Pollen
Heuschnupfen: So früh und stark wie noch selten

Das schöne Wetter und die warmen Temperaturen freuen nicht alle: Heuschnupfengeplagte leiden früher als normal und auch die Symptome sind stärker als in anderen Jahren.

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Meteo Schweiz liefert eine Übersicht der Pollenbelastung, nach Auslöserpflanzen gefiltert (Weblink beim Kasten unten)
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Gesundheit! Schönes Wetter hat auch seine Schattenseiten. Fliegen Pollen durch die Luft, sollten Allergiker ihre Medikamente nicht vergessen.
Die Pollen fliegen wie verrückt
Die Augen brennen, die Nase läuft: Heuschnupfengeplagte. keystone.
Ihre Pollen fliegen bald durch die Luft: die Birke.

Meteo Schweiz liefert eine Übersicht der Pollenbelastung, nach Auslöserpflanzen gefiltert (Weblink beim Kasten unten)

Meteo Schweiz

Die Sonne strahlt vom Himmel, die Temperaturen steigen von Tag zu Tag an und die Bäume, Sträucher und Blumen stehen in voller Blüte. Was die einen freut, ist für Pollenallergiker ein Albtraum. Ihre Augen brennen, ihre Nase juckt und der Hals kratzt.

1,4 Millionen Menschen in der Schweiz leiden

Insgesamt leiden in der Schweiz rund 1,4 Millionen Menschen unter einer Pollenallergie - Tendenz steigend. Am häufigsten sind Kinder ab Schulalter und Jugendliche davon betroffen. Die Mehrheit der Betroffenen, ungefähr 70 Prozent, reagiert auf Graspollen, Reaktionen auf Birkenpollen - die momentan besonders aktiv sind - nehmen stark zu.

Die Zunahme führt Annelise Lundvik vom Schweizerischen Zentrum für Allergie auf drei wesentliche Faktoren zurück: Die übertriebene Hygiene, die unser Immunsystem schwächt, die veränderte Ernährung aber auch eine Veranlagung zu Allergien.

«Die momentanen Witterungsbedingungen lösen einen massiven Pollenflug aus», sagt Regula Gehrig, die bei Meteoschweiz für die Pollenmessung zuständig ist. Denn die Pflanzen geben ihre Pollen nur bei trockenem und relativ warmen Wetter ab. Momentan werden laut der Expertin bei der Birke bis zu 3000 Pollen pro Kubikmeter gemessen - die meisten Allergiker reagieren ab 70 Pollen pro m3. «Es ist aussergewöhnlich, dass die Pollenbelastung Anfang April schon so stark ist», so Gehrig.

Alter schützt nicht vor Heuschnupfen

Auch Jürgen Grabbe, Leiter der Allergieabteilung im Kantonsspital Aarau spricht von einem besonderen Heuschnupfen-Frühling. «Unsere Patienten haben deutlich stärkere Symptome als in anderen Jahren.» Dazu gehören Augenbrennen und Jucken, Niesattacken, Fliessschnupfen, Kribbeln und Kratzen im Hals oder Asthma-Symptome wie Husten.

Neben den Patienten, die schon länger an Heuschnupfen leiden, suchen Grabbe auch vermehrt Leute auf, die dieses Jahr das erste Mal über die beschriebenen Symptome klagen. «Alter schützt leider nicht vor Heuschnupfen, ich habe auch Patienten jenseits der 60 erlebt, die plötzlich eine Pollenallergie entwickeln», sagt der Dermatologe.

Tipps für Geplagte

• Wäsche nicht im Freien trocknen. Pollen können an feuchter Wäsche haften bleiben
• Allabendlich die Haare ausspülen. Dies verhindert, dass sie in der Nacht in die Augen gelangen und so den Schlaf stören
• Sonnenbrillen haben zwei positive Effekte: sie halten einen Teil der Pollen von den Augen fern und schützen die bereits irritierte Augenschleimhaut
• Sport im Freien bei starkem Pollenflug vermeiden, auf frühe Morgenstunden verlegen oder Indoor-Sportarten wählen
• Ferienzeit und -destination auf den Pollenflug abstimmen: Pollenarme Regionen wählen (im Gebirge oder am Meer)
• Rasen im Garten regelmässig mähen lassen (beim Mähen werden winzige Aerosole aus den Halmen freigesetzt, die ebenso wie die Pollen Allergene enthalten)
• Aufenthalt in geschlossenen Räumen: Die Pollenkonzentration reduziert sich nach dem Schliessen der Fenster bereits nach 10 Minuten auf etwa 1% des Aussenwertes zurück.

Bei Kühen im Stall

Bestimmte Faktoren würden in den ersten Lebensmonaten der Entstehung von Allergien entgegenwirken. «Kinder, die auf einem Bauernhof mit Viehhaltung aufwachsen, leiden zumindest in den nächsten Jahren deutlich weniger an Heuschnupfen», so Grabbe. Es sei jedoch noch unklar, ob dies für schwanger Mütter und Kinder, die sich im Kuhstall aufhalten oder frische Milch direkt vom Hof trinken, entscheidend sei. «Vielleicht ist es auch die Kombination aus allem», sagt der Dermatologe.

Ausserdem seien bestimmte Gene dafür verantwortlich, ob ein Kind von einer solchen Umgebung profitiere. Als gute Schutzmassnahmen wirke sich nach wie vor das Stillen in den ersten vier Monaten aus.

Wer trotz aller Schutzmassnahmen plötzlich ein Jucken und Brennen in den Augen verspürt und ständig niesen muss zur Pollenzeit, sollte sich laut dem Arzt unbedingt untersuchen lassen. Je nach Polle, auf die eine Person allergisch reagiert, ist eine entsprechende Desensibilisierung nötig - ob in Form von einer Spritze, Tabletten oder Tropfen. «Andere Medikamente bekämpfen zwar die Symptome, aber die Allergie selbst nicht und mit den Jahren vergrössert sich gar das Spektrum an Allergien.» (jep)