Hochdeutsch
Hochdeutsch für die Kleinsten im Kanton Zürich

Der Zürcher Regierungsrat will nicht, dass am Kindergarten grundsätzlich Mundart gesprochen wird, wie das eine Volksinitiative fordert. Sein Gegenvorschlag: Hochdeutsch und Mundart sollen zu mindestens einem Drittel Unterrichtssprache sein.

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Alfred Borter

Der Regierungsrat stellt sich gegen die Volksinitiative «Ja zur Mundart im Kindergarten». Die Initiative war im November 2008 eingereicht worden mit dem Begehren, es sei im Volksschulgesetz festzuschreiben, dass der Unterricht auf der Kindergartenstufe grundsätzlich in Mundart zu erfolgen habe. Die Initianten wollten damit den Bestrebungen, die Verwendung von Hochdeutsch schon für die Vier- und Fünfjährigen zu forcieren, einen Riegel schieben.

Vorteil für fremdsprachige Kinder

Sie ärgerten sich über die zunehmende Tendenz des Bildungsrats, den Kindergärtnerinnen vorzuschreiben, mindestens zu einem schönen Teil Hochdeutsch zu sprechen. Dessen Ziel lag darin, fremdsprachigen Kindern den Einstieg in die Primarschule, wo Hochdeutsch die Unterrichtssprache ist, zu erleichtern. In einzelnen Kindergärten mit einem hohen Anteil an ausländischen Kindern wurde dies bereits erprobt, zum Teil mit Erfolg, zum Teil aber gab es auch harsche Reaktionen von Eltern, die es bedauerten, dass Hochdeutsch die Mundart verdrängte. Kindergärtnerinnen mussten sich mit der korrekten Übersetzung des Satzes herumschlagen: «Ich war an der ‹Chilbi› und durfte in einem ‹Zämetütschiauto› fahren.» Müssen die Kindergärtler künftig von der Kirchweih erzählen? Oder gar von der Kirmes? Oder ist Jahrmarkt passender?

Der Bildungsrat versuchte die Lage zu entschärfen, indem er Mitte 2008 im Lehrplan festlegte, im Kindergarten solle je mindestens zu einem Drittel Mundart und Hochdeutsch gesprochen werden. Genau diese Regelung nun will die Regierung ins Volksschulgesetz aufnehmen und zwar als Gegenvorschlag zur Initiative. Damit komme man dem Anliegen der Initiantinnen und Initianten entgegen, schreibt der Regierungsrat im Antrag an den Kantonsrat. Die Kinder müssten bereits auf der Kindergartenstufe mit der «Standardsprache» vertraut gemacht werden. Es sei für die folgenden Schulstufen wichtig, eine positive Einstellung zum Hochdeutschen aufzubauen.

Für Initianten völlig inakzeptabel

Thomas Ziegler, einer der Erstunterzeichner und bis vor kurzem EVP-Kantonsrat, bezeichnete den Gegenvorschlag der Regierung als Trick zur Verzögerung, weil er ja nur die heute gültige Regelung festschreibe. Der Gegenvorschlag sei für ihn völlig inakzeptabel. «Wir wollen eine Garantie, dass Schweizerdeutsch die Hauptsprache ist», sagte er. Es gehe nicht darum, das Hochdeutschsprechen völlig zu verbieten, im zweiten Jahr könne man es in einem geringen Mass in den Unterricht einbauen. Er geht davon aus, dass das Initiativkomitee das Volksbegehren nicht zurückzieht.

Für das Volksschulamt kein Trick

Der Chef des Volksschulamts, Martin Wendelspiess, bestreitet, dass der Gegenvorschlag ein Trick sei. Mit der Verankerung der heutigen Regelung im Gesetz gebe man den Initianten die Garantie ab, dass nicht mehr der Bildungsrat die Anteile von Mundart und Hochdeutsch ändern kann, sondern bloss der Kantonsrat, wobei die Möglichkeit des Referendums besteht.

Der Verband Kindergärtnerinnen Zürich will in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband eine Umfrage durchführen, um herauszufinden, was die Lehrpersonen für richtig ansehen, wie von der Präsidentin, Sabine Ziegler-Spahn, zu erfahren war.

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