Medien
Hört Christoph Blocher bald bei den Verlegern mit?

Basler Bürger wollen Markus Somm, den Chef der «Basler Zeitung», im Präsidium des Verlegerverbands verhindern. Somms Gegner befürchten einen Verlust der Glaubwürdigkeit der Medien.

Daniel Fuchs
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Hofft auf Einfluss im Verlegerverband: Markus Somm.Christian Beutler/Keystone

Hofft auf Einfluss im Verlegerverband: Markus Somm.Christian Beutler/Keystone

Im Verband Schweizer Medien bündeln die privaten Medienunternehmen ihre Interessen. An seiner Spitze fungiert ein Präsidium von derzeit neun Männern, welche die Geschicke ihrer Verlage lenken und damit massgeblich den Meinungsbildungsprozess in der Schweiz ermöglichen und prägen. Der Zürcher Medienunternehmer Filippo Leutenegger gibt den Posten im Gremium wegen seiner Wahl in den Zürcher Stadtrat ab.

Leuteneggers Sitz soll nun der Chefredaktor und Verleger der «Basler Zeitung», Markus Somm, erben. Der Vorschlag stammt vom Präsidenten des Gremiums höchstpersönlich, Hanspeter Lebrument.

Somms Nomination sei von den restlichen Präsidiumsmitgliedern einstimmig gutgeheissen worden, hiess es im Communiqué von Ende August. Die Wahl obliegt nun den Verbandsmitgliedern, die sich morgen in Interlaken zu ihrer Jahresversammlung treffen.

Somm nur ein «Scheinverleger»?

Besonders erstaunt über diesen Vorschlag sind die Gegner von Somm und dem von ihm geprägten SVP-Kurs in Basel. Mit einem offenen Brief an die Spitze des Verlegerverbands will die Bürgerbewegung «Rettet Basel» um den Schriftsteller Guy Krneta die Verleger in letzter Minute wachrütteln und Somms Wahl verhindern. Denn damit würde der Verband Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit aufs Spiel setzen, so die Basler.

Gegenüber der «Nordwestschweiz» präzisiert Krneta, warum eine Wahl des BaZ-Chefs aus seiner Sicht so schlimm wäre. Er verweist auf das Leitbild des Verbands. «Er setzt sich für die Freiheit und Unabhängigkeit der Medien gegenüber Politik und Wirtschaft ein», steht darin.

Und: «Der Verband erwartet von seinen Mitgliedern Fairness in Publizistik und Wettbewerb als Maxime ihres freien unternehmerischen Handelns und als Ausdruck ihrer Verantwortung.»

Gegen beide dieser Grundsätze verstosse die heutige BaZ, so Krneta. «Die BaZ ist von Blocher gekauft, der mit Somm seinen Statthalter installiert hat. Sie ist kein Medienunternehmen, sondern ein politisches Instrument.»

Zudem verhöhne sie die demokratischen Institutionen. Überhaupt sei Somm gar kein richtiger Verleger, wenn schon ein «Scheinverleger», sagt Krneta und spielt damit mit dem SVP-Vokabular.

Somm selber machen solche Angriffe wenig Eindruck. Attacken von «Rettet Basel» mag er nicht kommentieren, wie er der «Nordwestschweiz» sagt.

Der stramme SVP-Kurs, den die «Basler Zeitung» seit der Übernahme durch Christoph Blocher fährt, hat unter Verlegern nicht nur Freunde. Warum also haben die Verlagschefs dieser Personalie ohne Widerspruch zugestimmt?

Traditionell ein Basler Sitz

Offenbar liessen sie sich vom ungeschriebenen Gesetz leiten, dass alle grossen Verlage, also auch die BaZ, im Führungsgremium vertreten sind. Nun scheint aber der Protestbrief seine Wirkung zu entfachen.

Rüttelt er die Verleger noch wach? Gemäss Peter Wanner, der dem Gremium angehört, wird die Personalie an der heute letzten Sitzung vor der Mitgliederversammlung noch einmal traktandiert. «Ich habe einen entsprechenden Antrag gestellt», sagt er. Zu Wanners AZ Medien Gruppe gehört auch die «Nordwestschweiz» (u.a. «bz Basel» und «bz Basellandschaftliche Zeitung»).

Wie Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument der «Nordwestschweiz» schreibt, will er selber an Somms Nomination als Nachfolger von Leutenegger festhalten.

Hinter den Kulissen hat die Suche nach einem Gegenkandidaten aber begonnen. Um den Mann von Blochers Gnaden doch noch an der Verbandsspitze zu verhindern.

Der offene Brief im Wortlaut an den Verband Schweizer Medien

ho