Heisst der erste grüne Bundesrat Pulver?

Mit dem besten Resultat wurde Regierungsrat Bernhard Pulver am Sonntag bei den Berner Wahlen im Amt bestätigt. Auf Pulver, den Vertreter aller Parteien als kompetent beschreiben, ist auch die Parteileitung aufmerksam geworden: Als «einer der besten Bundesratskandidaten» sieht ihn Präsident Ueli Leuenberger.

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Bernhard Pulver

Bernhard Pulver

Solothurner Zeitung

Karen Schärer

Bernhard Pulver stellt seine Person nicht gern in den Vordergrund. So sagte der grüne Berner Erziehungsdirektor am Sonntag zu einer Journalistin der «Berner Zeitung»: «Ich bin ein Teamplayer; mir ist wichtig, dass das Team wieder zusammen ist.» Dass die ganze rot-grüne Regierung wiedergewählt worden ist, streicht Pulver damit lieber hervor als sein eigenes Wahlresultat.

Dabei hätten seine Kolleginnen und Kollegen bestimmt Verständnis gezeigt, hätte Pulver sein eigenes Resultat etwas überschwänglicher kommentiert. Denn dieses ist aufsehenerregend. So hat im Kanton Bern jede zweite Person Bernhard Pulver die Stimme gegeben: 220000 nahmen an der Wahl teil; Pulver erzielte 110000 Stimmen. Damit wurde Pulver, der 2006 in die Regierung gewählt worden war, mit dem besten Resultat aller bestätigt. Dies ist umso bemerkenswerter, als Pulver als Grüner Vertreter einer Kleinpartei ist.

«Einer der besten Bundesratskandidaten»

Auf den erfolgreichen Berner Regierungsrat und ehemaligen Generalsekretären der Grünen Partei Schweiz ist man längst auch in der Parteileitung aufmerksam geworden – und setzt grosse Erwartungen in ihn. Präsident Ueli Leuenberger sagt auf Anfrage: «Pulver ist einer der besten Kandidaten für den Bundesrat, dessen sind wir uns schon lange bewusst.» Auf die Frage, ob man mit ihm bereits über eine mögliche Kandidatur gesprochen habe, sagt Leuenberger ausweichend: «Wir hatten verschiedentlich die Gelegenheit, miteinander zu sprechen.»

Für Nationalrat Alec von Graffenried, der wie Pulver zum linksliberalen Flügel der Grünen Partei zählt, ist es «sehr naheliegend», an Bernhard Pulver als Bundesratskandidaten zu denken. Das Wahlresultat vom Sonntag habe die Ausgangslage des 44-Jährigen noch verbessert: «Es unterstreicht, dass er weit über die Partei hinaus respektiert und geschätzt wird.»

«Zu gut, um ihn zu verheizen»

Die Grüne Partei will an den National- und Ständeratswahlen 2011 die 10-Prozent-Marke erreichen (heute: 9,6 Prozent) und danach ihren Anspruch auf einen Sitz im Bundesrat anmelden. Käme es bereits vor der Gesamterneuerungswahl zu einer Vakanz im Bundesrat, wäre ein Kandidat Pulver eher unwahrscheinlich. So sagt Franziska Teuscher (Grüne/BE), die politisch links von Pulver steht: «Bernhard Pulver ist ein zu guter Kandidat, um ihn zu verheizen.» Und Fraktionspräsidentin Maya Graf (BL) gibt zu bedenken, dass Pulver mit seiner Wiederwahl in den Regierungsrat seiner Wählerschaft auch ein Versprechen gegeben hat. «Er legt viel Wert auf Glaubwürdigkeit und will seine Arbeit zunächst sicher weiterführen», sagt Graf.

Früher linksradikaler Aktivist

Als Gymnasiast war Bernhard Pulver ein linksradikaler Aktivist. Mittlerweile ist aus ihm ein pragmatischer, konsensorientierter Exekutivpolitiker mit Krawatte und Anzug geworden. Heute gilt der einzige Stadtberner in der Regierung als Feingeist. Er kennt die Museen Europas und besucht gerne klassische Konzerte.

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