«Ich verdiene 4000 Franken netto»

Nach der Kruzifix-Debatte nun noch die Initiative zum Höchstlohn: Die Jungsozialisten stehen im Rampenlicht. Allen voran ihr Präsident, der 23jährige Badener Cédric Wermuth. Wer ist der Jungpolitiker? Ein Dämonisierer oder nur ein Polteri? Das Interview.

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Cédric Wermuth

Cédric Wermuth

Aargauer Zeitung

Interview: Claudia Landolt

Die JuSo geniesst erhöhte Aufmerksamkeit. Den Reaktionen nach nicht nur positive.Cédric Wermuth: Es zeigt uns, dass wir offensichtlich die richtigen Themen angehen. Wir sprechen Probleme an, die den Leuten unter den Nägel brennen.

Das ist nun ja eine sehr stereotype Antwort.
Cédric Wermuth: Vielleicht sagen das alle, wer aber ausser uns getraut sich wirklich, auch heisse Eisen anzugehen?

Die Reaktionen unserer Leser sind denn auch deutlich. Die JuSo sei eine Pseudopartei, ein Auslauf des Sozialismus, und Sie selbst ein Dämonisierer.
Cédric Wermuth: Da kann ich nur lachen.

Das trifft sie also gar nicht?
Cédric Wermuth: Man macht sich nur lustig, wenn einem die Argumente ausgehen. Wir stellen Fragen, und präsentieren Lösungen. Ausserdem muss ich mit persönlicher Kritik umgehen können, sonst könnte ich diese Funktion nicht ausüben. Ich stehe zu dem, was ich sage oder gesagt habe, und übernehme auch die Verantwortung.

Provokation ist ein erprobtes Mittel zur Aufmerksamkeitserheischung.
Cédric Wermuth: Ja, die JuSo polarisiert sicher.

Die Jungpartei tut also das, was die Mutterpartei also über Jahre verschlafen hat?
Cédric Wermuth: Wir tun genau das, was man unsere Mutterpartei immer auffordert zu tun: Wir emotionalisieren, wir benutzen eine verständliche Sprache, wir spitzen zu.

Gehört die Kruzifix-Debatte also auch dazu?
Cédric Wermuth: Offen gesagt, bin ich ziemlich überrascht, dass dies ein Thema im Aargau ist, das die Gemüter solchermassen erregt.

Warum?
Cédric Wermuth: Es gibt zu dieser Frage einen Entscheid des Bundesgerichtes. Die Debatte ist damit hinfällig.

Vielleicht ist die Schweizer christlicher, als Sie denken.
Cédric Wermuth: Für uns geht es nicht um christlich oder nicht. Es geht um Religionsfreheit für alle. Die Debatte ist sehr emotional. Die SVP hat mit ihrer Anti-Minarett-Initiative hat das Klima sicher aufgeheizt.

Sie haben nun die 1:12-Initiative lanciert, und treten für eine Lohnobergrenze ein.
Cédric Wermuth: Das ist für die Schweiz ein Tabubruch. Hier darf man ja jemanden eher fragen, was er wiegt statt wie viel er verdient.

Deswegen fragen wir Sie nicht, wie viele Kilogramm Sie auf die Waage bringen, sondern wie viel Sie verdienen. Wieviel?
Cédric Wermuth: Ich verdiene weniger als das Durchschnittseinkommen: 4000 Franken netto.

Eines Ihrer sozialistischen Credos ist es, für Freiheit als Grundrecht zu kämpfen. Glauben sie wirklich, dass das Herz der Schweiz links schlägt?
Cédric Wermuth: Ich glaube es nicht nur, ich bin fest davon überzeugt von einem linken Potential der Schweiz. Im Zentrum der sozialdemokratischen Politik steht die Freiheit, das ist das zentrale Anliegen für die Mehrheit der Menschen.

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