Luftrettung

«Ich kann nicht sagen, ob die Rega das Gütesiegel wieder bekommen hätte»

Die Geschäftsleiterin der Hilfswerk-Zertifizierungsstelle Zewo Martina Ziegerer.

Die Geschäftsleiterin der Hilfswerk-Zertifizierungsstelle Zewo Martina Ziegerer.

Die Rega fliegt künftig ohne Hilfswerk-Zertifizierung. Freiwillig, sagt die Rega. Die «Weltwoche» dagegen schreibt, zu hohe Löhne seien der Grund dafür. Zewo-Geschäftsleiterin Martina Ziegerer sagt, warum die Rega ab 2014 kein Gütesiegel mehr trägt.

Martina Ziegerer, die Rega sagt, sie verzichte von sich aus auf das Zewo-Siegel. Hätte die Rettungsflugwacht das Zertifikat überhaupt bekommen?

Martina Ziegerer: Wir überprüfen die zertifizierten Organisationen alle fünf Jahre umfassend. Die für dieses Jahr vorgesehene Überprüfung der Rega hat sich mit deren Verzicht erledigt. Für uns hätte sich dabei die Frage gestellt, ob die Rega eher mit einer Fluggesellschaft oder einem Spital als mit einem Hilfswerk verglichen werden müsste. Denn im Vergleich zu klassischen Hilfswerken sind die 90 000 Franken Entschädigung von Stiftungspräsident Ulrich Graf eine hohe Zahl. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich nicht sagen, ob wir die Rega diesbezüglich als Spezialfall behandelt hätten oder nicht - und ob sie folglich das Gütesiegel ohne Auflagen wieder bekommen hätte.

Wieso wäre die Rettungsorganisation überhaupt als Spezialfall infrage kommen?

Die Rega unterscheidet sich in der Grösse der Organisation und der Art der Tätigkeit stark von anderen Hilfswerken. Sie sind die einzigen mit einem eigenen Flugbetrieb.

Welche Folgen hat die fehlende Zertifizierung auf die Rega?

Die regelmässigen Kontrollen durch die Zewo fallen weg. Deshalb sind die Spender nun gezwungen, sich vermehrt selber über die Tätigkeiten der Organisation zu informieren. Sie müssen schauen, ob die von der Rega publizierten Unterlagen dazu genug Informationen liefern.

Nach welchen Kriterien läuft eine Überprüfung durch die Zewo ab?

Bei einer Rezertifizierung beurteilen wir eine Organisation anhand von rund 100 Kriterien. Dazu zählen der administrative Aufwand, die Transparenz, die Mittelbeschaffung, die Führungsstruktur oder auch die Entschädigungen der Führungsmitglieder.

Schätzungen der «Weltwoche» zufolge erhält Rega-CEO Ernst Kohler 600 000 Franken pro Jahr. Wie viel darf der Chef einer zertifizierten Organisation verdienen?

So generell lässt sich das nicht beantworten. Das hängt beispielsweise von der Grösse einer Organisation und der damit verbundenen Verantwortung ab. Aber auch das Alter, die Berufserfahrung und die Ausbildung spielen bei der Beurteilung, was ein angemessener Lohn ist, eine Rolle. Auf der Grundlage der Studie der Uni Fribourg haben wir zu diesem Zweck einen Lohnrechner erarbeiten lassen. Bei der Rega können wir das derzeit nicht beurteilen, weil sie den aktuellen Geschäftsleiterlohn erst bei der Rezertifizierung uns gegenüber hätte offen legen müssen.

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