Erdbeben in Ecuador

Hunderte Tote: Jetzt treten die Glückskette und das Departement Burkhalter auf den Plan

Das folgenschwere Erdbeben in Ecuador hat auch Hilfsmassnahmen in der Schweiz mobilisiert. Die Glückskette stellt zwei Millionen Franken zur Verfügung und das EDA entsendet drei Experten zur Abklärung nach Ecuador.

Die Glückskette entnimmt ihrem permanenten Hilfsfonds für Lateinamerika zwei Millionen Franken, wie sie am frühen Sonntagabend mitteilte. Das Geld könne ab Sonntag für Projekte zur Nothilfe sowie für den Wiederaufbau eingesetzt werden.

Der permanente Fonds für Lateinamerika enthält nicht zweckgebundene Spenden und Überschüsse schon abgeschlossener Fonds. Damit kann Opfern von neuen Katastrophen geholfen werden.

Es gebe aber keinen Spendenaufruf, hiess es weiter. Die dazu nötigen Kriterien, darunter ein Hilfsappell der Regierung sowie die Mobilisierung mehrerer Partnerhilfswerke, seien nicht erfüllt. Ecuador gelte zudem als Land mit genügenden Mitteln für die Bewältigung eines solchen Ereignisses.

DEZA-Experten nach Ecuador

Auch das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) wurde wegen des schweren Bebens aktiv. Einerseits sei eine Arbeitsgruppe eingesetzt worden, welche die Situation im Erdbebengebiet verfolge, teilte das EDA mit. Bundesrat Didier Burkhalter werde über die Entwicklungen laufend informiert.

Andererseits begaben sich noch am Sonntag drei Experten der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) von Kolumbien und Bolivien aus nach Ecuador. Dort verstärken sie die Schweizer Botschaft in Quito und halten sich bereit, die Bedürfnisse in den Katastrophengebieten abzuklären. Bis Sonntagabend MESZ habe es keine Anhaltspunkte gegeben, dass Schweizer Staatsangehörige vom Beben betroffen waren, teilte das EDA weiter mit.

Ecuador ist am Wochenende vom schwersten Erdbeben seit fast 40 Jahre erschüttert worden. Über 230 Personen kamen ums Leben. Die Bergungsarbeiten nach dem Beben mit Epizentrum in der westlichen Provinz Esmeraldas kamen nur langsam voran.

Die Zahl der Toten wurde am Sonntag von Präsident Rafael Correa mit 233 angegeben. Hunderte Personen wurden verletzt. Zahlreiche Gebäude stürzten durch die Erdstösse vom Samstagabend ein und begruben Menschen unter sich. Die Bergungsarbeiten liefen langsam an, viele Menschen gruben mit blossen Händen in den Trümmern.

Das Epizentrum des Bebens der Stärke 7,8, das sich um 18.58 Uhr Ortszeit ereignet hatte, lag in der Provinz Esmeraldas. Die Erdstösse und Dutzende Nachbeben waren landesweit zu spüren. Auch die an Esmeraldas angrenzende Provinz Manabí war stark betroffen. Nach Regierungsangaben war es das stärkste Beben in Ecuador seit 1979.

Correa bricht Europareise ab

Die Regierung rief für mehrere Regionen den Ausnahmezustand aus. Rund 10'000 Soldaten und 3500 Polizisten wurden zum Einsatz in die Erdbebengebiete gesandt. Das komplette Ausmass des Unglücks war noch schwer abzuschätzen. Vizepräsident Jorge Glas bereitete seine Landsleute auf ein Ansteigen der Zahl der Toten vor.

"Wir wissen, dass unter den Trümmern noch Menschen begraben liegen", sagte er. Die Einsatzkräfte gäben ihr Bestes, um Verschüttete zu retten. Der zum Zeitpunkt des Bebens im Vatikan weilende Präsident Correa sprach den Familien der Opfer sein Mitgefühl aus.

Er rief seine Landsleute auf, angesichts der "nationalen Tragödie" Ruhe zu bewahren und "einiger denn je" zu sein. Der Präsident wollte umgehend nach Ecuador zurückkehren und die betroffenen Gebiete besuchen. In einem Telefonat mit Radio Pública sagte Correa, Hilfsteams aus Mexiko und Kolumbien würden in Ecuador bei der Suche nach Verschütteten helfen.

Zerstörung und Verzweiflung

Berichte von Überlebenden gaben eine Ahnung von der Wucht der Erschütterungen. "Es war, als ginge die Welt unter. Häuser krachten zusammen, Lichter gingen aus, die Menschen sind vollständig verzweifelt, unter den Trümmern liegen Verschüttete", schilderte die 40-jährige Hausfrau Miriam Santana aus der Stadt Manta ihre Erlebnisse.

Die grössten Schäden wurden aus den Regionen im Nord- und Südwesten des Landes gemeldet. In der Stadt Guayaquil stürzte eine Brücke ein und begrub ein Auto unter sich. Das Dach eines Einkaufszentrums brach zusammen.

Der Flughafen in der Stadt Manta an der Pazifikküste musste geschlossen werden. Auch in Quito wurden Gebäude beschädigt. Alle öffentlichen Veranstaltungen in der Hauptstadt wurden abgesagt. Das Beben dauerte etwa eine Minute. Dem Hauptbeben schlossen sich rund 55 Nachbeben an. Die Erdstösse waren auch im Norden Perus und im Süden Kolumbiens zu spüren.

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