Strafvollzug

Hier wohnen einige der gefährlichsten Verbrecher der Schweiz

In Genf wurde am Freitag die Strafanstalt Curabilis eröffnet. Das Gefängnis ist eine Spezialeinrichtung für gefährliche Straftäter und bietet total 92 Plätze. Es ersetzt teilweise das Zentrum La Pâquerette», das nach einem Mord geschlossen wurde.

Mit der Eröffnung von Curabilis in Puplinge (GE) verwirklichen die lateinischen Kantone ein Projekt, auf das sie seit über 45 Jahren gewartet haben. Das neue Gefängnis ist eine Spezialeinrichtung für gefährliche Straftäter aus der Romandie und dem Tessin, die psychiatrische Pflege benötigen und im besten Fall resozialisiert werden sollen.

Bei den meisten Insassen wird es sich um Straftäter handeln, die wegen psychischer Störungen zu einer therapeutischen Massnahme oder zu einer Verwahrung verurteilt wurden. Hinzu kommen auch Drogenabhängige, die eine Massnahme absitzen. Fünf der 62 Plätze im Massnahmenvollzug sind Frauen vorbehalten.

Neben zwei Abteilungen für den Massnahmenvollzug, einer Abteilung für Sozialtherapie sowie einer geschlossenen psychiatrischen Abteilung sind zudem zwei der insgesamt sechs Pavillions vorübergehend für 30 Häftlinge aus dem normalen Strafvollzug reserviert. Dies soll die benachbarte Strafvollzugsanstalt Champ-Dollon entlasten.

Spital in einem Gefängnis

"Wir haben einen qualitativen und nicht einen quantitativen Ansatz", unterstrich Regierungsrat Pierre Maudet, Vorsteher des Sicherheitsdepartementes. Freiheitsentzug bedeute nicht Verlust von Sicherheit oder Würde. Die medizinische Nachsorge werde gefördert, Curabilis bleibe aber ein Spital in einem Gefängnis, fügte er hinzu.

Die Abteilung für Sozialtherapie mit insgesamt 15 Plätzen wird das umstrittene Zentrum "La Pâquerette" ersetzen, wo der mutmassliche Mörder der 34-jährigen Sozialtherapeutin untergebracht war. Der mehrfache Vergewaltiger hatte während eines begleiteten Freigangs im September 2013 die junge Frau umgebracht, welche ihn zur Reittherapie begleiten sollte.
Krise im Genfer Strafvollzug

Anschliessend flüchtete er und wurde vier Tage später an der deutsch-polnischen Grenze gefasst und wieder an die Schweiz ausgeliefert. Der Mord hatte eine Krise im Genfer Strafvollzug ausgelöst. Der Kanton Genf will nun aber Lehren aus dem Fall ziehen und eine Reihe von Reformen anpacken. Dazu gehört unter anderem, dass die Freigänge in Curabilis strenger gehandhabt und kontrolliert werden. Zudem soll das Arztgeheimnis gelockert werden.

Personalsuche schwieriger geworden

Nach dem Drama um die getötete Sozialtherapeutin sei es schwieriger geworden, Personal zu finden, sagte Regierungsrat Mauro Poggia, Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartementes. Aus diesem Grund werde die Eröffnung nur schrittweise erfolgen können.

Zum Vollbetrieb übergehen wird Curabilis Anfang 2016. Dannzumal wird die Institution 200 Stellen zur Verfügung haben, zwei Drittel für medizinisch-soziales und ein Drittel für Gefängnis-Personal. Der Druck auf die volle Inbetriebnahme sei gross, zumal die Zahl der Plätze bereits heute kleiner sei als die Nachfrage, sagte Poggia.
Kosten von 550 Franken pro Häftling zu tief

Die Investitionskosten für Curabilis belaufen sich auf 88,7 Millionen Franken, hinzu kommen 20 Millionen Franken für gemeinsame Strukturen mit Champ-Dollon. Für die Unterbringung von Gefangenen aus den anderen Konkordatskantonen wurde eine Tagespauschale von 550 Franken pro Häftling fixiert. Dieser Betrag sei allerdings deutlich zu tief angesetzt und werde 2015 neu verhandelt, sagte Maudet.

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