Grosser Rat

Heute akzeptieren sich Baden und Wettingen als starke Partner

Stephan Attiger: «Vor einer Stadtratssitzung nehme ich oft mit ihm noch Kontakt auf

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Stephan Attiger: «Vor einer Stadtratssitzung nehme ich oft mit ihm noch Kontakt auf

Mit Stadtammann Stephan Attiger (Baden) und Gemeindeammann Markus Dieth (Wettingen) vertritt nun eine neue Generation von Politikern die beiden bedeutendsten Gemeinden des Ostaargaus im Grossen Rat.

Roman Huber / Dieter Minder

Wofür wollen sie sich stark machen im Kantonsparlament? Wohin steuern sie die wirtschaftsstarke Region Baden-Wettingen? Die AZ hat mit den beiden Oberhäuptern der wichtigsten Regionsgemeinden gesprochen.

Herr Dieth, Herr Attiger. Machen Sie im Grossen Rat gemeinsame Sache?

Markus Dieth: Wir werden sicher sehr viel miteinander besprechen. Doch viele Berührungspunkte haben wir bereits im Planungsverband Baden Regio. Nebst der Gemeinde und der Partei vertreten wir natürlich gemeinsam die Region.

Vertreten Sie eher die Region, die Gemeinde oder Ihre Partei?

Attiger: Primär vertrete ich die Region. Aber ich bin mit meinem politischen Hintergrund gewählt. Wer mir die Stimme gab, wusste, dass ich Mitglied der FDP bin.

Dieth: Das Exekutivamt hat uns sicher Stimmen von Leuten gebraucht, die erwarten, dass wir die Gemeinde vertreten. Wenn wir uns für die regionalen Interessen stark machen, dient das auch den Gemeinden.

Inwiefern vertreten Sie die Region?

Stephan Attiger: Die Region Baden-Wettingen ist die stärkste Wirtschaftsregion im Kanton. Ihre Anliegen müssen in Aarau ernst genommen werden.

Woran denken Sie zuerst?

Attiger: An den Verkehr. Das Verkehrsmanagement Aargau Ost harrt seiner Umsetzung, die Diskussionen sind geführt. Uns geht es um die Erreichbarkeit des Zentrums.

Dieth: Es geht um ein kantonales Geschäft, das im Agglomerationsprogramm des Bundes figuriert. Zu 80% ist der Kanton gefordert.

Nun redet man schon vom Martinsbergtunnel. Ist das richtig?

Attiger: Man muss den Petersberg- und den Martinsbergtunnel trennen. Beim Petersbergtunnel geht es um die Siedlungsentwicklung des Zurzibiets. In einer zweiten Phase wird er der Zentrumsregion Mehrverkehr bringen. So gesehen kann der Martinsbergtunnel eine Lösung sein, als «Y». Die definitive Lösung ist jedoch völlig offen.

Wie sehen Sie es, Herr Dieth?

Dieth: Mit dem Verkehrsmanagement müssen wir die Auswirkungen in der Region genau anschauen. Schade wäre, wenn der Petersbergtunnel wegen der Diskussionen um den Martinsberg verzögert würde.

Das zweite Hauptthema dürften die Finanzen sein. Vor allem die Millionen, mit denen der Bezirk Baden den Rest des Kantons unterstützt?

Dieth: Es braucht die Solidarität, denn finanziell besteht ein Gefälle zwischen Stadt und Land. Doch das Geld darf nicht nur auf die eine Seite fliessen. Es geht auch nicht, dass nicht lebensfähige Gemeinden fortwährend unterstützt werden.

Fühlt sich der Osten finanziell benachteiligt?

Attiger: Immerhin kassiert der Kanton aus unserer Wirtschaftsregion weitaus am meisten Aktiensteuern. Gut, wir sind auch stolz, mithelfen zu können. Doch wir wünschen vom Kanton mehr Unterstützung bzw. eine gerechtere Verteilung, dass er uns ernster nimmt.

Dieth: Letztlich brauchen diejenigen Gemeinden, die am meisten Finanzausgleich beisteuern, auch gute Bedingungen.

Spüren Sie denn dieses Gefälle innerhalb des Kantons in der Politik?

Attiger: Die Diskussionen zwischen Stadt und Land stehen immer mehr im Vordergrund. Die Bedürfnisse und dadurch die Interessen der städtischen Gemeinden sind anders als in ländlichen Gemeinden

Kann die Raumplanung noch auf Gemeindegrenzen Rücksicht nehmen?

