Heiler-Prozess
«Heiler» gefasst: Warum die Berner Polizei so lange abwartete

Bis heute Mittag hat die Berner Polizei zugewartet, bevor sie das Haus des «Heiler von Bern» stürmte. Warum harrte man so lange aus? Léon Borer, Ex-Kommandant der Kapo Aargau, versteht das zurückhaltende Vorgehen. Die Polizei wolle sich schützen.

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Die Polizei bezieht Stellung vor dem Haus des "Heilers"

Die Polizei bezieht Stellung vor dem Haus des "Heilers"

Keystone

Seit Donnerstagnachmittag verschanzte sich der «Heiler von Bern» in seinem Wohnhaus in Bern. Die Polizei umstellte das Haus und riegelte das Gebiet grossräumig ab.

Erst heute kurz vor Mittag stürmte sie das Haus und fasste den Mann.

Polizei wehrte sich nicht

Der 53-Jährige hatte sich aber nicht komplett in seine Wohnung verzogen. Im Laufe des Nachmittags trat er mit einem Schwert vor die Haustüre und bedrohte die Polizisten mit dem Tod. Um wieder ins Haus zu gelangen, drückte der Angeklagte die Klingel an der Haustüre, sprach mit jemandem durch die Gegensprechanlage und trat ein. All dies geschah ohne Eingriff von Seiten der Polizei.

Léon Borer, Ex-Kommandant der Aargauer Kantonspolizei

Léon Borer, Ex-Kommandant der Aargauer Kantonspolizei

Frank Reiser

Über ihre Strategie gab die Berner Polizei nichts preis. Warum unternahm sie bis am Freitagmittag nichts und schaute quasi zu? «Die Berner Polizei hat die Lage beurteilt und ist zum Schluss gekommen, dass Abwarten wohl die beste Methode ist», schätzt Léon Borer, ehemaliger Kommandant der Kantonspolizei Aargau, die Situation ein. Der gebürtige Walliser war 29 Jahre im Dienst und ging 2008 in Pension.

«Man muss abwarten und wissen, was das für ein Typ ist. Ist es ein Selbstmörder, der durch die Polizei umkommen will?» Es seien mehrere Faktoren, die berücksichtigt werden müssten, so Borer

Eine Frau schaut aus dem Wohnhaus, wo sich der «Heiler» verschanzt
15 Bilder
Journalisten beobachten die Lage
«Heiler von Bern» schwänzt Prozess und verschanzt sich
Der Polizist einer Spezialeinheit fährt zum Wohnhaus
Journalisten beobachten das Geschehen
Die Polizei bezieht Stellung im Quartier
Vermummte Polizisten bringen sich vor dem Haus in Stellung
Polizisten beziehen Stellung
Seit Nachmittag ist die Polizei im Einsatz
Die Strasse wurde abgeriegelt
In diesem Haus verschanzt er sich
Grosses Medienaufgebot vor Ort
Die Polizei sucht eine Lösung, ohne Gewalt anwenden zu müssen
Die Polizei hat das Gelände abgeriegelt
Die Polizei hat das Gelände abgeriegelt

Eine Frau schaut aus dem Wohnhaus, wo sich der «Heiler» verschanzt

Keystone

Kein weiterer Fall Kneubühl

Das Wichtigste bei einem solchen Einsatz sei, dass den Polizisten nichts passiere, meint der Ex-Kommandant und erinnert an den Fall Kneubühl in Biel, als 2010 ein Angehöriger der Berner Kantonspolizei von einer Kugel schwer verletzt wurde. «Jeder Einsatz ist ein Lehrplätz. Und aus dem Fall Kneubühl hat sie wohl ihre Lehren gezogen. Die Polizei ist vorsichtig.» (ldu)

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