«Talk Täglich»
«Ich war in der Hölle»: Oskar Freysinger spricht über sein neues Buch und rechnet mit den Feinden ab

Oskar Freysinger spricht in der Diskussionssendung «Talk Täglich» über sein neues Buch, das einen tiefen Einblick in den Leidensweg des gescheiterten Walliser SVP-Politikers offenbart. Im Gespräch mit Moderator Markus Gilli rechnet er auch mit den Medien und seinen politischen Feinden ab.

Drucken
Teilen

Oskar Freysinger hatte nur eine Bitte, als er als Diskussionsgast für die Sendung «Talk Täglich» auf Tele Züri eingeladen wurde: er wolle das Gespräch mit einigen Zeilen eines Gedichts aus seinem neuen Buch «Die dunkle Seite des Lichts» eröffnen.

«Doch wie komm' ich als Maus aus diesem Nest heraus? Da nehm' ich mir, ich Tor, die grösste Schlange vor. Bald streckt das Biest mich nieder, sein Gift lähmt meine Glieder. Ich zittere und erbebe, aber ich überlebe. Die Wahrheit, die ich seh', tut wie der Biss sehr weh. Doch braucht es dieses Weh, damit ich neu entsteh», rezitiert der Walliser aus seinem Werk und bringt seinen Leidensweg als gescheiterter SVP-Politiker damit auf den Punkt.

Oskar Freysingers politische Karriere in Bildern:

Oskar Freysinger war der bekannteste und umstrittenste Walliser Politiker. Klicken Sie sich durch die Bilder seiner Karriere.
15 Bilder
Von 1999 bis 2002 ist Freysinger Präsident der SVP Wallis, die er mitbegründet hat.
National bekannt wird er, als er am SVP-Parteitag 2002 in Lupfig ein Spottgedicht vorträgt – mit einer Spitze gegen den damaligen Bundesratskandidaten Toni Bortoluzzi. (Symbolbild)
2003 zieht Freysinger in den Nationalrat ein, wie auch Pascale Bruderer (seit 2002 im Rat) und Christophe Darbellay.
Mit seinen Provokationen macht er sich schnell einen Namen und ziert bald die Titelblätter nationaler Medien. Hier geht es um ein Inserat, das Osama bin Laden auf einer ID zeigt.
Auch in seiner Partei steigt Freysinger auf. Ab 2012 ist er einer von sieben SVP-Vizepräsidenten.
Nach drei Legislaturen ist Schluss: Zu den nationalen Wahlen 2015 tritt der Walliser nicht mehr an.
Berührungsängste zu extrem rechten Kreisen kennt Freysinger nicht. Mehrmals gerät er deswegen in die Schlagzeilen. Er tritt etwa beim rechtsextremen deutschen Magazin «compact» auf.
2013 entsteht Wirbel um Freysinger, weil in einer SRF-Sendung die deutsche Reichskriegsflagge in seinem Büro zu sehen ist. Er lässt verlauten, ihm gefielen die Farben und Symbole...
...und nicht die Ideologie dahinter.
2013 gelingt ihm die Wahl in den Walliser Staatsrat.
Er ist Vorsteher des Departements für Bildung und Sicherheit.
Bei den Regierungsratswahlen 2017 peilt Freysinger die Wiederwahl an.
Im Wahlkampf startete Freysinger einen Frontalangriff auf die vorherrschende CVP.
Im ersten Wahlgang musste er bereits eine empfindliche Schlappe hinnehmen – er landete nur auf Platz 6. Nach dem zweiten Wahlgang war dann klar: Die Walliser haben ihn aus der Regierung gewählt.

Oskar Freysinger war der bekannteste und umstrittenste Walliser Politiker. Klicken Sie sich durch die Bilder seiner Karriere.

Keystone

Bereits nach seinem grössten Sieg, der Wahl in die Walliser Regierung, haben seine Ängste begonnen. Er habe damals gleich gewusst, dass sich seine politischen Feinde dafür rächen werden, dass er der FDP den Sitz nach gut 80 Jahren Verteidigung weggeschnappt hatte. «Alle negativen Energien haben sich gegen mich gebündelt», klagt Freysinger und ergänzt: «Ich habe dies vier Jahre lang jeden Morgen bezahlt, bis sie mich zuletzt zermürbt haben.»

Doch Freysinger geht während des Gesprächs mit Markus Gilli nicht nur mit seinen Politgegnern hart ins Gericht. Auch mit den Medien rechnet er ab. Er sei für die Medien stets ein «ertragreiches Element, das man ausschöpfen kann» gewesen. Der SVP-Politiker kritisiert: «Ein Mensch, der es heute wagt, das zu sagen, was er wirklich denkt, geht automatisch unter.» Die Medien hätten aus einem kleinen Sandkorn wie etwa der Reichsflagge in seinem Haus ein Monster gemacht und ihn damit erdrückt. Paradoxerweise habe er lange mit diesem Monster getanzt, doch am Ende sei er daran fast zugrunde gegangen. (luk)

Die ganze «Talk Täglich»-Folge mit Oskar Freysinger können Sie hier nachschauen:

Aktuelle Nachrichten