Am Wochenende starb ein 17-Jähriger auf der Gamsalp (SG) an den Folgen eines Skiunfalls. Und dies, obwohl er sich mit Helm und Rückenpanzer schützte. Der Junge Skifahrer flog in steiniges Gelände und starb noch auf der Unfallstelle.

Dabei drängen sich Fragen auf: Hat der 17-Jährige Helm und Rückenpanzer korrekt getragen? Oder stürzte er so schwer, dass ihn nicht einmal mehr eine gute Ausrüstung schützen konnte?

Fakt ist: Eine gute Ausrüstung ist noch lange kein Garant für eine unfallfreie Fahrt. Oft wird die Schutzwirkung überschätzt. Helm und Rückenpanzer vermitteln Ski- und Snowboardfahrern ein Gefühl der Sicherheit, weshalb viele ungehemmt die Piste runterbrettern.

Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) versuchte letzten Winter auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Mit geringem Erfolg: Die Wildsau-Kampagne sorgte zwar für Schmunzeln, langsamer fahren wollten die Ski- und Snowboardfahrer dann doch nicht.

76 Prozent tragen Helm

Zum Gefallen der Beratungsstelle für Unfallverhütung boomt aber der Verkauf von Schutzausrüstung in den letzten Jahren. Helme und Co. sind angesagter denn je.

Waren es 2003 noch 16 Prozent der Schneesportler, die einen Helm getragen haben, sind es nun deutlich mehr: «Wir verzeichnen eine Helmtragequote von 76 Prozent in der Saison 2009/2010», informiert David Kerschbaumer von der Beratungsstelle für Unfallverhütung.

«Es macht Sinn, einen Helm zu tragen»

Für ihn ist klar: Der Helm hat die effizientere Schutzwirkung im Vergleich zum Rückenpanzer. Ausserdem könnten Verletzungen am Kopf sehr schnell einen hohen Schweregrad erreichen. «Da macht es schon Sinn, einen Helm zu tragen», so Kerschbaumer.

Dieser muss aber richtig gut sitzen, sonst ist er wirkungslos und kann gar gefährlich werden.

«Beim Kauf muss man den Helm unbedingt anprobieren», bemerkt David Kerschbaumer. Ist der Helm zu gross, könne er nach hinten rutschen und die Stirn ungeschützt lassen.

Modisches Accessoire

«Bei einem erstmaligen Kauf eines Helms steht die Sicherheit im Zentrum», Später werde der Kopfschutz zum modischen Accessoire. Für die Beratungsstelle spiele das aber keine Rolle. «Hauptsache sie tragen einen Helm», so Kerschbaumer.

Ob Helme mehr Verletzungen verhindern, sei allerdings nicht bewiesen. «Dazu gibt es praktisch keine Angaben», so der Berater für Sport. Die Anzahl Unfälle sei zu klein, um repräsentative Zahlen zu gewinnen.

Panzer schützt gegen Schläge

Auch der Rückenschutz erfüllt seinen Zweck mit einer «gewissen Schutzfunktion», so Kerschbaumer. «Wenn man von einer bestimmten Höhe herunterfällt, nützt der Rückenpanzer nichts», meint er. Der Panzer schütze vor allem bei Stürzen auf die Seite, vor Schlägen oder spitzen Gegenständen wie Skier oder Steine.