Gewalt im Sport

Hooligan-Datenbank ist zum Bersten voll

CVP kämpft gegen Hooligans

CVP kämpft gegen Hooligans

Die CVP fordert ein hartes Vorgehen gegen randalierende Fussballfans. Sie sieht die Liga in der Verantwortung und fordert Massnahmen.

Die Gewalt an Schweizer Sportveranstaltungen erreicht eine neue Dimension. Recherchen der az zeigen, dass die Zahl der in der Hooligan-Datenbank registrierten Taten in den letzten 15 Monaten geradezu explodiert ist.

Landfriedensbruch im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen: plus 95 Prozent. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte: plus 86 Prozent. Die Verstösse gegen das Sprengstoffgesetz stiegen gar um 244 Prozent. Darunter fallen vor allem Vorfälle mit sogenannten Pyros, bengalischen Feuern, die über 1600 Grad heiss werden. Auch die Zahl der in der Datenbank registrierten Gewalttäter ist in den letzten 15 Monaten um 41 Prozent hochgeschnellt, von 836 Personen auf 1180 Personen.

Die Heftigkeit der Gewalt am Rande von Sportveranstaltungen nimmt zu. Dies bestätigt auch ein interner Bericht der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren und -direktoren (KKJPD). Marco Cortesi, Sprecher der Schweizerischen Zentralstelle Hooliganismus, spricht ebenfalls von einer «markanten Zunahme der Gewalt im Sport». Dies führe dazu, dass die Polizei entschlossener gegen Fussball-Chaoten vorgeht – und sich die Datenbank so weiter füllt.

Das Aus für den runden Tisch

Diese Zahlen sind kein gutes Zeugnis für den runden Tisch gegen Gewalt im Sport, der im Januar 2007 von Bundesrat Samuel Schmid begründet wurde, um sämtliche Akteure zusammenzubringen. «Die Situation hat sich trotz rundem Tisch verschärft», sagt Reto Nause, Sicherheitsdirektor der Stadt Bern. Das Gremium trifft sich am Donnerstag. Es wird das letzte Mal sein, wie drei Quellen gegenüber der az bestätigen. Für das Scheitern der Diskussionsplattformen machen Kantone und Städte die Liga und den Verband verantwortlich. Der Kommandant einer Kantonspolizei spricht von «Blockade und Verzettelungstaktik». Reto Nause sagt es so: «Es gibt Player an diesem Tisch, die zwar mitdiskutieren, aber am Schluss sämtliche Vorschläge abschiessen.»

Hoogan: Bezeichnungen der Tatbestände

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Bei der Swiss Football League hofft man immer noch, dass der runde Tisch weitergeführt wird, wie Sprecher Roger Müller gegenüber der az sagt. Die Frustration bei der öffentlichen Hand führt er vor allem auf zu hohe Erwartungen zurück: «Forderungen aufstellen ist das eine, aber Massnahmen umzusetzen, die wirklich etwas bringen, ist viel schwerer.» Die Geduld der Kantone ist aber definitiv am Ende. Gemäss KKJPD-Generalsekretär Roger Schneeberger sind sich die Vertreter der öffentlichen Hand einig, dass Konsens nicht immer zum Ziel führe. «Die Kantone müssen jetzt die Führung übernehmen», sagt Schneeberger.

Den Giftscharnk öffnen

Oder wie es ein anderes Mitglied des runden Tischs sagt: «Wir müssen gegenüber der Liga den Giftschrank öffnen.» Konkret will das Konkordat Massnahmen auf Gesetzesebene treffen – notfalls auch ohne Zustimmung der Liga und der Vereine. «Das dauert zwar lange, weil jeder Kanton die Gesetzesänderungen ratifizieren muss, dafür ist der Prozess demokratisch legitimiert», sagt Schneeberger. Unter anderem will die KKJPD die Auflagen für eine Meldepflicht senken und ein nationales Rayon-Verbot einführen. Die gute Nachricht: Auch die Liga ist damit einverstanden. Die schlechte: Bis die Massnahmen eingeführt werden, vergehen Jahre.

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