Ausschaffung
«Ich habe die Ausschaffung sofort gestoppt»

Am Flughafen Zürich stirbt ein Ausschaffungshäftling kurz vor seinem Abflug. Der Chef des Bundesamtes für Migration Alard Du Bois-Reymond war beim Tod des Nigerianers dabei.

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Niklaus Ramseyer

Herr Du Bois-Reymond, Sie waren dabei, als es auf dem Flughafen Zürich zum tragischen Tod eines Ausschaffungshäftlings kam. Weshalb waren Sie da?

Alard Du Bois-Reymond: Es war rein zufällig. Im Rahmen der Einführung in meine Arbeit als Direktor des zuständigen Bundesamtes wollte ich mir an diesem Tag in Begleitung des Chefs der Flughafenpolizei eine Zwangsausschaffung genau ansehen.

Und was ist dann genau passiert?

Du Bois: Ich habe nicht gesehen, wie der Häftling gestorben ist. Ich habe aber gesehen, wie sie die Leute - und auch den später Verstorbenen - gefesselt und für den Flug vorbereitet haben.

War das eine brutale Szene?

Du Bois: Nein, es war eigentlich sehr ruhig. Nur diese eine Person verursachte offenbar Probleme. Aber ich konnte keine Gewalttätigkeiten feststellen.

Und wie kam es dann zum tragischen Tod?

Du Bois: Das war sehr überraschend. Plötzlich stellte man fest, dass es dem Mann offenbar schlecht ging. Sein Puls wurde schwach. Die zuvor schon alarmierte Ambulanz kam. Aber es war schon zu spät. Es ist alles sehr schnell gegangen.

Spielte die Tatsache mit eine Rolle, dass der Häftling durch seinen Hungerstreik schon geschwächt war?

Du Bois: Das sind Spekulationen. Das kann mit ein Grund gewesen sein. Aber das müssen die Staatsanwaltschaft und die Gerichtsmedizin jetzt genau abklären.

Und Sie haben dann gleich vor Ort sofort die ganze Ausschaffung gestoppt?

Du Bois: Ja. Die Leute waren ja schon im Flugzeug. Und zusammen mit dem Polizeikommandanten haben wir entschieden, dass die Operation unter diesen Umständen sofort abgebrochen wird.

Und was passiert jetzt, bevor die Ausschaffungen wieder weitergehen?

Du Bois: Es gibt zwei Möglichkeiten. Wenn die Untersuchungen zeigen, dass dieser tragische Tod nicht durch die Zwangsmassnahmen verursacht worden ist, werden wir diese Ausschaffungen wieder aufnehmen. Dann wäre es einfach ein unglücklicher Unfall gewesen.

Aber der Mann ist ja während der Zwangsausschaffung gestorben.

Du Bois: Wenn es sich aber herausstellt, dass der Tod des Häftlings als Folge der Zwangsmassnahmen eingetreten ist, dann müssen diese Massnahmen angepasst werden. Sollten Fehler im Ablauf geschehen sein, werden wir die entsprechenden Weisungen zusammen mit der Polizei so anpassen, dass solche tragischen Vorfälle nicht mehr passieren können.

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