Arbeitszeit
Homeoffice-Initiative: Thierry Burkart will Flexibilisierung, aber keinen 17-Stunden-Tag

FDP-Nationalrat Thierry Burkart darf sich freuen: Seine parlamentarische Initiative, um die Arbeitszeit zu flexibilisieren und dem Bedürfnis nach Homeoffice anzupassen, hat in Bern die nächste Hürde genommen. Der Arbeitszeitrahmen soll von 14 auf 17 Stunden erhöht werden.

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Thierry Burkart kommt mit seiner Homeoffice-Initiative in der WAK durch.

Thierry Burkart kommt mit seiner Homeoffice-Initiative in der WAK durch.

Alex Spichale

Das aktuelle Arbeitsgesetz ist ziemlich unflexibel, wenn es um die Regelung von Homeoffice geht. Die Arbeit muss an einem Tag innerhalb eines Zeitrahmens von 14 Stunden erbracht werden. Um das zu ändern, hat der Aargauer FDP-Nationalrat Thierry Burkart Ende 2016 eine parlamentarische Initiative lanciert.

Das aktuelle Arbeitsgesetz sei noch auf die Arbeit in Industriebetrieben ausgerichtet und trage den Bedürfnissen von Arbeitnehmern, die ihre Arbeit im Homeoffice verrichten, zu wenig Rechnung, begründete Burkart seinen Vorstoss. Der tägliche Arbeitszeitrahmen soll deshalb von 14 auf 17 Stunden ausgeweitet und Sonntagsarbeit künftig auch ohne behördliche Bewilligung möglich werden.

104 bürgerliche Bundesparlamentarier haben Burkarts Initiative unterschrieben. Nun nahm sie in der nationalrätlichen Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) die nächste Hürde. Eine klare Mitte-Rechts-Mehrheit hat die Initiative überwiesen. Die linken Kommissionsmitglieder wehrten sich dagegen.

Burkart: Nicht 17 Stunden durcharbeiten

Die Gesetzesänderung gelte gemäss Burkart nur für Leute, die sich ihre Arbeitszeit gemäss Arbeitsvertrag frei einteilen können. Die Befürchtung, jemand könne aufgrund des neuen Gesetzes zu Sonntagsarbeit gezwungen werden, sei also unbegründet, sagte Burkart schon bei Einreichung seines Vorstosses. Gewerkschaften und linke Politiker dagegen befürchten, dass die Angestellten so noch weniger zur Ruhe kommen und die Deregulierung nur dem Arbeitgeber nützt. Der Gewerkschaftsbund spricht im «Tages-Anzeiger» von «Wildwest-Verhältnissen für Homeoffice-Arbeitnehmende». Er werde die "radikale Initiative" bekämpfen.

Die Work-Life-Balance sei ein heikler Punkt, sagte Hartmut Schulze von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in einem früheren Artikel gegenüber der AZ: «Unsere Studien zeigen, dass im Homeoffice eher zu viel als zu wenig gearbeitet wird.» Die im Nationalrat lancierte Gesetzesänderung hält er trotzdem für richtig. Das Gesetz werde damit den Realitäten angepasst.

Burkart betont gegenüber der AZ, dass er gerne bereit sei, die Initiative dahingehend zu konkretisieren, dass nicht 17 Stunden durchgearbeitet werden dürfe und dass es sich bei der Sonntagsarbeit nur um ein Recht der Arbeitnehmenden handle und nicht um eine Pflicht.

Anpassungen bei der Initiative könne man vornehmen, so Burkart, "dazu sei er gerne bereit. "Ich möchte das Ziel von Flexibilität für die Arbeitnehmer im Homeoffice erreichen nichts anderes." (roc)