«Die Absage kam sehr abrupt», sagt Peter Heiniger, Schulleiter der Primar- und Realschule Huttwil: Am vergangenen Montag erhielt er von der Stiftung Ferienheim Huttwil im Eriz einen Brief mit der Mitteilung, dass das Heim ab April nicht mehr zur Verfügung steht und deshalb bestehende Reservationen rückgängig gemacht werden müssen.

Für Heinigers Reaktion hat Peter Röthlisberger, der Präsident der Stiftung, durchaus Verständnis. Die Stiftung ist zwar seit Ende 2005 auf der Suche nach einem Käufer. Damals legte der Gemeinderat als Vertreter des wichtigsten Stifters dem Stiftungsrat den Verkauf nahe. Doch die Verhandlungen seien lange resultatlos verlaufen. Deshalb habe die Stiftung in den Reservationsverträgen auch keine Vorbehalte mehr gemacht.

Sachabgabezentrum

Der Zeitdruck entstand erst, als der Kanton überraschend ein Angebot unterbreitete: Er will im Huttwiler Ferienheim ein so genanntes Sachabgabezentrum für weggewiesene Asylbewerber einrichten. Gemäss Röthlisberger mietet der Kanton das Heim ab 1. April längerfristig. Seit vorgestern Donnerstag steht jedoch auch fest, dass dieser das Heim vorerst nicht kaufen will.

Betrieben wird das Zentrum vom Verein Asyl Biel und Region, der im Berner Oberland, im Seeland und im Berner Jura bereits zwölf Zentren mit nahezu 1000 Unterkunftsplätzen führt. Ab Mai sollen die ersten abgewiesenen Asylbewerber aufgenommen werden.

Ein Blick in den Belegungsplan des Heims im Internet verrät: Dieses ist für das ganze Jahr 2009 bereits gut belegt: An rund der Hälfte der Tage, im Juli sogar an 29 von 31 Tagen. In der Huttwiler Städtlischule ist allerdings nur ein Lager betroffen: Die Landschulwoche von zwei 3./4. Klassen mit 48 Schülerinnen und Schülern Anfang Juni.

«Wir wussten, dass Verkaufsverhandlungen laufen», sagt Christine Jenzer, eine der betroffenen Lehrpersonen. «Allerdings habe ich nichts mehr davon gehört und war deshalb schon überrascht von der Absage.» Diese bringe nun zwar viele Umtriebe, gesteht sie ein, «doch ändern können wir sie nicht mehr. Also blicken wir nach vorne.»

Nicht alles kommt infrage

«Es ist erstaunlich, wie viele Angebote wir auf einen Eintrag in einem Verzeichnis im Internet erhalten haben», stellt Jenzer fest. Allerdings kämen für ihr Lager viele nicht infrage. Mit Dritt- und Viertklässlern sei zum Beispiel die Distanz ins Wallis oder in den Kanton Graubünden zu gross. Zudem soll die Landschulwoche in familiärem Rahmen stattfinden können, weshalb grössere Unterkünfte ebenfalls ungeeignet seien. Schliesslich seien die besten Unterkünfte natürlich zu diesem Zeitpunkt längst belegt.

«Wir geben uns noch ein paar Tage Zeit und entscheiden uns dann für die beste Variante», erklärt Jenzer. Doch damit werde die zusätzliche Arbeit nicht zu Ende sein: «Wir müssen das ganze Programm anpassen und vor Ort neu rekognoszieren.»

Das weiss man auch bei der Stiftung Ferienheim Eriz und hat deshalb im Brief geschrieben, «selbstverständlich» sei sie bereit, Kosten, die durch die Absage entstehen, zu entschädigen. (mz/jr/wst)