Fanszene
Hooligan-Konkordat: Nun wird auch im Kanton Bern das Referendum ergriffen

Ein breit abgestütztes Komitee von Züriwest-Sänger Kuno Lauener bis hin zu SVP-Grossrat Thomas Fuchs hat entschieden, sich gegen den Grossratsbeschluss einzusetzen. Auch aus Zürich, Luzern und Basel weht eisiger Gegenwind.

Dean Fuss
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Solche Szenen sollen der Vergangenheit angehören

Solche Szenen sollen der Vergangenheit angehören

In Zürich ist das Referendum bereits zustande gekommen, gegen den Beitritt des Kantons Luzern wurde beim Bundesgericht Beschwerde erhoben und im Grossen Rat Basel wird es wohl schwer durchzubringen sein. Nun droht auch im Kanton Bern das Referendum. Ausgerechnet in den Kantonen mit den grössten Fussball- oder Eishockeyklubs also. Ist das Hooligan-Konkordat damit bereits am Boden?

Nein, sagt Roger Schneeberger, Generalsekretär der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD), auf Anfrage der «Nordwestschweiz». «Ich bin insgesamt sehr zuversichtlich, dass die Revision des Hooligan-Konkordat von den Kantonen übernommen wird.» Beim Konkordat in der bisherigen Form sei es seinerzeit in den Kantonen Luzern und Basel bereits zu Volksabstimmungen gekommen, die sehr klare Zustimmungen ergaben.

Ungewöhnlich prominente Allianz

Die Grossrätinnen Vania Kohli (BDP) und Margreth Schär (SP) präsidieren das Komitee für das Referendum gegen das Hooligan-Konkordat im Kanton Bern. Für die gemeinsame Sache bilden Politikerinnen und Politiker des gesamten Spektrums eine Allianz: Die Mitgliederliste reicht vom PdA-Stadtrat Rolf Zbinden bis zu SVP-Grossrat Thomas Fuchs.

«Unsere Allianz ist so breit abgestützt, weil es diverse Gründe gibt, um gegen das Hooligan-Konkordat zu sein», sagt der ehemalige SRF-Moderator und heutige SP-Nationalrat Matthias Aebischer gegenüber der «Nordwestschweiz».

Mit dem Schriftsteller Pedro Lenz und dem Musiker Kuno Lauener haben sich auch zwei Prominente Berner Kulturschaffende dem Komitee angeschlossen.

Die geplanten Neuerungen seien weder zielführend noch verhältnismässig, erklärte das Komitee «Nein zur Konkordats-Verschärfung». Mit den vorgesehenen Massnahmen würden nicht die effektiven Störer, sondern vielmehr die breite, friedliche Masse bestraft.

KKJPD: Bewilligungspflicht macht Sinn

Kernstück des verschärften Konkordats ist eine Bewilligungspflicht für Fussball- und Eishockeyspiele der höchsten Spielklasse. Für die Bewilligung sind die Gemeinden zuständig. Sie haben auch die Möglichkeit, die Bewilligung mit Auflagen zu versehen. Zusätzlich können Fans durch Massnahmen wie ein Kombi-Ticket für Anreise und Spiel in ihrer individuellen Planung eingeschränkt werden.

KKJPD-Generalsekretär Schneeberger ist von der Bewilligungspflicht überzeugt: «Ich kann nicht einsehen, weshalb es ausgerechnet bei den Veranstaltungen mit den meisten Sicherheitsproblemen keine Bewilligungspflicht gibt.» Schliesslich brauche auch jeder Konzertveranstalter eine Bewilligung.

Massnahmen werden differenziert angeordnet

Schneeberger betont aber, dass nicht alle Massnahmen für alle Spiele gelten würden: «Einschneidende Massnahmen wie das Kombiticket oder Alkoholverbote sind nur für Hochrisikospiele vorgesehen.»

SP-Nationalrat Aebischer gibt sich damit aber nicht zufrieden: «Mit mehr Repression kann nichts erreicht werden», sagt der Berner. Nun seien aber auch der Fussballverband und die Klubs gefordert, ihre Hausaufgaben zu machen. «Sie haben in dieser Thematik lange nur zugeschaut.»

Das Beispiel des Rassismus in den Schweizer Stadien habe gezeigt, dass die Selbstregulierung in der Szene funktioniere. «Wurden dunkelhäutige Fussballer vor 20 Jahren in den Schweizer Stadien noch rassistisch beschimpft oder mit Bananen beworfen, ist das heute nicht mehr möglich. Die Zuschauer würden einen Übeltäter gleich selber überführen», so Aebischer.

10'000 Stimmen bis zum 17. Juli

Die dreimonatige Referendumsfrist zum Sammeln der benötigten 10'000 Stimmen beginnt am kommenden Mittwoch, 17. April. Am Samstag, 20. April, soll ein erster kantonaler Sammeltag in diversen Berner Gemeinden durchgeführt werden, wie die Nachrichtenagentur SDA berichtet.

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