Aargauer
Ich und der Klimagipfel in Kopenhagen: Wie es wirklich war

Der Suhrer René Estermann nahm eine Woche lang an der Klimakonferenz in Kopenhagen teil. Im Unterschied zum allgemeinen Tenor ist der Aargauer vom Klimagipfel gar nicht so enttäuscht. «So minimalistisch sind die Resultate gar nicht», sagte Estermann, der auch CEO von myclimate ist.

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Estermann

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Keystone

René Estermann

Nach Kopenhagen heisst's: Ärmel hochkrempeln - wir alle machen Klimaschutz.

Die Kopenhagen-Abmachung beinhaltet leider weniger als erwartet und nötig, doch weit mehr als nichts. Wichtig und signifikant ist v.a. die klare Abmachung zur Einhaltung des Zwei-Grad-Zieles und alle dafür notwendigen Massnahmen. Das bedeutet, dass massive CO2-Reduktionen nötig werden: in den Industrieländern minus 25-40% bis 2020 und minus 50-80% bis 2050. Weltweit bis 2050 gar noch durchschnittlich rund 2 Tonnen CO2-Emissionen pro Kopf und bis 2100 noch 1 Tonne. Heute betragen sie jährlich ein Vielfaches mehr als das: USA 20 Tonnen, EU 10 Tonnen, CH 7 Tonnen, China 5 Tonnen und Indien eine Tonne.

Weitere wichtige Prinzipien der Abmachung sind: die hohe Dringlichkeit für Emissionsreduktionen und die sogenannte gemeinsame, aber differenzierte Verantwortung. Industrieländer haben prioritäre Verantwortung für rasche und beträchtliche Reduktionsmassnahmen und auch für nötige Finanzierungen. Selbst in Schwellen- und Entwicklungsländern werden soziale und ökonomische Entwicklung und Armutsbekämpfung als klar prioritär anerkannt und CO2-Reduktionen im Vergleich zum Business-as-usual jedoch ebenfalls verlangt.

Die Kopenhagen-Vereinbarung beinhaltet auch die Sicherung von kurz- und langfristigen Finanzierungen für Klimaschutz, Knowhow- und Technologietransfer, Waldschutzprogramme und Anpassungsmassnahmen in Entwicklungsländern: 30 Milliarden US-Dollar von 2010 bis 2012 und 100 Millarden US-Dollar jährlich ab 2020.

Unzufriedenstellend ist die Unverbindlichkeit des Vertrages und die fehlenden individuellen quantitativen Zielvorgaben und Finanzierungsschlüssel für die einzelnen Industrieländer.

Präzisierungen dafür gilt es nun im nächsten Jahr zu schaffen bis zum COP in Mexiko.
Immerhin das Ziel ist klar fixiert, der konkrete Weg dorthin jedoch noch nicht verbindlich und runtergebrochen für jeden Staat auf dieser Welt.

Ärmel hochkrempeln oder Abwarten in der Schweiz?

Was bedeutet die Kopenhagen-Abmachung nun für uns einzelne und den Klimaschutz in der Schweiz? „Ärmel hochkrempeln" und die Treibhausgasemissionen reduzieren! Jeder kann's in seinem Entscheid- und Handlungsbereich tun. „Gring abe und seckle für max. +2°C!"

Low-Carbon-Lösungen gibt's, sie müssen nur realisiert werden, insbesondere in den hauptsächlichen Emissionsbereichen: Mobilität, Gebäude, Konsum, global auch Energieproduktion und Landbewirtschaftung. Abwarten und Verzögern sind jetzt für Klimaschutz und Wirtschaft verantwortungslos. Das Zeitfenster für wirksame Reduktionsmassnahmen zur Zielerreichung ist klein und auch die einmaligen Chancen zur erfolgversprechenden Positionierung im ‚Cleantech-Bereich' für die Schweizer Wirtschaft sollten rasch genutzt werden.
Wir alle auch die zukunftsorientierte Wirtschaft sind interessiert an raschmöglichst klaren, fairen und ambitionierten Klimaschutz-Rahmenbedingungen. Dazu gehören Emissionsvorschriften, Emissionshandel mit einem Preis nach dem Verursacherprinzip für CO2-Emissionen, Forschung für erneuerbare Energien und Energieeffiienz und Förderprogramme für die rasche Umsetzung von Klimaschutzmassnahmen und eine intensive internationale Zusammenarbeit. Die Klimakonferenz in Kopenhagen bestärkte die Richtung, leider (noch) zu wenig klar und mit zu wenig Tempo. Drum ist der Weg noch lang und steinig. Also auf geht's! Bei allen grossen Umwälzungen gilt: „wer zu spät kommt .....!

René Estermann, CEO myclimate