Hochwasserschutz
Hochwasserschutz muss vors Volk

Das Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekt Biberist/Gerlafingen muss vom Volk abgesegnet werden. Darüber, über den jetzigen Planungsstand und den Fahrplan informierte die Projektleitung am Montag den Gemeinderat Biberist.

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Hochwasser

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Solothurner Zeitung

Anne-Regula Keller

Als Ende Juni bekannt wurde, dass sich die Auflage des kantonalen Hochwasserschutzprojekts verzögere, war die Empörung, ja Angst in Biberist gross. «Das Schadenpotenzial bei einer höheren Flut als 2007 ist beeindruckend riesig», sagte Gemeindepräsident Martin Blaser damals. Jetzt war er abwesend. Der neue Vize Andreas Bühlmann leitete die Ratssitzung.

Beim Bromeggknoten bald nur mit 30 um die Kurve

Für eine sicherere Überquerung der Bleichenbergstrasse beim Bromeggknoten ist nun doch eine lokale Temporeduktion auf 30 Stundenkilometer möglich. «Das langjährige Ringen des Gemeinderats um mehr Sicherheit beim Bromeggknoten hat sich gelohnt», stellte Yvonne Lüthy (FdP) fest. Alle denkbaren Sicherungsmöglichkeiten waren bisher immer von höheren Stellen abgelehnt worden. Tempo 30 generell auf der Bleichenbergstrasse hatte der Souverän verworfen. Genau vor einem Jahr hatte der Gemeinderat einer Trottoirverlängerung auf der Kurvenaussenseite zugestimmt. Zudem sollte eine lokale Temporeduktion auf 30 Stundenkilometer im Knotenbereich nochmals geprüft werden. Das Trottoir wurde realisiert, und nun konnte Bauverwalter Ueli Sterchi gar die vom kantonalen Amt für öffentliche Sicherheit angekündigte Bewilligung der angestrebten Tempolimite vermelden und dem Rat deren Beschluss beantragen. Die Beschränkung wird auf der Bleichenbergstrasse mit Anfang- und Schlusstafeln signalisiert, und zwar ab Einmündung der Bromeggstrasse je rund 50 Meter Richtung Dorf und 100 Meter Richtung Bleichenberg. Sollte sie zu wenig eingehalten werden, könnten auf der Bleichenbergseite zudem sogenannte Berlinerkissen aufgepflästert werden. Der Rat stimmte mit zehn Stimmen (bei einer Enthaltung) zu. Eine Verlängerung Richtung Dorf, wie von der SP verlangt, hatte angesichts der Ablehnung von Tempo 30 im Quartier keine Chance. (ark)

In dieser platzte eine neue Bombe: Das komplexe Projekt wird zwar durch die Rodungsersatz-Problematik doch nicht lange ausgebremst, dafür durch eine kantonale Volksabstimmung, vorausichtlich am 7. März 2010. Beim Kanton rechnet man mit Baubeginn ab 1. Juni.

Gesamtlösung sprengt erstes Budget

Laut Gesamtprojektleiter Bernardo Albisetti hat sich das Projekt weiterentwickelt. Zuerst ging es nur um Sofortmassnahmen zwischen Kantonsgrenze und Wehr. Dafür bewilligte der Kantonsrat im Dezember 2008 brutto 1,8 Mio. Franken. Es zeigte sich dann je länger je deutlicher, dass die Gesamtproblematik eine Gesamtlösung braucht.

«Deren Bruttogesamtkosten werden zurzeit auf etwa 20 Mio. Franken geschätzt», so der Projektleiter. «Davon wird der Bund 35 bis 45 Prozent bezahlen, der Kanton 45 Prozent. Den Rest müssen die beiden Gemeinden gemäss der Reduktion ihres Gefahrenpotenzials teilen. Jedenfalls wird der Nettoanteil des Kantons 5 Mio. Franken überschreiten und muss darum vors Volk.» Weder Albisetti noch Martin Würsten, Chef des Amts für Umwelt, haben Angst, dass dieses Nein sagen könnte.

So betont Letzterer: «In allen Regionen kennt man Hochwasserprobleme und das Verständnis ist gross. Angesichts des Gefahrenpotenzials spielt normalerweise die Solidarität. Wir rechnen darum nicht mit einer Ablehnung.»

Bund bietet Hand zu Sonderlösungen

«Wir haben im Bundesamt für Umwelt (BafU) unseren Spielraum betreffend Rodungs-Ersatzaufforstung ausgelotet», erklärte Albisetti, warum das Projekt doch schneller als befürchtet vorankomme: «Das BafU anerkennt mehr waldfähige Flächen innerhalb des Projektperimeters. Die Flussausweitung führt zur Aufwertung des Wasserlebensraums und soll als ökologischer Ersatz angerechnet werden. So brauchen wir wohl keine externen Ersatzflächen mehr.»

Das verkürze die befürchtete Verzögerung um ein halbes Jahr. Ende Oktober sollen alle Dossiers bereit sein für das Mitwirkungsverfahren mit breiter Information der Bevölkerung. Das Anfang 2010 aufgelegte Projekt sollte keinen Anlass zu Einsprachen mehr geben.

Damm mit Zugängen zum Wasser

Martin Schönberg, Amt für Umwelt, erläuterte die Bepflanzung des Damms. Landseitig gibt es nur an dessen Fuss eine Reihe Hochstammlaubbäume, wasserseitig unten Kleinbäume, weiter oben Gebüschinseln. Auf die gewünschte Stufenanlage wird wegen der Wehrnähe verzichtet, aber es gibt andere Zugänge zum Wasser. Der Weg zur Bogenbrücke wird rollstuhlgängig, ebenso fast alle Zugänge zum Naherholungsgebiet.

Für Materiallieferungen und -abtransporte werden Bahnlösungen geprüft. Die Felsen des Altisberg sind stabil. Massnahmen dort sind unnötig. Der Dammunterhalt ist wohl Sache des Kantons - mit Kostenanteil der Gemeinde.

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