Jürg Nussbaumer

Historiker kämpft gegen die Geschichte

Noch nie wurde in Luterbach ein Gemeindepräsident abgewählt – Jürg Nussbaumer versucht es trotzdem.

Jürg Nussbaumer

Noch nie wurde in Luterbach ein Gemeindepräsident abgewählt – Jürg Nussbaumer versucht es trotzdem.

Jürg Nussbaumer will Amtsinhaber Hugo Schumacher das Gemeindepräsidium streitig machen. Sein Argument: Das Dorf stand in den letzten vier Jahren still. Als «Ur-Luterbacher» glaubt er, intakte Chancen zu haben.

Gaudenz Oetterli

Jürg Nussbaumer, haben Sie es nicht gut in Luterbach?

Jürg Nussbaumer: Grundsätzlich ist Luterbach ein schönes Dorf. Aber momentan ist der Wurm drin, es herrscht ein bisschen Stillstand.

Ist das der Grund für Ihren Wahlslogan «Damit wirs wieder gut haben in unserem Dorf», den Sie im «Azeiger» veröffentlicht haben?

Nussbaumer: Richtig. Luterbach hat mehr Potenzial, als im Moment ausgeschöpft wird.

Konkret. Was stimmt denn nicht?

Nussbaumer: Seit Hugo Schumacher sein Amt angetreten hat, sind wir keinen einzigen Schritt vorangekommen. Wirtschaftsförderung und Neuansiedlung beispielsweise wurden vollkommen vernachlässigt.

Ist dies denn alleine die Schuld des Gemeindepräsidenten?

Nussbaumer: Natürlich ist der gesamte Gemeinderat für das Dorf verantwortlich, aber der wurde systematisch gebremst. Viele Projekte wurden vom Gemeindepräsidenten, der eigentlich eine Leitfunktion hätte und weitsichtig sein müsste, zurückgestellt oder gar nicht traktandiert.

Und mit Ihnen als Gemeindepräsident wäre das anders?

Nussbaumer: Man ist natürlich immer überzeugt, dass man es selber besser machen kann. Ich glaube, dass ich durch meinen Beruf einiges bewirken und Leute ins Boot holen kann. In der Planungskommission zum Beispiel haben wir eine gute Diskussionskultur und können Entscheide meist einstimmig fällen.

Wo liegen denn die Probleme in Luterbach auf sachlicher Ebene?

Nussbaumer: Der hohe Steuerfuss ist ein Problem. Ein Thema ist auch der Schulhaus-Bau oder die Ansiedlung von Betrieben auf dem Borregaard-Areal.

Wie kann man denn am Steuerfuss schrauben, wenn man gleichzeitig ein kostenintensives Schulhaus bauen will? Vor allem wenn die Finanzlage alles andere als rosig ist ...

Nussbaumer: Das ist natürlich eine schwierige Aufgabe. Ich glaube aber, dass man die Schulbauten modular angehen sollte. So kann man sie auf die Bedürfnisse und die Kinderzahlen abstimmen. Man muss nicht immer gleich das Ganze in Angriff nehmen.

Eine Etappierung kommt doch im Endeffekt teurer ...

Nussbaumer: Es ist sicher nicht billiger. Aber Luterbach vermag im Moment kein ganzes Schulhaus, so viel ist klar. Und ich bin der Meinung, dass eine gute Teillösung besser ist als eine schlechte Gesamtlösung.

Haben Sie und Ihre Partei einen Plan, die angeschlagenen Gemeindefinanzen in den Griff zu bekommen, falls Sie Gemeindepräsident werden?

Nussbaumer: Sicher ist, dass das Borregaard-Areal eine zentrale Rolle spielt. Wenn man dort gute Firmen ansiedeln kann, auch solche, die bereits kurzfristig Steuern abwerfen, könnte man den Einzelsteuerzahler entlasten. Vielleicht könnte die Gemeinde sogar steuer- oder erschliessungstechnisch einen Anreiz bieten, damit Firmen nach Luterbach kommen.

Also muss sich die Gemeinde aktiv in die Beplanung des Borregaard-Areals einbringen?

Nussbaumer: Unbedingt. Im Moment hat der Kanton die Federführung übernommen, Luterbach hängt ein bisschen hintennach. Hugo Schumacher hat dieses Thema fast zur Geheimsache erklärt und informiert nur sporadisch. Dadurch weiss niemand, was bis anhin genau ging. Luterbach sollte sich die Chance nicht entgehen lassen, die Federführung zu übernehmen.

Läuft man nicht Gefahr, viel Geld, das man nicht hat, in Möglichkeiten zu stecken, aus denen nichts wird?

Nussbaumer: Ich glaube, das Gegenteil ist der Fall. Wenn man mit der Bevölkerung zusammenarbeitet, kann man viele ungewollte Projekte ausschliessen.

FdP und CVP sind die Sieger der vergangenen Gemeinderats-Wahlen. Wieso haben die zwei Parteien ihre Kräfte für das Gemeindepräsidium nicht gebündelt?

Nussbaumer: Mit drei Kandidaten hat das Volk eine echte Wahl.

Aber somit steht der zweite Wahlgang schon fast fest. Verzichten Sie dann zugunsten der CVP?

Nussbaumer: Das kommt auf das Resultat an.

Sprich der stimmenschwächere Bürgerliche soll zugunsten des Stärkeren verzichten?

Nussbaumer: Das kann man sicherlich prüfen, wenn es so weit ist. In diesem Sinne hat die FdP-Versammlung übrigens schon entschieden. Das Ziel ist sicher eine bürgerliche Mehrheit.

Wer ist der stärkere Konkurrent, Michael Ochsenbein oder Hugo Schumacher?

Nussbaumer: Mit seinem guten Resultat bei den Gemeinderats-Wahlen ist wohl Michael Ochsenbein etwas im Vorteil. Allerdings hat der Amtsinhaber einen gewissen Bonus. Und in Luterbach wurde noch nie ein amtierender Gemeindepräsident abgewählt.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Nussbaumer: Die Wahl zum Gemeindepräsidenten ist eine Personenwahl. Meine Chancen stehen gut. Ich bin hier aufgewachsen, bin verbunden mit Luterbach und bekannt. Zudem bin ich seit längerer Zeit im Dorf politisch aktiv.

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