Adoption
Homosexuelle Paare wollen Kinder adoptieren

Schwule und lesbische Paare sind in der Schweiz nicht mit anderen Eltern gleichgestellt. Sie dürfen weder heiraten noch Kinder adoptieren. Die Regenbogenfamilien wollen gesellschaftlich anerkannt werden und kämpfen für die rechtliche Gleichstellung.

Lea Durrer
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Homosexuelle Pärchen mit Kindern

Homosexuelle Pärchen mit Kindern

AZ

Familien, in denen mindestens ein Elternteil lesbisch, schwul, bisexuell oder transgender, werden als Regenbogenfamilien bezeichnet. Die Kinder können aus früheren heterosexuellen Beziehungen stammen, in homogene Beziehungen eingeboren werden, durch spezielle Umstände adoptiert oder als Pflegekinder aufgenommen werden.

Die Anzahl Kinder, die in diesen Familien aufwachsen, liegt in der Schweiz schätzungsweise zwischen 6'000 und 30'000. Genauere Zahlen sind nicht bekannt. Die Forschung in diesem Bereich ist erst angelaufen.

Homosexuelle Paare sind benachteiligt

Die Mutter-Vater-Beziehung stellt die klassische Form dar. Gleichgeschlechtliche Paare gelten hingegen als anormal und sind rechtlich gesehen stark benachteiligt. Sie dürfen weder heiraten noch Kinder adoptieren.

Seit September 2010 existiert der Dachverband Regenbogenfamilien und zählt bereits 120 aktive Mitglieder. Maria von Känel, Vizepräsidentin des Dachverbands, kämpft für die gesellschaftliche Anerkennung alternativer Familienformen, für das Ende der diskriminierenden Verhältnisse und die Gleichstellung im Adoptionsrecht.

Kinder sind benachteiligt

Sie selbst zieht mit ihrer Freundin zwei Kinder gross. Jeder Partner hat ein Kind auf die Welt gebracht. Für von Känel und viele andere Regenbogenfamilien ist es rechtlich jedoch nicht möglich, Stiefkinder zu adoptieren.

Ausserdem seien die Kinder benachteiligt, denn bei einer Trennung der Paare sei nicht geregelt, wie Unterhaltspflicht, Sorgerecht und Besucherzeiten aussehen.

Zwei Ausnahmen bei Adoption

Das Adoptionsrecht hinkt hinterher, Adoptionen sind grundsätzlich verboten. Den Kinderwunsch können sich gleichgeschlechtliche Paare nur im Ausland erfüllen. Doch auch da nur unter speziellen Voraussetzungen. «Nach internationalem Privatrecht ist es möglich, dass Adoptionen von gleichgeschlechtlichen Paaren auch in der Schweiz anerkannt werden», erklärt Katja Nusser vom Departement Volkswirtschaft und Inneres des Kantons Aargau.

Eine Adoption sei nur in zwei Fällen möglich: Entweder müsse ein Elternteil die Staatsangehörigkeit des Landes besitzen, aus dem das Kind adoptiert wird, oder das Paar müsse im Land selbst wohnen. Es gebe jedoch keine Regelung wie lange. Die zuständige Aufsichtbehörde des Heimatkantons würde überprüfen, weswegen das Paar im Ausland lebt, sagt Nusser. «Es braucht einen rechtmässigen Wohnsitz und nicht bloss eine Wohnsitzverlegung zum Zweck der Adoption».

Pflegekinder für Regenbogenfamilien

Einfacher ist es, ein Pflegekind aufzunehmen. Regenbogenfamilien sind auch bei Schweizer Vermittlungsstellen von Pflegekindern willkommen. Die Pflegekinder-Aktion-Schweiz setzt sich als Fachstelle dafür ein, die Lebenssituation der 14'500 Pflegekinder schweizweit zu verbessern.

Da Pflegekinder oftmals aus schwierigen Verhältnissen stammen würden, brauche es ein möglichst grosses Spektrum an Pflegebeziehungen, sagt Philipp Oechsli, Geschäftsleiter der Pflegekinder-Aktion-Schweiz. «Es ist deshalb nicht sinnvoll, bestimmte Gruppen auszuschliessen.»

Mit Petition und Motion Recht ändern

Laut einer Studie des Forschungsinstituts Isopublic vom letzten Jahr sympathisieren immer mehr mit homosexuellen Paaren. 53 Prozent der Befragten stimmten dafür, dass eine Adoption auch für schwule oder lesbische Paare ermöglicht werden sollte. Zudem unterstützen fast zwei Drittel die Stiefkind-Adoption, bei der Homosexuelle das leibliche Kind ihres Partners anerkennen.

Die Diskussion ist auch in der Politik lanciert: Letztes Jahr wurde dem Parlament eine Petition übergeben, welche die Aufhebung des Adoptionsverbots für Personen in eingetragenen Partnerschaften fordert. Gleichzeitig reichte die Grüne Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber eine Petition ein, um das Adoptionsverbot aufzulösen. SP-Nationalrat Mario Fehr setzte sich mit seiner Motion für eine Stiefkinderregelung ein.

Der Bundesrat empfahl im Herbst beide Motionen zur Ablehnung. Das Parlament wird sich dem Thema jedoch erst noch annehmen.

Die Nationale Tagung Regenbogenfamilien 2011 findet am 9. April 2011 in Bern statt.