Steuern

Heiratsstrafe oder Heiratsbonus? – Wer von der CVP-Initiative wirklich profitiert

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Die meisten Kantone haben die finanzielle Benachteiligung von verheirateten Paaren beseitigt. Bei der Bundessteuer gibt es sie allerdings noch immer. Wer von der CVP-Initiative wirklich profitiert.

Die Heiratsstrafe soll verschwinden. Darin sind sich Politiker von links bis rechts einig, und das Bundesgericht hat dies schon vor 30 Jahren gefordert.

Sie alle wollen die finanzielle Diskriminierung von verheirateten Paaren gegenüber unverheirateten beseitigen. In den Kantonen ist die Heiratsstrafe fast überall abgeschafft. Nur noch nicht bei der Bundessteuer.

Klar ist: Wird ein Ehepaar gegenüber einem Konkubinatspaar steuerlich um mehr als zehn Prozent stärker belastet, gilt dies als verfassungswidrig. Die Ursache des Übels ist das progressive Steuersystem in der Schweiz. Je höher das Einkommen ist, desto mehr muss man prozentual davon abgeben.

Die Einkommen eines Ehepaars werden nicht separat, sondern gemeinsam besteuert. Trotz Abzügen und dem milderen Verheiratetentarif müssen Ehepaare manchmal mehr bezahlen, als wenn ihre Einkommen einzeln besteuert würden.

Arbeiten etwa beide Ehepartner und verdienen je 50 000 Franken, dann bezahlen sie 1335 Franken Bundessteuer. Ein Konkubinatspaar bezahlt zusammen lediglich 890 Franken.

Das Problem also ist unbestritten. Allerdings ist es komplizierter, als es bisweilen dargestellt wird. Wer wird überhaupt fürs Heiraten bestraft? Und wie viele Menschen sind steuerlich benachteiligt?

Wer bestraft wird

80 000 Doppelverdiener-Ehepaare sind bei der Bundessteuer noch immer schlechtergestellt, schätzt der Bund.

Gleichzeitig bleiben 620 000 Doppelverdiener-Ehepaare von der Heiratsstrafe unberührt. Nicht betroffen sind naturgemäss auch Ehepaare, bei denen nur ein Partner erwerbstätig ist. Das heisst konkret: 

Für kinderlose Doppelverdiener-Ehepaare mit einem Einkommen von mehr als 80 000 Franken gilt: Je ähnlicher die beiden Einkommen ausfallen, desto eher kommt es zu einer Heiratsstrafe.

Kinderlose Ehepaare mit einem Einkommen ab 110 000 Franken werden steuerlich bereits dann benachteiligt, wenn 70 Prozent des Einkommens vom einen Partner und 30 Prozent vom anderen stammen. 

Doppelverdiener-Ehepaare mit Kindern sind ab einem Einkommen von 120 000 Franken betroffen.

Auch hier gilt: Je ähnlicher die beiden Einkommen ausfallen, desto eher kommt es zu einer Heiratsstrafe.

Ebenso stimmt: Verdient ein Ehepaar mit Kindern mehr als 190 000 Franken, ist es bereits dann benachteiligt, wenn 70 Prozent des Einkommens vom einen Partner und 30 Prozent vom anderen stammen.

Ein Problem ist die Heiratsstrafe bei der Bundessteuer vor allem für Rentner-Ehepaare.

Auch wenn das frankenmässig kaum ins Gewicht fällt: Die grosse Mehrheit der Rentner zahlt mehr Steuern, nur weil sie verheiratet sind.

Wie viele Paare genau betroffen sind, ist unklar. Genaue Zahlen gibt es keine, nicht einmal Schätzungen. Rentner profitieren jedoch selten von den Steuerabzügen, die seit 2008 für erwerbstätige Ehepaare gelten.

Das bedeutet: Für Doppelverdiener-Ehepaare mit einem Pensionseinkommen über 50 000 Franken gilt ebenso: Je ähnlicher die beiden Einkommen ausfallen, desto eher kommt es zu einer Heiratsstrafe.

Ehepaare mit einem Einkommen ab 60 000 Franken werden steuerlich bereits dann benachteiligt, wenn 70 Prozent des Einkommens vom einen Partner und 30 Prozent des Einkommens vom anderen stammen.

Das grössere Problem

Ein für alle gerechtes System? Mit progressiven Steuersätzen und gemeinsamer Veranlagung wird sich ein solches wohl nie finden, das bestätigt selbst der Bund. Dafür gibt es schlicht zu viele Konstellationen von Einkommen und Lebensformen.

Was in der Debatte um die Heiratsstrafe zudem oft unerwähnt bleibt: Acht von zehn Ehepaaren mit Erwerbseinkommen sind gegenüber unverheirateten Paaren gleichgestellt oder bevorteilt.

Zu diesem Schluss kommt ein Bericht des Bundesrats. Seit 2008 gibt es Steuerabzüge für erwerbstätige Ehepaare.

Und rechnet man die kantonalen Steuern hinzu, ist der Anteil der Benachteiligten noch kleiner. Denn die meisten Kantone haben die Heiratsstrafe eliminiert. Manche sprechen deshalb lieber von einem Heiratsbonus. Das Nachsehen haben Unverheiratete.

Gelöst werden könnte dieses Problem nur durch eine Besteuerung, die vom Zivilstand unabhängig ist. Das würde für eine Individualbesteuerung sprechen, mit der jeder Steuerpflichtige separat veranlagt wird. Allerdings gilt dieses System wiederum als bürokratisch und teuer.

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