Aargau

Hundegesetz: Jetzt läuft die Übergangsfrist ab

Mit dem Besuch eines Kurses sollten Hund und Halter im Alltag besser zurechtkommen.

Mit dem Besuch eines Kurses sollten Hund und Halter im Alltag besser zurechtkommen.

Das neue Tierschutzgesetz schreibt für Neuhalter und bei Übernahme eines neuen Hundes ein Kursobligatorium vor. Die Übergangsfrist läuft am Mittwoch ab. Und noch längst nicht alle, die müssten, haben einen Kurs absolviert.

Roman Huber

Das Thema Sachkundenachweis ist seit längerer Zeit in Hundehalterkreisen das meistdiskutierte Thema. Es gibt langjährige Hundehalter, die diese Kurse für unnütz halten. Zu Unrecht eigentlich, denn keinem Hundehalter schadet es, wenn er etwas dazulernt.

Seitens Gesetzgeber ist die Sache mit der neuen Tierschutzverordnung klar geregelt: Mit dem Sachkundenachweis will man über eine tiergerechtere Haltung den Tierschutz verbessern und hofft gleichzeitig, dass Bissattacken gegen Menschen und andere Hunde abnehmen würden. Die grosse Frage lautet jedoch: Wer setzt um, wie kann man das kontrollieren?

Nationales Gesetz ist schon lange ein Thema

Bei einigen Kantonen sind zurzeit Hundegesetze auf der Wartebank. Gespannt blickt man aber erstmal nach Bern, bis sich auf nationaler Ebene eine Entscheidung ergeben hat. Ein einheitliches nationales Hundegesetz ist seit langem ein Thema, womit sich der Unsinn von 26 verschiedenen kantonalen Hundegesetzen erübrigen würde.

Doch erneut sind sich die Kommissionen der beiden Kammern uneinig: Die ständerätliche Kommission für Wirtschaft, Bildung und Kultur will ein einheitliches Gesetz, das die Behandlung so genannt gefährlicher Rassen für die Schweiz gleich regelt, während es die Kommission des Nationalrats den Kantonen überlassen möchte, schärfere Gesetze zu erlassen.

Zurück zum SKN: Die Kantone ihrerseits überlassen den Gemeinden den Vollzug und lassen diese in der Luft hängen. Die Durchsetzung des Kursobligatoriums für die Gemeinden ist derzeit ein offenes Rätsel, sofern es überhaupt ein Thema ist. Der Badener Stadtrat Reto Schmid ist jedenfalls sehr überrascht von der Frage, wie denn die Stadt Baden das Kursobligatorium handhaben wird: «Wir haben uns damit noch überhaupt nicht befasst. Bis jetzt liegen auch keinerlei Anweisungen seitens des Kantons vor.» Doch ab Mittwoch müsste jeder Halter eines neuen Hundes seinen Kursbesuch ausweisen können.

10 000 säumige Hundehalter

Schweizweit waren es noch vor einem halben Jahr rund 40000 Hundehalter, die innerhalb der Übergangsfrist den Kurs absolvieren mussten. Laut Marcel Falk, Mediensprecher beim Bundesamt für Veterinärwesen, dürften rund 30000 von ihnen bis Ende August den Sachkundenachweis haben. Dass es nur noch rund 10000 säumige Neuhundehalter oder Halter eines neuen Hundes hat, stufen Fachleute als sehr optimistisch ein.

Hinzu kommt, dass die Kontrolle äusserst schwierig wird. Die Angaben über Kursbestätigungen hat einzig das Bundesamt, Absolventen des SKN sind aber nicht amtlich registriert. Der Kanton hat keinerlei Angaben darüber. Einzig die Gemeinden haben Informationen über die eingelösten Hunde in ihrer Gemeinde. Somit besteht nur dort die Möglichkeit, die Absolvierung des Sachkundenachweises zu kontrollieren.

Ob die Gemeinden das tun werden, steht auf einem andern Blatt, zumal es vom Kanton keine Anweisungen gibt. «Wir werden sicher die Leute darauf ansprechen, wenn sie im Frühjahr 2011 die neue Hundemarke einlösen», sagt Anton Meier, Gemeindeschreiber von Obersiggenthal. Er, wie zweifellos auch die meisten seiner Kollegen, betrachtet es jedoch als unverhältnismässig, wenn nun auf gewissen Hundespazierwegen Kontrollen durchgeführt würden.

Es droht eine Busse

Trotzdem: Wer der Ausbildungspflicht nicht nachkommt, muss mit einer Busse rechnen. Wird dies bekannt im Zusammenhang mit einem Beissvorfall oder einer Tierschutzkontrolle bei schlechter Hundehaltung, so wird es sich um eine saftige Busse handeln.

«Die Vorschrift soll hauptsächlich in Selbstverantwortung wahrgenommen werden», erklärt Erika Wunderlin, aargauische Kantonstierärztin. Eine Überwachung vom Gesetzgeber sei nicht vorgesehen, so Wunderlin. Erhalten die Gemeinden Kenntnis von säumigen Hundehaltern, dann sollen diese aufgefordert werden, innert einer bestimmten Frist den Kurs nachzuholen. Wunderlin stellt sich vor, dass die langfristigen Ziele von verbessertem Tierschutz erst in 10 bis 20 Jahren sichtbar werden.

Bis dann könnte über die zentrale Datenbank Anis ein Kontrollinstrument implementiert werden, mit dem für die ganze Schweiz der Kursnachweis geprüft werden könnte.

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