Attiger: Jede Gemeinde in der Region soll ihre Aufgabe haben, das Gesamtbild muss stimmen. Industriezonen sind entlang der S-Bahn und der A1; es wäre falsch, dafür ländliches Gebiet zu verwenden.

Dieth: Auch bei der Querspange Wettingen, Würenlos, Killwangen, Neuenhof geht es um die Freihaltezone zwischen den Gemeinden. Es ist eines der wenigen Gebiete im Limmattal, die noch nicht überbaut sind.

Und wie steht es mit der Raumplanung in den Gemeinden selber?

Attiger: Es ist nicht nötig, dass alle alles haben. Man baut kein Einfamilienhausquartier neben der S-Bahn-Station. Im Zentrum ist es egal, ob die Häuser 7 oder 9 Etagen aufweisen. Doch in Baden müssen wir gewisse Quartierstukturen erhalten und dürfen nicht überall verdichten.

Dieth: Wir erarbeiten für Wettingen ein städtebauliches Leitbild, das aus Teilleitbildern besteht, zum Beispiel für Schöpflihuuse, die Klosterhalbinsel, das Dorf und das Zentrum.

Wie soll man den Zusammenhalt der Regionsgemeinden fördern?

Attiger: Bisher wurden regionale Projekte in Baden realisiert, das soll sich ändern. Es ist wichtig, dass wir ein Regionalprojekt in einer anderen Gemeinde fördern. Das Sportzentrum Tägi würde sich sehr gut eignen.

Dieth: Regionale Projekte fördern das gemeinsame Denken und Handeln. Deshalb hat Baden Regio das Kurtheater und das Tägi als regionale Projekte lanciert. Sie sind von überregionaler Bedeutung und dienen nicht nur der Bevölkerung der Standortgemeinde.

Die Raumplanung liegt heute beim Kanton. Welche Rolle sollen die Planungsgruppen übernehmen?

Attiger: Baden Regio beschäftigt sich längst mit anderen Aufgaben, deshalb braucht es eine Statutenänderung für die Replas.

Dieth: Baden Regio hat ein Spitex-Konzept ausgearbeitet, das einmal im ganzen Kanton gelten soll. Ich kann mir vorstellen, dass die Standortförderung bei der Repla angesiedelt wird. Darum müssen die Replas unbedingt gestärkt werden. Es scheint, dass der Kanton zuwenig berücksichtigt, dass er dieses gute Instrument hat.

Wohin soll die Zusammenarbeit der Regionsgemeinden führen?

Dieth: Die Studie «Gemeindelandschaft Bezirk Baden» weist nicht in Richtung Grossstadt Baden. Sie zeigt aber, dass die Gemeinden die Probleme gemeinsam lösen müssen.

Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen Baden und Wettingen?

Attiger: Wir sind stets intensiv miteinander im Gespräch.

Dieth: Wir akzeptieren uns auch gegenseitig als starke Partner.

Wir bilden einerseits die stärkste Region im Aargau und liegen anderseits im Einflussbereich des Wirtschaftsraums Zürich. Wie behauptet man sich in diesem Spannungsfeld?

Attiger: Wir sind ein Teil des Wirtschaftsraumes Zürich. Ein nationaler Vergleich zeigt, dass die Region zu den 10 wirtschaftsstärksten der Schweiz gehört. Die Region Baden/ Wettingen ist durchaus mit Winterthur vergleichbar.

Dieth: Als Teil des Wirtschaftsraums Zürich müssen wir uns mit unseren Stärken positionieren.

Attiger: Früher waren die Baulandreserven entscheidend für das Entwicklungspotenzial einer Gemeinde, das gilt heute nicht mehr. Das Potential liegt in der intensiveren Nutzung des überbauten Gebietes. Baden Nord ist ein Musterbeispiel dafür. Dort hat sich die Wertschöpfung vervielfacht.

Herr Attiger, was gefällt Ihnen an Wettingen?

Attiger: Mit dem Lägernhang hat Wettingen eine vorzügliche Wohnlage und ideale Bedingungen für die gesamte Erschliessung, die in Baden viel schwieriger ist.

Herr Dieth, was gefällt Ihnen an Baden?

Dieth: Baden hat eine wunderschöne Altstadt zum Flanieren, da können wir mit der Landstrasse nicht mithalten.

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