Inselspital
Hormonfreie Alternative: Künstliche Befruchtung auf natürliche Art

Schweizweit kommen jährlich rund 2000 Kinder dank unterstützter Fortpflanzung zur Welt. Die sogenannte In-Vitro-Fertilisation kann für die Frau körperlich sehr belastend sein. Nun gibt es eine hormonfreie Alternative.

Anna Storz
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Jährlich kommen in der Schweiz rund 2000 Kinder dank unterstützter Fortpflanzung zur Welt
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Die neugeborene Louise Brown schreit am 25. Juli 1978 in Manchester. Louise war das weltweit erste Kind, das aus einer ausserhalb des Mutterleibs befruchteten Eizelle entstand.
Louise Brown an ihrem 25. Geburtstag.
Eine befruchtete Eizelle wird aus einer Petrischale in eine Pailette eingezogen.

Jährlich kommen in der Schweiz rund 2000 Kinder dank unterstützter Fortpflanzung zur Welt

Keystone

Weltweit gibt es nur wenige Zentren, die auf die «natürliche» künstliche Befruchtung spezialisiert sind. Die Methode, In-vitro-Fertilisation-Naturelle (IVF-Naturelle) genannt, wird in der Schweiz schwerpunktmässig einzig in Bern angeboten. Die Kliniken müssen diese Technik gezielt perfektionieren. In der Schweiz hat dies nur die Frauenklinik des Universitätsspitals Bern gemacht. Jährlich werden in Bern etwa 700 Eizellenentnahmen durchgeführt, hiervon rund 500 als IVF-Naturelle.

Speziell bei dieser Behandlung ist, dass die Patientin keine starken Hormone nehmen muss, im Gegensatz zur klassischen IVF-Behandlung . Schweizweit werden pro Jahr 2000 Kinder dank unterstützter Fortpflanzung geboren. Renate Huber* hat sich für diesen Weg entschieden. Sie ist zurzeit bereits zum zweiten Mal schwanger. Das erste Kind, einen Knaben, bekam sie mit der klassischen IVF-Methode, das zweite nun mit der hormonlosen IVF-Naturelle-Variante.

Niederschmetternder Befund

«Mein Mann und ich haben uns gar nie Gedanken darüber gemacht, was wohl wäre, wenn wir kein Kind bekommen könnten», erzählt Renate Huber. Der Befund, dass die Spermien ihres Mannes wegen einer früheren Chemotherapie zu fest geschädigt sind, um eine Eizelle zu befruchten, war für das Paar niederschmetternd: «Wir waren ziemlich schockiert. Für uns war es immer selbstverständlich, auf natürliche Art und Weise ein Kind zu bekommen.» Die Ärzte haben ihnen die IVF-Methode empfohlen. «Wir haben uns lange und gründlich darüber informiert. Das war 2008. Eigentlich hatten wir gar keine andere Wahl.»

Bei der IVF-Behandlung musste sich Huber über Wochen hinweg Hormone spritzen. Darauf entwickeln sich mehr Follikel, in denen sich die Eizellen einnisten können. So können möglichst viele bei der Punktion entnommen werden. «Zuerst hat es bei mir nicht funktioniert. Dann wurde die Dosis erhöht, und die Hormontherapie hat angeschlagen.» Jedoch mit erheblichen Nebenwirkungen: «Ich bekam einen dicken Bauch, da sich viele Follikel bildeten. Insgesamt war diese Zeit sehr belastend», erinnert sich Huber. Nach einigen Wochen erfolgte die Punktion, die Eizellen wurden noch am selben Tag mit den Spermien von Herrn Huber befruchtet. «Nach zwei bis drei Tagen wurden mir die befruchteten Eizellen dann eingesetzt. Wir hatten enormes Glück, dass ich bereits beim ersten Versuch schwanger wurde.»

Doch auch nach dem Einsetzen der befruchteten Eizellen hatte Huber mit Nebenwirkungen zu kämpfen: «Ich hatte Wasseransammlungen im Bauch und litt unter extremer Übelkeit. Dies war ziemlich beängstigend.» Alles ging jedoch gut, ihr Sohn kam pünktlich neun Monate später zur Welt: «Ein wahnsinnig schönes Gefühl», schwärmt Huber. Im Sommer vor einem Jahr haben sich Renate Huber und ihr Mann entschieden, nochmals ein Kind zu bekommen.

Fünf Vesuche nötig

Nachdem zwei Versuche mit eingefrorenen, befruchteten Eizellen, die sie noch vom letzten Mal hatten, gescheitert waren, entschieden sie sich für die hormonlose IVF-Naturelle-Methode. «Während eines Behandlungszyklus waren vor der Follikelpunktion nur ein oder zwei Arztbesuche nötig. Anhand der Blutwerte wurde ermittelt, wann der Eisprung ist.» Dies ist wichtig, da die Follikel genau am Tag des Eisprungs entnommen werden müssen. Bei dieser Behandlung hatte das Paar weniger Glück: Erst nach dem fünften Versuch war der Schwangerschaftstest positiv.

«Man muss sich bewusst sein, dass IVF-Naturelle weniger steuerbar ist. Es kann insgesamt länger dauern», sagt Huber. Dennoch würde sie die hormonlose Methode vorziehen, da sie unter gar keinen Nebenwirkungen litt. Im Gegenteil: Ende Oktober soll ihr zweites Kind, erneut ein Junge, zur Welt kommen. «Wir freuen uns riesig», strahlt Huber. Eventuell werde es sogar noch ein drittes Kind geben. Dies dann wiederum mit IVF- Naturelle.

*Name von der Redaktion geändert