Bauernverband

«Ich liebe auch meine Arbeit als Bauer»

Unter Ralf Bucher hat sich der Bauerverband Aargau zu einem modernen Dienstleistungszentrum entwickelt. Mit 24 Jahren war der gelernte Agrotechniker frisch ab der Fachschule mit Abstand der jüngste Geschäftsführer der kantonalen Bauernverbände im Land. Seitdem er den elterlichen Betrieb mit 21 ha Land und 24 Mutterkühen übernommen hat, steht er vor seiner Arbeit manchmal schon um sechs Uhr im Stall. Trotzdem ist er überzeugt, dass der gut organisierte Bauer ein ganz normales Leben führen kann.

Von Barbara Rüfenacht

«Heute Nacht ist im Betrieb wieder mal einiges eingefroren,» erzählt der 31jährige Geschäftsführer des Bauernverbandes Aargau (BVA), der im letzten Jahr infolge des verfrühten Todes seines Vaters, den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb in Mühlau von einem Tag auf den anderen übernommen hatte. «Mein Vater verstarb unerwartet im Stall und nahm dabei sehr viel Detailwissen mit.» Obwohl Ralf Bucher zu Hause von Kindsbeinen an überall mitgeholfen hatte, wog die Last, plötzlich die ganze Verantwortung allein zu tragen, schwer. Zum Glück legt die Mutter auch Hand an. «Sie ist besonders begabt mit den Tieren», erzählt der begeisterte junge Bauer, der es als Privileg betrachtet, Grundbesitzer zu sein und einen eigenen Tierbestand halten zu können. «Die jungen Bauern dürfen stolz auf ihren Beruf sein und die Wichtigkeit der Landwirtschaft wird mit den knapper werdenen Ressourcen noch zunehmen», betont er. Und fügt hinzu, dass es auch eine Frage der Organisation sei, wie gut oder schlecht man heute als Landwirt lebe. Er selbst jedenfalls sagt: «Ich liebe auch meine Arbeit als Bauer.»

Damit der Geschäftsführer des Bauernverbandes am Morgen pünktlich im Büro in der ehemaligen Landwirtschaftsschule Muri sitzt, arbeitet er auch mit den Nachbarn zusammen und teilt sich mit einem einen Mitarbeiter. «So kann ich tagsüber ruhig meiner Arbeit nachgehen und auch mal in die Ferien fahren.» Das nütze dem Betrieb mehr, als sich immer mit den gleichen Dingen herumzuschlagen, meint der Freiämter, der auch regelmässig als Ringer trainiert, «um den Kopf frei zu bekommen». Die Freude an diesem Sport kommt nicht von ungefähr. Bruder Reto Bucher war Olympiavierter in Athen und widmet sich heute den Freiämter Nachwuchshoffnungen. «Beim Ringen ist alles gefragt, Kraft, Kondition, Koordination, und ein fairer Zweikampf», erklärt der Tier- und Naturliebhaber, der es sich nur schwer vorstellen kann, in der Stadt zu leben oder einen eintönigen Job auszuführen.

Nur einmal zog es den jungen Landwirt in die Ferne, ins gelobte Land der Grossbauern, nach Kanada. «Nach meiner Ausbildung habe ich fünf Monate auf einer Milchfarm gearbeitet und viel Spannendes erfahren.» Vor allem das fruchtbare Klima hat den Schweizer begeistert. Dafür geriet er sich nach seiner Rückkehr mit dem Vater über eine kurze Zeit in die Haare. «Ich kam heim und wollte vieles anders machen», schmunzelt Ralf Bucher.
Als Geschäftsführer mit rund 15 Mitarbeitenden versteht sich Ralf Bucher vor allem als moderner Dienstleister für die Bauernfamilien im Kanton. «Im Aargau gibt es auch heute immer noch einen Landwirt auf 130 Einwohner.» Die Hälfte des unverbauten Aargauer Landes ist also im Besitz von Bauernfamilien. «Nebst der politischen Standesvertretung unterstützen wir die Landwirte etwa in der Versicherungsberatung, im Treuhandbereich oder mit dem Betriebshelferdienst.»
Fällt ein Bauer wegen Unfall, Krankheit oder Ferienhalber aus, schickt der Verband einen Betriebshelfer vor Ort, der sofort Hand anlegt. «Wenn es brennt, dann brennt es,» meint der Chef, der selber täglich am Puls des Geschehens auf Hof und Land ist. «Die Bauern sollen sich bei uns melden, wenn sie Probleme haben», ruft der junge Landwirt seine Berufsgenossen auf.
Ralf Bucher ist ein Mann der Tat, unnötige Worte und Bürokratie liegen ihm nicht. Ein Anschwellen der Bürokratie befürchtet er auch im Falle einer Annahme der Tieranwalts-Initiative. Zudem werde der Tiervollzug im Aargau bestens wahrgenommen, Lücken wiesen allenfalls andere Kantone wie etwa das Wallis auf. «Hält ein Bauer seine Tiere, auf die er ja wirtschaftlich angewiesen ist, schlecht, ist das selten Sadismus, sondern meist eine Überforderung.» Betriebshelferinnen und -helfer wären eine bessere Lösung als etwa hohe Bussen, die das Elend bloss verschlimmern würden», meint der fortschrittliche Freiämter, der auch in Frauenfragen eine offene Haltung beweist. «Die jungen Frauen wollen heute auf den eigenen Beinen stehen und ihrem Beruf nachgehen.» Man müsse halt nach Lösungen suchen und - eine eigenständige Partnerin könne den Bauernblick durchaus auch öffnen.
Vom dem Poster an der Wand lächelt Michelle Hunziker mit einem Milchschnauz für die Schweizer Bauern. «Ich weiss nicht, ob sie weiss, wie heiss die Debatte um die Milchpreise immer noch tobt», meint der Geschäftsführer schmunzelnd. Ralf Bucher, Bauer und BVA-Geschäftsführer, ist definitiv kein Kandidat für die TV- Sendung «Bauer ledig sucht...»; er wird sein Glück auch so machen.

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