Flotten-Affäre

Hochsee-Razzia am Thunersee: Was ist mit Ex-Chefbeamtem?

In der Hochseeflotten-Affäre kam es am Dienstag zu einer Verhaftung. (Symbolbild)

In der Hochseeflotten-Affäre kam es am Dienstag zu einer Verhaftung. (Symbolbild)

Die Berner Kantonspolizei schlug am Wohnort des Pleite-Reeders zu. Unklar ist, ob ein angezeigter, ehemaliger Chefbeamter von der Justiz befragt wurde.

Hoch oben in Oberhofen, mit prächtiger Sicht hinunter auf den Thunersee und hinüber zum Niesen, befindet sich die moderne Villa von Reeder Hansjürg Grunder. Der ehemalige Besitzer der Enzian-Reederei in Zürich steht im Zentrum eines Strafverfahrens, welches die Berner Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte führt.

Am Dienstag führte die Berner Kantonspolizei (Kapo) in den Kantonen Bern und Waadt Hausdurchsuchungen durch. Eine dieser Durchsuchungen, das bestätigte gestern auf Anfrage Jolanda Egger, Sprecherin der Kapo Bern, fand in Oberhofen am Thunersee statt.

Wie die Polizei bereits am Vortag mitteilte, wurde im Zuge dieser Hausdurchsuchung eine Person festgenommen. Die Polizei will es zwar nicht bestätigen, aber es deutet alles darauf hin, dass es sich beim vorläufig Festgenommenen um Grunder handelt. Formell war diese polizeiliche Festnahme noch keine Verhaftung.

Verhaftung durch Staatsanwalt

Das änderte sich gestern jedoch im Lauf des Tages: «Die Staatsanwaltschaft hat den Mann heute verhaftet», sagte Christoph Gnägi, Medienchef der Kapo Bern, gegen Abend auf Anfrage. Als Nächstes muss die Staatsanwaltschaft jetzt entscheiden, ob sie beim Zwangsmassnahmengericht Untersuchungshaft beantragt. Das muss sie gemäss Strafprozessordnung innert 48 Stunden nach der vorläufigen Festnahme tun. Sie kann den Mann aber auch freilassen.

Wo exakt die zweite Hausdurchsuchung, jene im Kanton Waadt, stattfand, sagt die Kantonspolizei nicht. Es gibt aber Hinweise, dass der Reeder am Genfersee eine Wohnung hat.

Aufgrund der laufenden Ermittlungen wollte die Berner Kantonspolizei gestern auch nicht sagen, ob bei den Hausdurchsuchungen Material sichergestellt wurde.

Es bestehe der Verdacht, «dass die Täterschaft bei der Einreichung von Bürgschaftsgesuchen für die Finanzierung von Hochseeschiffen überhöhte Bau- und Erwerbspreise geltend gemacht hat, um widerrechtlich in den Genuss zu hoher Bürgschaften zu gelangen.» So begründet die Berner Staatsanwaltschaft die Hausdurchsuchungen und die vorläufige Festnahme.

Millionen-Verlust

Der Bund hat im Zug der Pleite der Grunder-Flotte bis zu 215 Millionen Franken verloren, weil er für zwölf völlig überschuldete Schiffe bürgte. Der Bund verkaufte sie darauf zu einem Spottpreis an Kanadier.

Es steht der Verdacht im Raum, dass während Jahren Baupreise für Schiffe aufgebläht wurden, um höhere Bürgschaften zu erwirken. Bundesrat Johann Schneider-Ammann (FDP) hatte im letzten August Strafanzeige gegen Grunder eingereicht: Wegen Verdacht auf Leistungsbetrug und Beamtenbestechung.

Ebenfalls angezeigt hat der Wirtschaftsminister seinen einstigen Chefbeamten Michael Eichmann. Dieser war im Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung für die Bürgschaf- ten zuständig. Er wird des Amtsmissbrauchs und der ungetreuen Amtsführung verdächtigt. Im Gespräch mit der «Nordwestschweiz» wies Eichmann kürzlich alle Vorwürfe kategorisch zurück.

Gegen Eichmann ermittelt aber auch die Bundesanwaltschaft (BA). Ob der ehemalige militärische Untersuchungsrichter mittlerweile befragt wurde, ist jedoch unklar. BA-Sprecherin Ladina Gapp sagt nur: «Das Verfahren ist noch am Laufen. Die BA äussert sich grundsätzlich nicht zu einzelnen, allfälligen Ermittlungshandlungen.» Die BA stehe aber «mit der zuständigen kantonalen Stelle in Kontakt.»

Es gilt die Unschuldsvermutung.

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