Seit Tagen steht der Waadtländer CVP-Nationalrat wegen seiner verherrlichenden Tweets aus Nordkorea in der Kritik. Die Menschenrechtsorganisation «Amnesty Schweiz» bezeichnet seine Reiserapporte als «Schönwetterberichte». Am Dienstag hat sich Béglé in einem längeren Text auf Twitter erstmals zur Kontroverse geäussert. «Die Situation in Nordkorea ist deutlich komplexer, als man sich vorstellt», schreibt er da etwa. Und er betont, dass er privat in dem Land unterwegs sei und kein offizielles Mandat habe.

Doch so einfach ist das nicht: Denn dieser Umstand hindert das nordkoreanische Regime nicht daran, seinen Besuch zu Propagandazwecken auszuschlachten. Das zeigt ein Artikel, der am Mittwoch prominent auf der Internetseite der Zeitung «Rodong Sinmun» erschienen ist. «Rodong Sinmun» ist nicht irgendein Blatt, sondern die meistgelesene Zeitung Nordkoreas und das offizielle Publikationsorgan des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei.

Prominenter Auftritt in der Regimezeitung

«Schweizer Gast besucht Mangyongdae», titelt «Rodong Sinmun» über einem Schnappschuss mit Béglé, der im Text explizit als «Mitglied der Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft» bezeichnet wird (siehe Bild unten). Mangyongdae liegt im Westen des Landes und ist der Geburtsort von Kim Il-sung, dem ehemaligen nordkoreanischen Diktator und Grossvater des jetzigen Herrschers Kim Jong-un. Während Béglé informiert worden sei über die revolutionäre Geschichte des Präsidenten und der patriotischen Karriere seiner Familienangehörigen, habe sich dieser im alten Zuhause von Kim Il-sung umgeschaut.

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Zudem hat Béglé gemäss dem Artikel unter anderem das Koreanische Revolutionsmuseum und eine Seidenfabrik besucht sowie eine grosse Gymnastik- und Kunstvorstellung «genossen». Wie der «Tagesanzeiger» berichtet, wurde die Nachricht von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA verbreitet. Gegenüber der Zeitung sagt SVP-Aussenpolitiker Roland Rino Büchel: «Besuche eines Parlamentariers werden von der anderen Seite oft und gerne propagandistisch genutzt.»

Dass Béglé für das nordkoreanische Regime nicht einfach ein normaler Tourist ist, zeigte sich schon vor einer Woche bei seiner Ankunft im Land. «Schweizer VIP angekommen», schrieb «Rodong Sinmun» über ein Bild des CVP-Politikers im Anzug und wies auch dort schon explizit auf sein Amt als «Mitglied der Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft» hin (siehe Bild unten).

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