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Hund und Halter an kürzerer Leine

Bei Fuss: Seit September 2008 wird jeder neu erworbene Hund zusammen mit seinem Halter in einen Kurs geschickt. az

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Bei Fuss: Seit September 2008 wird jeder neu erworbene Hund zusammen mit seinem Halter in einen Kurs geschickt. az

Seit zwei Jahren sind «gefährliche Hunderassen» im Kanton bewilligungspflichtig. Und seit einem Jahr müssen alle Schweizer, die sich einen Hund anschaffen möchten, in einen Kurs. Die ersten Erfahrungen sind positiv, noch hat man aber nicht alle Hunde und Halter im Griff.

Stefan Frech

Michèle Graf hat sich im Februar einen jungen Labrador Retriever gekauft. Eigentlich hätte die Gerlafingerin bereits zuvor einen Theorie-Kurs besuchen müssen, um zu erfahren, auf was sie beim Kauf eines Hundes achten sollte. «Doch damals gab es in der Region Solothurn noch keinen Anbieter solcher Kurse.» Zwar müssen seit dem 1. September 2008 alle Schweizer, die einen Hund halten wollen (egal welcher Rasse), in einen Ausbildungskurs.

Da aber die Anbieter zuerst selber noch ausgebildet werden mussten und eine Übergangsfrist bis 2010 besteht, konnten die meisten Kurse erst diesen Frühling starten - das hat unter Hundehaltern für Verwirrung gesorgt.

Wie viele Solothurnerinnen und Solothurner bis jetzt einen obligatorischen Hundekurs besucht haben, lässt sich laut dem Sprecher des Bundesamts für Veterinärwesen, Marcel Falk, nicht sagen. Mittlerweile gibt es in der Region Solothurn 11 ausgebildete Hundetrainer. Eine von ihnen ist die Bellacherin Janine Böhi.

«Bis jetzt habe ich zwei Kurse mit je rund 20 Teilnehmern durchgeführt», berichtet sie. «Sie machen mit und hören zu.» Umgekehrt wird Böhi auch gelobt: «Ich habe bis jetzt nur positive Rückmeldungen erhalten.»

Zum Schutz von Tier und Mensch

Auch Kantonstierärztin Doris König-Bürgi findet die vom Bund verordneten Kurse eine «ganz positive Sache»: «Die Hunde kommen zusammen mit ihrem Halter früh in Kontakt mit anderen Hunden, und die Halter lernen, mit ihrem Tier umzugehen.» Das fördere eine tiergerechte Haltung und verbessere sowohl den Umgang der Hunde mit fremden Hunden, als auch den Schutz der Menschen vor Hundebissen. Ob und wie der Kanton Solothurn nach der Übergangsphase 2010 kontrollieren will, ob ein Halter den Kurs auch wirklich besucht hat, ist laut König noch offen.

Die Kurse kosten zwischen 200 und 300 Franken. Im Theorie-Teil erhält der kaufwillige Hundehalter Einblick in die verschiedenen Hunderassen und deren Eigenschaften. Er erfährt, wie ein Welpe aufgezogen werden muss, was ein Hund frisst oder wann er geimpft werden muss. Dann folgt das vierstündige Training mit dem Hund: Auf einem Übungsplatz und beim Gang durch bewohntes Gebiet wird gelernt, was zu tun ist, wenn der Hund fremden Menschen oder Tieren begegnet und auf welche Kommandos er reagiert.

«Kampfhunde» noch kein Thema

«Ich habe am Kurs einiges hinzugelernt, obwohl ich mit meinem Hund bereits zuvor einen Welpen- und einen Junghundekurs besucht habe», sagt Michèle Graf. «Mich hat allerdings gestört, dass man gar nichts über die sogenannten Kampfhunde erfahren hat.» Immerhin seien diese Kurse ja auch wegen ihnen und ihren Haltern eingeführt worden. Hundetrainerin Janine Böhi hat eine Erklärung: In der bis 2010 geltenden Übergangsphase haben die meisten Kursteilnehmer bereits einen Hund, bevor sie den Theorie-Teil besuchen.

«Deshalb gehen wir zurzeit vor allem auf die Rassen ein, die am Kurs teilnehmen.» Ab 2010 werden dann alle Rassen und ihre Eigenschaften thematisiert, also auch die «Kampfhunde». Im Kanton sind acht «potenziell gefährliche Rassen» bewilligungspflichtig.

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