«Hochulis Argument ist Chabis»

Dass Susanne Hochulis Ja zu Tieranwalt unter den Politker zu Reden gibt, war zu erwarten. Vor allem die SVP und die CVP echauffieren sich. Allen voran Markus Zemp. Der im Freiamt geborene Nationalrat stösst sich insbesondere an den Bussen, die Hochuli für Tierquäler einforderte.

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«Brächte Dammbruch»

«Brächte Dammbruch»

Im Interview im «Sonntag» hat die Aargauer Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli, in deren Verantwortungsbereich der Tierschutz gehört, dargelegt, dass sie der Tierschutzanwalts-Initiative zustimmt. Dies nicht, weil es im Aargau nötig wäre, sondern weil etliche andere Kantone den Tierschutz weniger ernst nehmen als der Kanton Aargau.

Das ist natürlich willkommene Unterstützung für die Tierschutzorganisationen. Aber sollen kantonale Exekutivmitglieder überhaupt zu nationalen Abstimmungen Stellung nehmen? SVP-Fraktionschef Andreas Glarner hat Hochulis Positionsbezug nicht gestört. Er selbst hat auch Ja gestimmt, ärgert sich aber über die Art, wie der Zürcher Tierschutzanwalt diese Aufgabe wahrnimmt. Glarner schiebt aber nach, Susanne Hochuli müsste mit diversen Baustellen im Gesundheitsbereich eigentlich ganz andere Sorgen haben.

Gleich zweifach über das Interview geärgert hat sich indessen der Freiämter CVP-Nationalrat Markus Zemp. Zum einen findet er, dass sich Exekutiven bzw. Exekutivmitglieder in Abstimmungskämpfen zurückhalten sollten. Dies sei vorab Sache der Parteien und Verbände. Unverständlich findet Zemp so einen Positionsbezug erst recht dann, wenn sich die zuständige Regierungsrätin auch noch anders äussert als die eigene Kantonstierärztin gerade eben vor den Braunviehzüchtern.

«Tieranwalt würde Selbstläufer»

Am meisten geärgert hat Zemp aber Hochulis Argument, Bussen seien so hoch anzusetzen, dass ein Tierquäler wisse, was es kostet, eine Katze verhungern zu lassen. Für Zemp ist klar: «Wer eine Katze verhungern lässt, ist gestört.» Bei solch gestörten Leuten könnte dies auch eine hohe Busse und ein Tieranwalt nicht verhindern, ist er überzeugt. Deshalb sei dieses Argument von Hochuli «Chabis». Zemp: «Wir haben eins der strengsten Tierschutzgesetze. Wer gegen den Tieranwalt ist, ist deswegen nicht gegen den Tierschutz.» Doch wenn man diesen einführe, käme dies laut Zemp einem Dammbruch gleich. Nachher kämen gewiss Forderungen für Umweltanwälte, Kinderanwälte usw. Zemp fürchtet zudem, dass Tieranwälte zu die Bürokratie aufblähenden «Selbstläufern» würden. Er verweist auf einen Fischereifall, der vor einigen Tagen im Kanton Zürich auf Betreiben des Tieranwaltes verhandelt wurde. Hätte dieser Recht bekommen, müsste man sich fragen, «ob man noch Fische fangen darf». Zemps Fazit: «Wir brauchen Fachleute, nicht mehr Juristen.» (MKU)