zürich sind - dort, wo sich die Studios befinden. Leute, die in den nationalen Medien auftreten, sind deshalb vor allem Zürcher. Das ist eine ungesunde Entwicklung. Wir wollen hier einen Gegenakzent setzen.

Der so genannte USP der Sendung ist also Ihre regionale Verankerung?
De Schepper: Ja, wir wollen den Meinungsführern aus der Region ein Forum bieten. Wir haben hier genügend Leute, die denken können. Das ist unbestritten. Wir machen mit diesen Leuten ja jeden Tag eine Zeitung. Aber es fehlt ihnen heute noch die Möglichkeit, im Medium Fernsehen mit den Bürgerinnen und Bürgern zu kommunizieren. Bereits in der zweiten Ausgabe von «Duell Aktuell» wollen wir deshalb eine Sondersendung zu den Ständeratswahlen in Solothurn machen. Die Kandidaten haben dort die Möglichkeit, sich den Wählern zu präsentieren. Und die Zuschauer sehen, wie sie sich verhalten.

Zur Person und Sendung

Der Journalist Werner De Schepper ist in der Schweizer Medienlandschaft eine feste Grösse. Von 2003 bis 2007 war er Chefredaktor der Boulevardzeitung «Blick». Seit dem 1. September 2008 arbeitet De Schepper bei der AZ Medien Gruppe und ist seit dem 1. Februar 2009 stellvertretender Chefredaktor der Aargauer Zeitung / Mittelland Zeitung. Die neue Talksendung «Duell Aktuell» wird am 3. November 2008, um 18.30 Uhr zum ersten Mal auf dem Regionalsender Tele M1 ausgestrahlt. Das Format wird stündlich wiederholt. Zuschauer ausserhalb des Sendgebietes von Tele M1 können sich die Sendung im Internet unter www.telem1.ch anschauen. (mz)

Trotzdem: Wie wollen Sie sich von der Konkurrenz abheben?
De Schepper: Fernsehen ist ein sehr emotionales Medium und hängt stark von den Menschen ab, die dort auftreten - also auch von mir. Ich möchte mich als Moderator mit eigenen Fragestellungen einbringen. Ich will sagen, was mich bewegt. Wenn ich in der Zeitung Kolumnen schreibe, spüre ich, dass ich mit meinen Ansichten nicht ganz allein dastehe. Ich will deshalb in der Sendung nicht so tun, als wäre ich ein neutraler Beobachter, sondern klar auf den Tisch bringen, was mich als Bürger bewegt.

In dem Fall wollen Sie auch einen konfrontativen Gesprächsstil in der Sendung pflegen.
De Schepper: Nicht nur. Aber ich möchte meine Beobachtungen weitergeben und zur Diskussion stellen. Es wäre ja unglaubwürdig, wenn ich als Zeitungskolumnist so tun würde, als hätte ich keine eigene Meinung.

Wen haben Sie in der ersten Ausgabe der Sendung zu Gast?
De Schepper: Ich werde eine Badenerin zu Gast haben - Samia Guemei von der Grünen Partei -, die gegen die Minarett- Initiative kämpft. Es handelt sich um die Tochter einer Katholikin und eines Muslims. Diese Frau hat in Ägypten gelebt und weiss, was muslimische Frauen bewegt und was sie denken. Das dürfte interessant werden. In letzter Zeit haben ja vor allem Aussenstehende über Muslime gesprochen. Wir lassen nun jemanden zu Wort kommen, der hier verankert ist, aber die muslimische Welt auch aus eigener Erfahrung kennt. Der zweite Gast wird SVP-Nationalrat Ueli Giezendanner sein.

«Duell Aktuell» ist also eine explizit politische Sendung - oder hat es auch Platz für leichte Stoffe?
De Schepper: Wenn beispielsweise der FC Aarau für ausserordentliche Schlagzeilen sorgt, kann selbstverständlich auch einmal Sport das Thema der Sendung sein. Es geht uns darum, über jenes Thema zu diskutieren, das die Menschen in der Region gerade am meisten beschäftigt.

Sie wollen wichtige Leute in der Sendung haben . . .
De Schepper: . . . wir wollen vor allem spannende Gäste . . .

