Damit wird die undurchsichtige Affäre noch verworrener: Im November 2007 hatte der Bundesrat beschlossen, die Akten der mutmasslichen Atomschmuggler Tinner zu vernichten.

Gegenüber der Öffentlichkeit begründete er die auf Notrecht gestützt Aktion im Nachhinen mit der Gefahr, dass Baupläne für Atomwaffen, Gaszentrifugen und Lenkwaffensysteme in falsche Hände geraten könnten.

Weil das Strafverfahren gegen Urs und Marco Tinner noch läuft, erntete der Bundesrat für die Aktion viel Kritik. Auch der parlamentarischen Oberaufsicht hielten seine Argumente nicht stand: In einem Bericht vom Januar stellte die Geschäftsprüfungsdelegation der eidgenössischen Räte (GPDel) fest, dass die Vernichtung unrechtmässig gewesen war.

Sie zeigte sich auch überzeugt, dass die Aktion auf Druck der USA, für deren Geheimdienst CIA die Tinners gearbeitet haben sollen, erfolgt war.

Umso konsternierter über das unverhoffte Auftauchen der Unterlagen, die gar nicht mehr hätten existieren dürfen, äusserte sich GPDel-Präsident Claude Janiak (SP/BL) gegenüber der Sendung "Echo der Zeit" von Schweizer Radio DRS: Das sei "keinen ersten Preis wert", sagte er. Im Verfahren gegen die Tinners seien die Akten aber "überaus dienlich".

Ob sie dafür zur Verfügung stehen werden, ist ungewiss: Zwischen dem 18. und dem 20. März haben Spezialisten der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) die Unterlagen vorerst begutachtet und eine Triage vorgenommen, wie das EJPD mitteilte.

Der Bundesrat wartet nun auf die Empfehlung der IAEA, wie mit dem Material unter den Aspekten des Völkerrechts und der Proliferationsbekämpfung zu verfahren sei.