Armeechef Philippe Rebord

«Ich bin nicht da, um ein Ferienlager zu organisieren»

Armeechef Philippe Rebord: «Die Zeit der Umsetzung hat begonnen, darum bin ich im Kampfanzug erschienen.»

Armeechef Philippe Rebord: «Die Zeit der Umsetzung hat begonnen, darum bin ich im Kampfanzug erschienen.»

Der neue Armeechef Philippe Rebord erklärte der «Nordwestschweiz» gestern Montag, wie er die Schweizer Armee und ihre Soldaten auf Vordermann bringen will.

Der neue Armeechef Philippe Rebord bediente sich bei einem grossen Franzosen, um seine Führungsphilosophie auf den Punkt zu bringen: «Der Chef ist derjenige, der die anderen benötigt», zitierte Rebord am Montag vor den Medien auf dem Berner Kasernenareal den Philosophen und Lyriker Paul Valéry (1871–1945).

Seit 100 Tagen ist Rebord (59) jetzt im Amt. Seit 100 Tagen ist die Ära seine Vorgängers André Blattmann damit Vergangenheit. Und Rebord, der im Kampfanzug auftrat, machte klar, dass er jetzt ein paar Schritte nach vorne machen will: «Die Zeit der Planung ist vorbei, jetzt hat die Zeit der Umsetzung begonnen. Darum bin ich heute im Kampfanzug erschienen.»

Armeechef Rebord: «Wir haben zu viel gespart in den letzten 20 Jahren»

Armeechef Rebord: «Wir haben zu viel gespart in den letzten 20 Jahren»

(10.4.2017)

Die Umsetzung, das ist die Umsetzung der Weiterentwicklung der Armee (WEA), die von der Politik beschlossen worden ist. Zum ersten Mal wisse die Armee nun genau, was die Politik von ihr erwarte, habe sie ein Leistungsprofil, sagte Rebord.

Unter anderem umfasst dieser Auftrag: Wiedereinführung der Mobilmachung. Innert ein bis drei Tagen müssen 8000 voll ausgerüstete Armeeangehörige mobilisiert werden können. Innert zehn Tagen sogar 35'000 Soldatinnen und Soldaten. Aber Rebord muss ganz von vorne anfangen: «Die jungen Armeeangehörigen bis hin zum Bataillonskommandanten kennen den Ausdruck Mobilmachung nicht mehr», stellte der Armeechef fest.

Lob auf harte Einsätze

Er muss die Armeelogistik wieder dezentralisieren, damit die Truppen schnell ausgerüstet werden können. Und er braucht mehr und zähere Rekruten. 18 000 pro Jahrgang müssen es mindestens sein, um den geforderten Armeebestand zu erreichen.

Das heisst, dass weniger in den Zivildienst ausweichen sollen. Zudem will die Armee den ersten RS-Monat so gestalten, dass weniger Soldaten aufgeben oder sonst ausscheiden. Heute ist die Umstellung aus dem Zivilleben zu hart. «Schweres Tragen etwa ist sich die heutige Generation nicht mehr gewohnt», sagt der Armeechef.

Aber auf den Drill, auf den will Rebord nicht verzichten. Und Einsätze unter schwierigen Bedingungen, wie jene am WEF in Davos bei beissender Kälte, findet er grandios. «Ich bin nicht beauftragt, ein Ferienlager zu organisieren», so der Romand.

Armeechef Rebord zu Cyberattacken, Rekruten und künftigen Armeeleistungen

Armeechef Rebord zu Cyberattacken, Rekruten und künftigen Armeeleistungen

«Rein technisch könnten wir eine Cyberattacke heute führen», sagt Armeechef Philippe Rebord im Interview. Nach seinen ersten 100 Tagen im Amt spricht der Walliser über die Zukunft der Armee, das neue Leistungsprofil und dessen Auswirkungen auf die Rekrutierung.

Nicht nur beim Personal will Rebord aufrüsten, sondern auch beim Material. In den letzten Jahren habe man bei der Armee so viel gespart, dass sie «etwas digital geworden» sei. «Wir sind heute in der Lage, einen Cyber-Angriff zu starten.» Das tue man natürlich nicht, fehle dafür doch die gesetzliche Basis. Aber es brauche jetzt dringend Investitionen auch in die klassischen Verteidigungsinstrumente. Zunächst in den Aufbau der «dritten Dimension».

Rebord: «Wir brauchen ein neues Kampfflugzeug bis 2030, damit die Armee ihren Auftrag erfüllen kann.» Sonst sei es aus mit der Luftwaffe.

Zahlen wollte Rebord mit Hinweis auf die Expertengruppe, die an einem Bericht arbeitet, nicht nennen. Aber offenbar geht die Armee davon aus, dass mit weniger als 50 Stück nicht viel Staat zu machen ist. Und ist die Luft gesichert, müssen bald mal die Artillerie und die Panzer erneuert werden, so der Armeechef.

Klar sei: Nach 2020 reichten die vom Parlament bewilligten 5 Milliarden pro Jahr nicht mehr aus. Mit einer Panzerschlacht rechne er allerdings zumindest in den nächsten «zehn bis 15 Jahren nicht», so Rebord.

«Egal, wer das Tor schiesst»

Der Westschweizer machte ob all der Aufrüstungspläne klar, dass er den Menschen im Vordergrund sieht. «Die Milizarmee ist der Spiegel der Gesellschaft», sagte er und lobte die Soldaten für «ihre gute Arbeit». Er rief seine Leute auch auf, kritisch zu sein. «Es nützt niemandem etwas, wenn Probleme nicht angesprochen werden. Ich will meinen Soldaten auf Augenhöhe begegnen.» Ihm sei «egal, wer das Tor erzielt – aber Tore müssen wir erzielen.»

Der von Rebord zitierte Paul Valéry übrigens war ein Mann des Widerstands und von aussergewöhnlicher Zivilcourage. Er weigerte sich, mit den deutschen Besatzern und dem Vichy-Régime zusammenzuarbeiten. 1941 hielt er demonstrativ eine Gedächtnisrede für den jüdischen Philosophen und Literaturnobelpreisträger Henri Bergson. Das kostete ihn alle Ämter.

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