Fritz Thut

Mit fast 100 Stimmen Vorsprung auf ihren Gemeinderatskollegen Peter Wegmüller setzte sich Silvana Richner im Duell um die Nachfolge des langjährigen Hunzenschwiler Gemeindeammanns Franz Bitterli durch.

«Das Volk hat gewählt», freut sich der künftige Ammann, wertet das Ergebnis als «Wertschätzung für die geleistete Arbeit». Wegen der allgemein für offen gehaltenen Ausgangslage sei sie bis zum erlösenden Telefonanruf nicht sicher gewesen, ob sie es schaffe, verriet Richner am Tag nach der Wahl der AZ.

«Dem Volk eine Auswahl ermöglichen»

Als Vertreterin der Einwohnervereinigung Hunzenschwil (EVH) sei es ihr mit der Kandidatur auch darum gegangen, «dem Stimmvolk eine echte Auswahl zu ermöglichen».
Die EVH, die es seit 1981 gibt und die ein breiteres Spektrum als die traditionellen Parteien abdeckt, ist im Ort durch regelmässige Aktivitäten wie etwa Fischessen, Oldie-Night und Chlausklöpfen stärker verankert als ähnliche Gruppierungen andernorts.

Mit Silvana Richner stellte die EVH vor 8 Jahren nicht nur die erste weibliche Gemeinderätin der Dorfgeschichte und nun die erste Frau Gemeindeammann, sondern mit dem im Amt bestätigten Peter Grusche als Vizeammann gleich die beiden obersten Behördemitglieder.

«Ich bin für flache Hierarchien»

Die Nominationsorganisation spielt jedoch auch in Hunzenschwil in der Tagesarbeit in der Gemeindebehörde keine grosse Rolle mehr. Richner hält fest, dass der Gemeinderat als Ganzes funktionieren muss: «Ich bin eher der Teamplayer; ein Typ, der flachere Hierarchien bevorzugt.»

«Ich werde die Inputs der Kollegen aufnehmen und ihnen Spielraum lassen», blickt der künftige Ammann schon vier Monate voraus. Konkret soll das neue Gemeinderatsteam Anfang 2010 «Legislaturziele definieren und Prioritäten festsetzen».

«Hunzenschwil steht auf einem guten Fundament», hält Richner fest und will so «meinen Vorgängern für die letzten Jahrzehnte ein Kränzlein winden». Dass in den nächsten Jahren weitere Herausforderungen auf die Gemeinde(n) zukommen, ist sich die fünfte Frau Gemeindeammann in der Region Lenzburg-Seetal bewusst.

Pflanzen und Katzen

Zur Wahl hat Silvana Richner einen Strauss Sonnenblumen erhalten, was sie sehr gefreut hat: «Ich liebe Pflanzen und Katzen», verrät sie im schönen Wintergarten am Rande der Siedlungszone. Die in Adliswil aufgewachsene Absolventin der Wirtschaftsmittelschule hat in der Reise- und Bankbranche gearbeitet und ist ihren aus Italien stammenden Eltern noch heute dankbar, dass sie ihr diese Möglichkeiten geboten haben. Die berufliche Karriere wurde anschliessend bewusst zugunsten von Familie und Dienst am Gemeinwesen aufgegeben: «Etwas, was ich nie bereut habe», so die Bilanz gestern Mittag.