Wahl Gemeinderat

«Ich bin jung und von der Politik begeistert»

Er ist erst knapp 23 Jahre alt und kandidiert bereits für einen Sitz im Gemeinderat: Der Rottenschwiler Christoph Mathis hat sich zum Ziel gesetzt, mehr Leute, besonders junge, zu den Gemeindeversammlungen und an die Urne zu bringen.

Andrea Weibel

Von weitem wirkt Christoph Mathis in seinem schwarzen Anzug sehr korrekt und weltmännisch. Aus der Nähe betrachtet verwandelt sich die Anzugshose allerdings in normale schwarze Jeans und das Hemd unter dem dunkelblauen Jackett in ein T-Shirt. Mit seinen 23 Jahren ist er sehr jung für seinen angestrebten Posten als Gemeinderat in Rottenschwil, darüber will er auch nicht hinwegtäuschen. «Ich bin jung und von der Politik begeistert, das möchte ich den Leuten zeigen und auch sie ermuntern, sich politisch zu engagieren», erklärt er.

Militärdienst für die Politik

Seine Erfahrung auf dem politischen Parkett hat sich bisher auf die aktive Teilnahme an Gemeindeversammlungen und die Zuschauerrolle in Friedensmissionen im Balkan beschränkt. Gerade Letzteres hat den 23-Jährigen aber sehr geprägt. «Ich habe mich schon immer sehr für die Politik interessiert, aber im Kosovo und in Bosnien habe ich erst richtig gelernt, wie viel man erreichen kann, wenn man sich politisch einsetzt», erzählt Mathis begeistert.

Anfangs wollte er den Militärdienst gar nicht leisten, doch sagte er sich: «Wenn du in der Politik mitreden willst, musst du das erlebt haben.» Also habe er sich durchgebissen. Nach der RS meldete er sich freiwillig für Friedenseinsätze im Balkan. «Diese Zeit möchte ich auf keinen Fall missen, ich habe dort enorm viel fürs Leben gelernt.»

«Man kann vieles verbessern»

Oft habe er in Bosnien aber gehört, dass Wahlen sowieso nichts verändern würden, da habe er sich Gedanken gemacht, ob das auch in der Schweiz so sein könne. «Die meisten meiner Freunde interessieren sich nicht für die Politik. Dabei kann man gerade in der Gemeinde, in der man lebt, so vieles besser machen, wenn man sich am politischen Leben beteiligt», ist er sich sicher.

Noch während seines Friedenseinsatzes hat Mathis mit dem Gemeinderat und der Gemeindeschreiberin in Rottenschwil Kontakt aufgenommen. «Sie haben mir bei all meinen Fragen weitergeholfen und mich sehr motiviert», ist der gelernte Kaufmann dankbar.

So habe er sich entschlossen, sich für die Gesamterneuerungswahlen im Herbst aufstellen zu lassen. «Doch als ich hörte, dass schon jetzt ein Sitz frei wird, habe ich natürlich nicht gezögert», sagt er. «Die meisten Gemeinderäte sind schon länger dabei und verfügen über sehr viel Know-how.» Davon könne er auch für die Zukunft profitieren, denn er möchte gerne in Rottenschwil bleiben, politisch aber auch weiterkommen. «Ich weiss, dass man als Parteiloser bei Wahlen über die Gemeindegrenzen hinaus weniger Chancen hat, doch möchte ich mich keiner Partei anschliessen», ist er entschlossen.

In kurzen Hosen vereidigen

Gerade ist das Flugblatt von Tibor Enderes, einem zweiten Kandidaten für den Gemeinderatssitz, in Umlauf gekommen. «Er wohnt ebenfalls schon lange hier und ist etwas älter als ich. Ich erhoffe mir aber dennoch gute Chancen», so Mathis. Sein Ziel ist es, mehr Leute zu den Gemeindeversammlungen zu bringen. «Und wenn sie nur kommen, um den 23-jährigen Gemeinderat zu sehen, ist das für mich schon ein kleiner Erfolg», schmunzelt er.

Ab dem Sommer holt Mathis die Berufsmatur nach. Anschliessend möchte er sich zum Primarlehrer weiterbilden. Politisch steht noch alles offen. «Zu Hause habe ich geprahlt, dass ich mal in den Bundesrat komme, aber das war eher lustig gemeint», erzählt er. Dennoch hat er seinen Freunden bereits ein Versprechen abgegeben: «Sollte ich es tatsächlich nach Bern schaffen, werde ich mich in kurzen Hosen vereidigen lassen, um zu zeigen, dass ich immer noch der alte Christoph Mathis geblieben bin», lacht er.

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