Die höchste Schweizerin hat während der Session einen eher langweiligen Job: Nationalratspräsidentin Marina Carobbio (SP/TI) muss durch die Debatten führen, die Fragen moderieren und Redner ankündigen. Braucht sie eine Pause oder muss sie kurz austreten, übernimmt Vizepräsidentin Isabelle Moret (FDP/VD).

Während der Diskussion über einen Aktionsplan gegen Lebensmittel-Verschwendung musste wegen der Abwesenheit beider Frauen am Dienstag der zweite Vize einspringen: Heinz Brand (SVP/GR). Wie sich zeigt, darf sich das Parlament darauf freuen. Seinen kurzen Auftritt nutzte er nämlich, um die Stimmung etwas aufzulockern. Und das ging so:

GLP-Nationalrätin Isabelle Chevalley fordert in einem Vorstoss einen Aktionsplan gegen Lebensmittelverschwendung. Der Nationalrat debattierte hin und her, ob der Bundesrat dazu einen Bericht verfassen soll. Die zuständige Umweltministerin Simonetta Sommaruga verwies auf die hohe Verschwendung, wonach ein einzelner Haushalt pro Jahr Lebensmittel im Wert von 500 bis 1000 Franken wegwerfe. In der Gastronomie und Hotellerie betrage die Abfallmenge von Lebensmitteln rund 200'000 Tonnen pro Jahr – einen Verlust im Wert von rund einer Milliarde Franken.

Amstutz: "Zu wenig auf dem Teller"

Diese Aussage erzürnte Hans-Ulrich Bigler (FDP/ZH), der es für falsch hält, der Gastronomie den „Schwarzen Peter“ zuzuschieben. Die Verschwendung verschuldeten die Gäste, welche die Teller nicht aussessen würden. 

Sommaruga erklärte, dazu gebe es keine Zahlen. Es sei schliesslich auch relativ und abhängig vom Gast, ob eine Portion gross oder klein sei. "Es gibt Leute, die wären froh, die Portionen wären jeweils ein bisschen kleiner, damit sie auch ausessen und die Form wahren können", so Sommaruga. Daraufhin schaltete sich SVP-Nationalrat Adrian Amstutz (BE) ein: Er erlaube sich nun eine persönliche Bemerkung: "Ich habe oft zu wenig auf dem Teller und hätte also gerne grössere Portionen."

Die Frau von Adrian Amstutz erhält bald Post

Sommaruga: "Ja, Herr Nationalrat Amstutz, es tut mir leid, dass Sie regelmässig zu wenig zu essen kriegen. Vielleicht könnten jeweils im Restaurant diejenigen, die zu viel auf dem Teller haben, einen Abtausch mit den anderen machen."

Um der Diskussion einen guten Schlusspunkt zu setzen, schaltete sich also auch noch Vizepräsident Brand ein: "Sicherheitshalber werden wir einen Protokollauszug der heutigen Beratungen der Frau Amstutz zukommen lassen."

Und ja, der Witz ist damit ebenfalls amtlich festgehalten.