Hochwasser
Höhere Dämme gegen drohende Wassermassen

«Die Hochwassersicherheit im Aarestau Döttingen-Klingnau ist unbefriedigend und genügt den Anforderungen nicht mehr», hält die Aarewerke AG in einer Pressemitteilung fest. Insbesondere die rechte Aareseite zwischen der Badi Döttingen bis rund 400 Meter nördlich der Strassenbrücke Döttingen-Kleindöttingen sei kritisch.

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Keine Hochwasser zu erwarten

Keine Hochwasser zu erwarten

Keystone

Liegenschaften überschwemmt

Seit Betriebsbeginn des Kraftwerks Klingnau im Jahr 1935 trat die Aare erstmals im Mai 1999 über die Ufer. 1999 und 2005 wurden im Bereich der Surbmündung und entlang dem Uferdammweg vorsorglich Sandsäcke verlegt. 2005 stan-den die Anlagen des Schwimmbads und der Parkplatz unter Wasser. Am 9. August 2007 trat die Aare erneut über die Ufer. Trotz umfangreichen, temporären Schutzmassnahmen - Sandsäcken, Kies- und Dammschüttungen - konnte nicht verhindert werden, dass die Liegenschaften auf der rechten Aareseite oberhalb der Aarebrücke Döttingen-Kleindöttingen überschwemmt wurden.

Die Aarewerke AG hat den Technischen Support der Nordostschweizerischen Kraftwerke AG (NOK) beauftragt, ein Projekt für die Erhöhung der Hochwasserschutzdämme auszuarbeiten. Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit den kantonalen Fachstellen und den betroffenen Gemeinden erarbeitet und lag im Mai und Juni 2008 öffentlich auf.

Rücksicht auf die Anstösser

«Gewässer und Ufer müssen so gestaltet werden, dass sie unter anderem einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt als Lebensraum dienen können und eine standortgerechte Ufervegetation gedeihen kann», führt die Aarewerke AG aus. Bei wasserbaulichen Massnahmen sei auf die Interessen der Anstösser Rücksicht zu nehmen. «In der vorliegenden Situation ist unbestritten, dass zum Schutz vor Hochwasser im Siedlungsgebiet im Wesentlichen nur technische Lösungen infrage kommen.» Der Bund verlange für Kraftwerke in einer vergleichbaren Situation in der Regel ein Freibord von 1 Meter. «Die geplanten Massnahmen sollen auch die - aus heutiger Sicht - begangenen Baufehler aus den 1930er-Jahren korrigieren (Dammkrone auf dem ganzen Flussabschnitt auf der gleichen Höhenkote statt der Wasserspiegellage angepasst)», schreibt die Aarewerke AG.

Am 8. April 2009 erteilte der Regierungsrat die Projektbewilligung für die Erhöhung der Schutzdäm-me im Staugebiet des Kraftwerks Klingnau in den Gemeinden Döttingen, Böttstein und Klingnau unter verschiedenen Auflagen und Bedingungen.

Betonmauer beim Schwimmbad

Das bewilligte Projekt sieht auf der rechten Aareseite auf der ganzen Länge des Schwimmbads Döttingen eine Betonmauer vor, die 2 Meter über die Strasse ragt. Im Bereich der Liegewiese wird sie auf einer Länge von 100 Metern um 1 Meter tiefer gehalten und bei Hochwasser mit temporären Hochwasserschutzelementen erhöht. Auch der Eingang zum Schwimmbad wird mit einer temporären Barriere geschützt. Die Liegewiese wird im hinteren Bereich 1 Meter angehoben.

Der Hochwasserschutz entlang der Surb wird im Mündungsbereich, das heisst zwischen der Aare und dem Durchlass unter der Aaretalstrasse, erhöht - mit einer Betonmauer auf der einen Seite sowie einem Damm auf der anderen Seite. Eine Bruchsteinmauer ist parallel zur Badstrasse vorgesehen, von der Surbbrücke aus 80 Meter flussaufwärts. Zwischen der Surbbrücke und dem Mülibach wird ebenfalls eine Bruchsteinmauer mit einer Höhe von rund 80 Zentimetern parallel zur Badstrasse gebaut. Damit das Hochwasser nicht im Mülibach zurückstaut, wird im Mündungsbereich eine Dammbalkenanlage erstellt.

Von der Dammbalkenanlage beim Mülibach aus wird auf einer Länge von 120 Metern eine Betonmauer realisiert. Anschliessend an die Betonmauer wird der Hochwasserschutzdamm um rund 1,2 Meter erhöht. Die Erhöhung des Damms wird bis zur Aarebrücke weitergeführt. Unterhalb der Aarebrücke ist geplant, das heutige Geländer auf einer Länge von rund 130 Metern durch eine Betonmauer zu ersetzen.

Auf der linken Aareseite wird der Damm ab dem Anfang der geplanten Hochwasserschutzmassnahmen bis zu den Bootshäusern auf einer Länge von etwa 1200 Metern um rund 0,3 bis 1,3 Meter auf das erforderliche Niveau angehoben. Zwischen den Bootshäusern und der Aarebrücke wird der Damm um rund 1,5 Meter erhöht. Auch unterhalb der Aarebrücke wird der Damm um rund 1 Meter angehoben.

Baubeginn diesen Herbst

Für die Ausführungsplanung und die Realisierung ist eine Begleitkommission unter Leitung des Departements Bau, Verkehr und Umwelt zu bilden. Die Kommission setzt sich aus Vertretern der Gesuchstellerin, der Standortgemeinden und des Kantons zusammen. Die Einsprechenden können zu denjenigen Abschnitten, die sie betreffen, ebenfalls je eine Vertretung bestimmen.

Die Bauarbeiten sollen diesen Herbst beginnen. Erfolgt sein muss die Realisierung spätestens Ende 2010. «Das Bauprogramm soll die öffentlichen Interessen und die Belange der Einsprechenden berücksichtigen (Brutzeit der Vögel, Wanderwege, Umplatzierung von Leitungen usw.)», hält die Aarewerke AG fest. Die Baumeisterarbeiten sind diese Woche öffentlich ausgeschrieben worden. Die gesamten Kosten werden auf rund 6 Millionen Franken geschätzt. (aw/As/az)