Delegiertenversammlung

Hymne ohne Masken gesungen: SVP erntet Spott – Glarner: Schutzkonzept «sklavisch durchgezogen»

Der Beitrag von TeleM1: SVP-Versammlung: SVPler halten ihr eigenes Schutzkonzept kaum ein

Der Beitrag von TeleM1: SVP-Versammlung: SVPler halten ihr eigenes Schutzkonzept kaum ein

Rund 400 SVP-Delegierte haben am Samstag in Windisch ihren neuen Präsidenten der Partei gewählt. Nun sorgt vor allem das Schutzkonzept der Veranstaltung für Gesprächsstoff. Offenbar haben die Politiker lauthals gesungen und dabei kaum Masken getragen.

Die SVP-Delegierten haben zum Auftakt ihrer Versammlung die Nationalhymne angestimmt – vielerorts ohne den nötigen Abstand oder Schutzmasken. Man habe sich strikt an das bewilligte Schutzkonzept gehalten, heisst es bei der Partei.

Die SVP hat am Samstag in Brugg-Windisch Marco Chiesa zum neuen Präsidenten gewählt. Die Delegierten führten ihre Versammlung mit einem Schutzkonzept durch: Die Anwesenden waren abgetrennten Sektoren zugewiesen, damit sie sich nicht mischten. Zudem galt eine Maskenpflicht ausserhalb der Sektoren und an den Tischen, sofern dort der Abstand von 1,5 Metern nicht einzuhalten war, wie es in der Einladung heisst.

Als zu Beginn die Nationalhymne angestimmt wird, trägt an den Tischen praktisch niemand eine Maske. Dicht gedrängt stehen viele der 383 Delegierten beieinander, wie auf einem Video von «LeTemps»-Journalist Boris Busslinger zu sehen ist, das er auf Twitter veröffentlicht hat.

Blick in den Saal, in dem die SVP-Delegierten sich versammelten. Zwischen den Reihen sind schwarze Absperrbänder zu erkennen.

Blick in den Saal, in dem die SVP-Delegierten sich versammelten. Zwischen den Reihen sind schwarze Absperrbänder zu erkennen.

Für die Comedy-Gemeinschaft im Netz ein gefundenes Fressen. Satiriker Viktor Giacobbo textet den Schweizerpsalm coronakonform um: «Trittst im Aerosol daher, seh ich dich im Virenmeer, dich du hocherhabener Spreader!»

Ähnlich tönt es beim Basler SP-Nationalrat Beat Jans: «Trittst im Morgenrot daher, seh ich dich im Covid-Meer...»

Glarner ist mit den Delegierten zufrieden

Der Aargauer SVP-Nationalrat Andreas Glarner sieht im Singen der Nationalhymne keine besondere Corona-Gefahr: «Man kann es auch ad absurdum führen.» Er sei mehr als zufrieden und auch überrascht, wie diszipliniert sich die Delegierten an das Schutzkonzept hielten. Man habe dieses «sklavisch durchgezogen». Er sei umgehend abgemahnt worden, wenn er ohne Maske aufgestanden sei.

Andreas Glarner.

Andreas Glarner.

Chiesa-Vorgänger Albert Rösti rief die Delegierten mehrfach zu Disziplin auf: «Es wäre das Schlimmste, wenn wir nächste Woche alle in die Quarantäne müssten.»

«Das durch die Kantonsärztin vorgeprüfte Schutzkonzept wurde von uns durchgesetzt und von den Delegierten jederzeit eingehalten», sagt SVP-Sprecherin Andrea Sommer zu «20 Minuten». Es entspreche der Covid-Gesetzgebung für Grossveranstaltungen, in der die Teilnehmenden des Anlasses nachvollziehbar in Sektoren eingeteilt werden. Innerhalb von diesen gelte keine Maskenpflicht.

Delegierte hätten nur summen sollen

Das Generalsekretariat empfahl allerdings, die Hymne nur zu summen. Eine Empfehlung, die verpuffte: Viele liessen es sich nicht nehmen, mitzusingen. Glarner sagt, er habe von dieser Empfehlung nichts mitbekommen. Als Präsident der Aargauer SVP sprach er nach der Hymne das Grusswort.

Mit der Wahl Marco Chiesas zeigt Glarner sich zufrieden. Es sei genau so gekommen, wie man es gewollt habe. «Ich bin froh, dass er es wurde.» Er verstehe aber die Leute, die sich vor der Wahl kritisch äusserten, weil die Delegierten keine Auswahl hatten. Der einzige Kontrahent Chiesas, der Zürcher Nationalrat Alfred Heer, zog seine Kandidatur kurz vor der Wahl zurück.

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