Bundesratswahl

Herzog: «Ich bin die einzige mit Exekutiverfahrung»

Die Basler SP-Finanzdirektorin Eva Herzog will als Aussenseiterin ihre Chance packen.

Die Basler Finanzdirektorin Eva Herzog (Archiv)

Die Basler SP-Finanzdirektorin Eva Herzog will als Aussenseiterin ihre Chance packen.

Zwei Halbkantone, eine Kandidatin: Die Balser SP-Regierungsrätin Eva Herzog will Moritz Leuenbergers Sitz erben. Ihre Aussenseiterrolle nimmt sie gelassen.

Karen Schärer

Frau Herzog, seit über einer Stunde sind Sie im Interviewmarathon – sind Sie noch fit?

Eva Herzog: Kein Problem! Es macht mir Spass.

Frau Sommaruga hat sich vergangene Woche eine Interview-Pause ausbedungen, weil sie nicht mehr klar denken konnte. Würden Sie eine solche vermeintliche Schwäche mit der gleichen Offenheit eingestehen?

Herzog: Sie hat gut reagiert. Sie zeigt, dass wir keine Übermenschen sind und dass es in einem solchen Amt nicht darum geht, unmenschliche Härte zu zeigen. Wer seinen Kollegen wie Christoph Blocher nicht einmal sagt, dass er eine Operation machen muss: Diese Art von Härte ist für mich nicht erstrebenswert.

Sie steigen als doppelte Aussenseiterin in den Wahlkampf: National sind Sie wenig bekannt; zudem schaffen Regierungsräte selten den Sprung in den Bundesrat.

Herzog: Soll ich deswegen gar nicht erst antreten? Inhaltlich interessiert mich das Amt sehr. Die Chance ist klein, aber nicht gleich null, dass es klappt. Eine solche Chance kommt in der Regel nur einmal. Deshalb muss ich es probieren. Als Aussenseiterin kann ich das Ganze gelassen angehen. Ich könnte es akzeptieren, zu verlieren.

Neben Frau Sommaruga wird es wohl noch weitere Kandidaturen aus den Reihen der SP geben. Warum soll die Fraktion gerade Sie als Kandidatin auf ein Zweierticket setzen?

Herzog: Bei den Personen, die derzeit als mögliche Kandidatinnen im Fokus stehen, handelt es sich um Parlamentarierinnen. Mein «Unique Selling Point» ist immer derselbe: Ich wäre die Einzige, welche Regierungserfahrung mitbringt.

Spielte es bei Ihren Abwägungen eine Rolle, dass mit dem Rücktritt von Hans-Rudolf Merz das Finanzdepartement frei wird?

Herzog: Nein. Aus Bern höre ich eher, dass sich die Bürgerlichen nicht vorstellen können, einer SP-Frau das Finanzdepartement anzuvertrauen – aus mir unerfindlichen Gründen. In Basel-Stadt machen wir damit gute Erfahrungen.

Welches Departement würden Sie denn am liebsten führen?

Herzog: Ich kandidiere nicht für ein Departement, sondern für ein Amt. Ich habe in Basel gezeigt, dass ich mich in ein Departement einarbeiten kann, das von meiner bisherigen Tätigkeit relativ weit weg ist.

Welches sind die Eigenschaften, welche Sie in der Bundesversammlung mehrheitsfähig machen?

Herzog: Das kann einerseits meine Kantonszugehörigkeit, andererseits meine Exekutiverfahrung sein, auf welche viele Parlamentarier grossen Wert legen. Wer sich bei bürgerlichen Politikern im Kanton über mich erkundigt, hört, dass man mich über Parteigrenzen hinweg empfiehlt.

Angenommen, es käme zu einem Zweierticket Sommaruga/Herzog: Welche inhaltlichen Differenzen gibt es zwischen ihnen beiden?

Herzog: Das Gemeinsame überwiegt. Doch Simonetta Sommarugas liberale Positionen, wie sie sie im Gurten-Manifest aus dem Jahr 2001 festgehalten hat, gehen mir zu weit. Denn überall mehr Markt hineinzubringen, führt nicht gezwungenermassen dazu, dass es insgesamt billiger wird. Auch die neue Spitalfinanzierung wird dazu führen, dass die Kosten im Gesundheitswesen steigen. Denn die Spitäler werden aufrüsten, um sich auf die Wettbewerbssituation vorzubereiten. Dies kann zu einer Kostensteigerung führen. Der Staat soll deshalb weiterhin in denjenigen Bereichen die Leistungen anbieten, in denen Wettbewerb nicht zu geringeren Kosten führt. Als Regierungsrätin weiss ich, was es bedeutet, für den Service public verantwortlich zu sein. Das ist etwas anderes, als sich relativ theoretisch für Anliegen einzusetzen. Auf diese Erfahrungen kommt es als Bundesrätin an.

Sie wurden an der Pressekonferenz auf Ihre Kinder im Alter von 10 und 13 Jahren angesprochen. Nervt Sie das?

Herzog: Man kann solche Fragen entweder spitz abblocken oder offen kommunizieren, wie man mit der Familiensituation umgeht. Ich habe mich für letzteren Weg entschieden. Denn es ist für andere Frauen wichtig zu sehen, was machbar ist. Insofern kann ich eine Vorbildfunktion einnehmen. Meine Kinder dürfen aber nicht belästigt werden.

Homestorys sind also keine zu erwarten?

Herzog:Mit Sicherheit nicht.

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