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Hochuli: «Ich stimme ja zum Tieranwalt»

Regierungsrätin Susanne Hochuli mit Tierschutz im Aargau zufrieden – aber in vielen anderen Kantonen nicht. Am liebsten hätte die Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli ein Klagerecht für Tierschutzverbände. Vorderhand stimmt sie ja zur Tieranwaltsinitiative.

Frau Hochuli, die Gegner der Tieranwaltsinitiative rühmen unser neues Tierschutzgesetz als eines der strengsten überhaupt. Haben sie recht?
Susanne Hochuli: Die Schweiz hat tatsächlich eins der strengsten Tierschutzgesetze. Das Gesetz ist das eine, etwas anderes ist das Bewusstsein der Menschen gegenüber dem Tier. Vollen Nutzen bringt das Gesetz nur, wenn die Menschen dessen Zielsetzung mittragen und verinnerlicht haben, dass Tiere seit 2003 auch für den Gesetzgeber keine Sache mehr sind.

Manchenorts hat man eher gestaunt, als die Schweiz sogar festschrieb, wie Meersäuli zu halten sind. Was hat das Gesetz in den Köpfen ausgelöst?
Bei der Nutztierhaltung hat eine enorme Veränderung stattgefunden. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Als ich noch ein Kind war, waren die Kühe im Winter im Stall. Erst im Frühling liess man sie wieder raus, das war völlig in Ordnung. Man setzte sich damals einfach anders mit den Bedürfnissen der Tiere auseinander.


Heute aber schon?
Ja. Das ist auch das Ergebnis unserer strengen Tierschutzvorschriften. Diese haben ein Umdenken ausgelöst. Das ist ein Stück weit auch eine Generationenfrage. So lernen angehende Bäuerinnen und Bauern die neuen Regeln in der Ausbildung kennen.

Und die Haustierhalter?

Es ist noch nicht in allen Köpfen, warum man ein Meersäuli nicht allein halten soll und dass es mehr Platz und Bewegung braucht als in einem Kleintierkäfig. Wichtig ist, dass Eltern aufgeklärt werden, wenn sie ihrem Kind ein Tier kaufen möchten. Die meisten machen es zwar gut, ich will das klar festhalten. Einige müssen sich aber schon noch bewusst machen, was ein Tier braucht und dass sie ihm gegenüber in der Verantwortung stehen.

Die Umsetzung des Tierschutzes ist Sache der Kantone. Wie läuft es im Aargau?
Hier wird der Tierschutz sehr ernst genommen. Wir sind der Kanton mit den viertmeisten Anzeigen. Die Anwendung des Gesetzes hängt aber stark damit zusammen, welche Personen sich im Veterinäramt und in der Staatsanwaltschaft damit befassen. Bei uns funktioniert das Zusammenspiel zwischen Instanzen und Personen sehr gut. Sie erfüllen ihre Aufgabe mit Herzblut.
Es braucht also keinen Tieranwalt.
Eins vorweg: Wichtig ist, dass Bussen nicht willkürlich sind und dass sie so hoch angesetzt werden, dass ein Tierquäler weiss, was es kostet, eine Katze verhungern zu lassen. Im Kanton Aargau wäre ein Tieranwalt tatsächlich nicht so dringend, weil wir schon viel tun. Ich schaue aber auch über den Tellerrand hinaus.

Und was sehen Sie da?

Es gibt nicht viele Kantone, die das Gesetz so handhaben wie wir. Bern hat aber ein Modell analog zum Verbandsbeschwerderecht entwickelt, in dem Tierschutzorganisationen direkt Klage erheben können. Das gefällt mir besser als das Tieranwaltsmodell.

Das steht am 7. März aber nicht zur Abstimmung. Was tun Sie also?
Ich habe mein Couvert schon abgeschickt und - vor meinem bäuerlichen Hintergrund - Ja gestimmt. Wer mit Tieren richtig umgeht, braucht vor dem Tieranwalt keine Angst zu haben. Dessen Wirkung hängt natürlich auch sehr von seinem Engagement ab.

Was soll der Mensch im Umgang mit Tieren noch lernen?
Er soll respektieren, dass ein Tier keine Sache ist. Umgekehrt soll er es nicht vermenschlichen, gar als Ersatz für einen Menschen sehen. Wer von einem Pferd oder einem Hund menschliches Verhalten erwartet, überfordert es ständig und hält es nicht tiergerecht.

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