Nati-Quali
Heimat, was ist das? Das Dilemma von Xhaka und Co.

Fünf Albaner in Schweizer Trikots spielen gegen das Land ihrer Väter. Für viele in der albanischen Gemeinschaft sind Behrami, Dzemaili, Shaqiri, Mehmedi und Xhaka Verräter, die für das falsche Land spielen. Ob sie heute Abend ausgepfiffen werden?

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Die fünf Albanier der Schweizer Nati
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Xherdan Shaqiri in der Startaufstellung von Bayern
Valon Behrami
Blerim Dzemaili
Wie weit wird sein Talent FCZ-Stürmer Admir Mehmedi noch tragen?

Die fünf Albanier der Schweizer Nati

facebook.com/borussia

Ein Drittel der rund 15600 Fussball-Fans im Luzerner Fussballstadion Swissporarena wird albanischstämmig sein. Vielleicht sind unter den Zuschauern sogar mehr Kosovo-Albaner als Schweizer, immerhin leben rund 200000 Albaner in der Schweiz.

Es ist eine delikate Situation für die jungen Fussballer: Sie treten im Nationaldress des Landes an, in dem sie aufgewachsen sind, und sollen Tore schiessen gegen die Mannschaft der Nation ihrer Eltern. Valon Behrami, Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri, Admir Mehmedi und Blerim Dzemaili sind nicht nur Schweizer Nationalspieler - sie sind zugleich Teil der albanischen Gemeinschaft in der Schweiz.

Umfrage: Albanien gewinnt

46 Prozent der Nordwestschweiz-Leser sind der Ansicht, dass die Albaner den Match gegen die Schweiz heute in Luzern für sich entscheiden können. Nur 39 Prozent rechnen mit einem Sieg der Schweiz.

An ein Unentschieden glauben 15 Prozent.

Dieser missfällt aber das Spielen unter dem Schweizer Kreuz. Einige nennen sie schlicht Verräter. Die Schweizer Nati muss damit rechnen, ausgepfiffen zu werden.

Xherdan Shaqiri, Valon Behrami und Granit Yhaka kamen hier zur Welt, ihre Eltern flüchteten vor dem Bürgerkrieg aus dem Balkan hierher. Xhaka sagt zu Blick: «Ich bin in Albanien ein Ausländer und in der Schweiz auch.» Er weiss, wie die albanischen Fans sein werden: «Sie werden uns provozieren.»

Kein Jubel bei einem Tor gegen die «Heimat»

Xhaka und Co. haben angekündigt, dass sie aus Respekt vor ihren Vätern und dem Heimatland bei einem Tor für die Schweiz gegen ihr Vaterland nicht jubeln werden, also den albanischen Adler nicht zeigen wollen. Valon Behrami (er besitzt nur noch den Schweizer Pass) ist die Ausnahme: «Ich habe mich im Fussball einmal für ein Land entschieden, ich spiele immer für die Schweizer Nati, und jubeln gehört doch einfach zum Spiel», sagt der Napoli-Spieler im «SonntagsBlick».

Wenn albanische Fussballer ein Tor schiessen, jubeln sie oft auf ganz besondere Weise. Die Daumen ineinander verhakt, mit den Handrücken nach aussen und den Fingern als Schwingen bilden sie einen Adler, das albanische Wappentier. (cls)