. . . gut. Aber dennoch: Ist die Anzahl dieser Leute nicht beschränkt?
De Schepper: Jeder Moderator kennt gewisse Leute, hat einen guten Draht zu ihnen und geht auf sie zu. Es ist wie bei einem Stammtisch. Das sitzen die Leute auch in eine Runde, in der sie sich wohl fühlen. So soll es auch bei mir sein. Hin und wieder kommt wieder jemand Neues dazu, um sich zu duellieren, aber es wird auch gewisse Leute geben, die immer wieder auftauchen.

Sind sie allein für die Auswahl der Gäste verantwortlich?
De Schepper: Ich bin natürlich für jeden Hinweis dankbar. Aber zumindest in der Anfangsphase werde ich meine Gäste sicherlich selbst aussuchen.

Sie greifen also auf Ihr Netzwerk zurück, das Sie sich als Journalist aufgebaut haben.
De Schepper: Ja. Mein Blackberry und mein alter Zettelkasten mit den wichtigsten Adressen werden mir sicherlich eine grosse Hilfe sein.

Sie sind Printjournalist. Was drängt Sie nun ins Fernsehen?
De Schepper: Ich habe lange von einer eigenen TV-Sendung geträumt, aber immer auch grossen Respekt davor gehabt. Ich wusste zwar, dass ich verständlich schreiben kann, aber mit dem Fernsehen habe ich - meistens als Gesprächsgast - unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Manchmal kam ich gut an, manchmal nicht. Das Fernsehen hat seine Tücken, das ist mir klar. Die Sendung ist ein Experiment, das auch schiefgehen kann. Aber Fernsehen ist eben eine Leidenschaft. Ich habe in früheren Jahren in der Kantonsschule Theater gespielt mit Mike Müller und so erste Bühnenerfahrungen gesammelt. Die jetzige Chance auf eine eigene Bühne wollte ich deshalb packen.

Wie bereiten Sie sich auf die Sendung vor?
De Schepper: Im Gegensatz zu einem Moderator, der nicht das Glück hat, für eine Zeitung zu arbeiten, muss ich mich täglich mit der Aktualität auseinandersetzen. Sachlich und fachlich bin ich deshalb up to date. Für mich kommt kein grosser Mehraufwand in der Vorbereitung dazu. Ich will ja über Themen diskutieren, die mich interessieren und in denen ich dementsprechend sattelfest bin.

Wovor fürchten Sie sich am meisten, wenn Sie an die Premiere der Sendung denken?
De Schepper: Ich habe Angst, dass sich die Gäste einig werden. Oder dass die Sendung langweilig wird, weil sich beispielsweise ein Gast nicht mehr traut, seine Meinung zu sagen. Dann muss ich als Moderator eingreifen und das Beste aus den Gästen herausholen.

Anders als im Zeitungsjournalismus lässt sich der Erfolg über die Zuschauerzahlen direkt messen. Lastet da ein Druck auf Ihnen?
De Schepper: Wir wollen sicher eine respektable Quote erreichen. Unser Ziel ist, dass wir die Hälfte der Zuschauer der vorangehenden News-Sendung «Aktuell» mitnehmen können.

In der Zeitung «Sonntag» nannten Sie bereits ihre Wunschgäste für die Sendung: Benedikt XVI. und Hans Küng. Haben Sie auch realistischere Vorstellungen?
De Schepper: Gut, Küng würde ich nicht unbedingt ausschliessen. Benedikt dürfte jedoch tatsächlich etwas schwieriger werden (lacht). Im Ernst: Nicolas Hayek möchte ich unbedingt einmal in der Sendung haben. Das ist ein spannender Kopf, nein: der spannendste Kopf der Region.

Dann brauchten Sie aber auch einen Gegenpart . . .
De Schepper: Das ist das Problem. Er würde jeden Gegner überfahren, davon bin ich überzeugt. Der zweite Gast müsste wohl ein Bundesrat sein. Aber auch der hätte nicht viele Chancen gegen Hayek.

Haben Sie Hayek angefragt?
De Schepper: Er wäre fast in die erste Sendung gekommen. Er musste dann aber wegen einer Verwaltungsratssitzung wieder absagen.