Bergsturz

Hausbesitzer: «Die Schutzbauten haben gehalten, nicht aber die Strasse»

Ein Bergbach verwandelte den Bergsturz in einen gewaltigen Murgang. Dieser streifte Bondo und überspülte die Hauptstrasse des Bergells.

Ein Bergbach verwandelte den Bergsturz in einen gewaltigen Murgang. Dieser streifte Bondo und überspülte die Hauptstrasse des Bergells.

Franco Ruinelli ist aus dem Bergell und hat ein Haus in Bondo. Er schätze anhand der Aufnahmen, dass die Bauwerke gut gehalten hätten, die nach dem Bergsturz vor sechs Jahren errichtet worden sind. Damals hatte es Bondos Zeltplatz weggeschwemmt.

«Das ist mein erster Bergsturz, den ich erlebe», sagt Franco Ruinelli. Der Kulturvermittler und Historiker mit Wohnsitz Bellinzona stammt aus Castasegna, ganz unten im Bergell. Bergstürze sind da nichts Ungewohntes, grosse aber setzen sich für Jahrhunderte in der kollektiven Erinnerung fest.

Das beweist auch Ruinelli gleich zu Beginn, wenn er zuerst vom Bergsturz im benachbarten Piuro spricht. 1618 begrub ein gewaltiger, von Menschen verursachter Bergsturz nahezu das ganze Dorf, bis 2000 Menschen kamen ums Leben. «In Bondo beklagen wir Gott sei Dank keine Opfer, wie es wenigstens bisher aussieht. Die Vermissten dürften kaum aus dem Dorf stammen, das wüssten wir längst.» Im Bergell kennt sich nahezu das ganze Tal, auch wenn von Talstufe zu Talstufe sowohl die Mentalität wie auch die Sprache ändert, in Nuancen, die wohl nur Bergeller heraushören.»

Wie genau die Schäden an seinem Haus in Bondo sind, weiss Franco Ruinelli noch nicht; er lebt darin jeweils bei Heimatbesuchen oder während Kurzurlauben: «Wir können ja nicht hingehen und nachschauen.» Auf Fotos und Drohnenaufnahmen habe er jedoch gesehen, dass von aussen her alles intakt scheint.

Er schätze anhand der Aufnahmen auch, sagt Ruinelli weiter, dass die Bauwerke gut gehalten hätten, die nach dem Bergsturz vor sechs Jahren errichtet worden sind. Damals hatte es Bondos Zeltplatz weggeschwemmt. Nicht allen Einheimischen habe der massive Landschaftseingriff gefallen. Jetzt scheinen sich die Massnahmen als tauglich erwiesen zu haben.

«Allerdings nicht bei der Strasse», sagt Ruinelli: «Die Brücke war zu tief, es bildete sich ein Stau, ein See; darum spülte es die gewaltigen Muren über die seitlichen Betonwände hinaus.» Oben am steilen Berg hänge nach wie vor enorm viel lockeres Gestein. «Der Mensch tut viel gegen den Berg. Aber gerade im Bergell kann man erfahren: Die Natur lässt sich nicht führen.»

Aufzeichnung: Max Dohner

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